Mein Beitrag zur preisgekrönten Fritzi-Serie

Viele von euch haben es wahrscheinlich letztes Jahr mitbekommen: Die Serie „Auf Fritzis Spuren – wie war das so in der DDR?“ wurde im November 2025 mit dem International Emmy Award ausgezeichnet. Für mich war das etwas ganz Besonderes, denn ich war Teil dieses Projekts und habe für die Serie gezeichnet. Im Abspann werde ich unter „Setdesign“ geführt. Aber was bedeutet Setdesign eigentlich? Und worin bestand meine Arbeit? Das möchte ich hier erzählen.

Der Emmy ist ein großer Erfolg. Er zeichnet internationale TV-Produktionen aus und gehört zu den renommiertesten Fernsehpreisen weltweit. Für die Serie bedeutet der Preis eine besondere Anerkennung, denn sie ist damit die höchst ausgezeichnete Serienproduktion aus Mitteldeutschland.

Worum geht es in der Serie?

„Auf Fritzis Spuren – wie war das so in der DDR?“ ist eine Animadok-Serie von Balance Film aus Dresden (2024). Ausgangspunkt war die Frage: Wie kann man Kindern und Familien heute die Geschichte der DDR näherbringen? Vor allem auch denen, die selbst oder deren Familien wenig Bezug zur DDR dazu haben. Fakt ist nämlich, dass auch Kinder, die in den neuen Bundesländern aufwachsen, wenig Anknüpfungspunkte zur DDR-Geschichte haben. Genau das will die Serie ändern.

Die Serie erzählt vom Leben in der DDR in den späten 1980er Jahren und von den Ereignissen rund um 1989. Sie ergänzt den Animationskinofilm „Fritzi – Eine Wendewundergeschichte“ und die TV-Serie „Fritzi und Sophie“.
Was die Serie besonders macht und warum sie ausgezeichnet wurde: Sie verbindet unterschiedliche visuelle Ebenen. 3D-Animationen und 2D-Zeichnungen treffen auf Realfilm und historische Fotos. Die Ebenen Daraus entsteht nicht nur eine stilistische Collage, sondern auch die Erzählweise ist bunt zusammen gemischt. Die Geschichte wird nämlich nicht linear erzählt, sondern in vielen einzelnen Fragmenten, die miteinander verknüpft werden. Die visuellen Ebenen werden durch die Moderation geschickt miteinander verzahnt. Diese übernehmen Anna Shirin Habedank und Julian Janssen („Checker Julian“) . Sie bewegen sich zwischen den verschiedenen Ebenen und verwandeln sich dabei auch in Avatare. Sie reisen so in die Vergangenheit, folgen den Spuren der Figur Fritzi und begegnen Zeitzeuginnen und Zeitzeugen.

Die Serie ist damit sowohl visuell als auch erzählerisch innovativ, was auch bei der Emmy-Verleihung besonders hervorgehoben wurde.

Was war meine Rolle?

Im Abspann stehe ich unter „Setdesign“. Ganz konkret bedeutet das: Ich habe die schwarz-weißen 2D-Hintergründe gezeichnet. Pro Folge sind etwa drei bis vier Hintergründe von mir. Zum Beispiel die Berliner Mauer:

Berliner Mauer, ©Balance Film

Meine Zeichnungen sind bewusst minimalistisch gehalten und bilden so einen starken Kontrast zum restlichen Material. Während viele Szenen aus farbigen, komplexen 3D-Animationen bestehen, sind meine Hintergründe flach, reduziert und schwarz-weiß.

Die 3D-Figuren bewegen sich direkt in diesen reduzierten Räumen so, als wären diese Räume selbst dreidimensional. Gerade dieser Kontrast zwischen Einfachheit und Komplexität, zwischen flach und 3D, prägt die besondere Ästhetik der Serie.

Beispiel einer Straße, ©Balance Film

Besondere Herausforderungen

Recherche als Grundlage

Der Arbeitsprozess war anders als in vielen anderen Projekten. Denn zwei Dinge haben besonders viel Zeit beansprucht: die Recherche und die Neukomposition des Bildmaterials.

Ziel war es, die DDR möglichst authentisch darzustellen. Dafür musste ich mich intensiv mit Alltagsdetails beschäftigen. Zum Beispiel: Wie sah ein typisches Wohnzimmer aus?

Beispiel: Typisches Wohnzimmer in der DDR, ©Balance Film
Oder wie sahen bestimmte Straßen früher aus?
Beispiel: Petersstraße Leipzig, ©Balance Film

Für manche Themen gab es kein passendes Bildmaterial in der Perspektive oder im Ausschnitt, den ich brauchte. In solchen Fällen habe ich verschiedene Quellen kombiniert und daraus neue Ansichten entwickelt. Zum Beispiel den Alexanderplatz in Berlin:

Beispiel: Alexanderplatz im Jahr 1989, ©Balance Film

Die Krux mit der Perspektive

Da die Bewegungsabläufe der 3D-Figuren durch feste Winkel und genaue Start- und Endpunkte vorgegeben waren, musste der gezeichnete unbewegliche Hintergrund präzise darauf abgestimmt werden. So entstand die Illusion, dass sich die Charaktere glaubhaft im Raum bewegen. Das war technisch durchaus knifflig. Beim folgenden Beispiel waren mehrere Anläufe nötig, bis der perspektivische Winkel passte. Hier ein Beispiel aus meinem Zeichenprogramm, in dem ich mit Screenshots der Figuren gearbeitet habe.

Minimalismus und Ausdruck

Ein reduzierter Stil klingt zunächst einfach, ist es aber nicht. Im Gegenteil: Gerade wenige Linien müssen präzise gesetzt sein. Eine Linie muss oft mehr erzählen als viele. Unter Zeitdruck ist das eine echte Herausforderung. Es braucht eine gewissen Gelassenheit, Dinge wegzulassen und gleichzeitig die richtige Balance zu finden.

Auch innerhalb der schwarz-weißen Zeichnungen gibt es Unterschiede: Gebäude sind oft detaillierter ausgearbeitet, während Menschen nur als Silhouetten erscheinen.

Beispiel: Demonstration auf dem alten Karl-Marx-Platz (heutiger Augustusplatz) in Leipzig, ©Balance Film

Zusammenarbeit und Zeitdruck

Die Produktion stand unter Zeitdruck. Innerhalb kurzer Zeit musste sehr viel Material verarbeitet und zusammengeführt werden. Das hat nur durch eine enge Zusammenarbeit funktioniert zwischen Animation, Storyboard, Regie und allen weiteren Beteiligten. Balance Film hat hier ein beeindruckendes Projektmanagement geleistet und die vielen Bausteine zu einem stimmigen Ganzen verbunden.

Mein Fazit: Was ich aus dem Projekt mitnehme

Ein Projekt dieser Größenordnung hinterlässt Spuren. Wenn ich auf die intensive Zeit zurückblicke, bin ich gleich auf mehreren Ebenen gewachsen.

Auf der technischen Seite war das Projekt eine schöne bereichernde Herausforderung. Ich habe gelernt, meine Zeichnungen gezielt an filmische Anforderungen anzupassen, was einen neuen Blick auf Komposition erforderte und mir neue ästhetische Ausdrucksmöglichkeiten verlieh. Zudem konnte ich mein Verständnis für Animations- und 3D-Prozesse vertiefen. Besonders schön war für mich zu erleben, wie gut meine Zeichnungen zur Atmosphäre beitrugen konnten.

Was mich auch sehr beeindruckt hat, war die Dynamik hinter den Kulissen. Es war eine wertvolle Erfahrung, Teil eines so großen Teams zu sein und mitzuerleben, wie viele unterschiedliche Disziplinen ineinandergreifen, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Dabei blieb am Ende das bestärkende Gefühl, mit meiner eigenen Arbeit einen wesentlichen Beitrag zum großen Ganzen geleistet zu haben.

Ausblick und Link zur Serie

Ob es weitere Folgen von „Auf Fritzis Spuren – wie war das so in der DDR?“ geben wird, ist aktuell noch offen. Für mich steht fest: Ich nehme viel aus diesem Projekt mit und fühle mich gut vorbereitet für kommende, hoffentlich ebenso innovative Produktionen.

Die Serie ist aktuell in der ARD-Mediathek verfügbar:
ardmediathek.de/serie/auf-fritzis-spuren-wie-war-das-so-in-der-ddr/staffel-1/Y3JpZDovL21kci5kZS9zZW5kZXJlaWhlbi9iMmFlYmFkYS02NjljLTRhYTMtYWM0NS0wM2RkN2NhYzFlZmEtbmV1/1

Beteiligte:

Drehbuch und Regie: Ralf Kukula, Andrea Gentsch
Produzent: Ralf Kukula
Koproduzenten: MDR, WDR
Produktionsleitung MDR: Anke Sipp
Herstellungsleitung MDR: Nicole Zscherny
Redaktion: Anke Lindemann (MDR), Alexander Roth (MDR), Sabine Scheuring (MDR), Mathias Körnig (WDR)
Rechercheur: Tom Ritschel
Realkamera: Holger Berg, Stefan Urlaß
Tonmeister: Christian Carl
Moderation und Darstellung Motion Capture: Anna Shirin Habedank und Julian Janssen
Zeitzeugen: Felicia Ax, Regina Schild, Gabor Steisinger, Philip Lehmann, Bernd Stracke, Hartmut Rüffert, Gesine Oltmanns, Uwe Richter, Ronny Antlauf, Kathrin Mahler Walther
Montage: Martin Gilluck
Produktionskoordination, Archive Producer, Aufnahmeleitung Motion Capture: Sabine Kraft
Technical Director, Motion Capture Operator, Modelling, Rigging: Elias Schwarze
Storyboard: Alex Tiedke
Layout, Animation Supervisor: Florian Genal
Setdesign: Simone Fass
Animation: Ina Gabriel, Josie Steinmetz
Compositing, Motion Caption Operator, Outlines, Rendering: Jan Mildner
Production Supervisor, Animation, 2D Motion Graphics, Titeldesign: Francie Liebschner
Grading: Stefan Urlaß
Sound Design , Mischung: Florian Marquardt
Musik: André Dziezuk
Titelmusik: Anna Shirin Habedank

Mit Unterstützung von: Mitteldeutscher Medienförderung

Mein persönlicher Dank geht an Michael Peukert, der mich in der Bildrecherche unterstützt hat.

  • #Animation #DDR #LeichteBilder #Animadok

Kommentare (1)

  1. Martin U schrieb am 06. May 2026 um 21:05 Uhr

    Meinen Glückwunsch, Simone, zu diesem Erfolg und der tollen Erfahrung! Und vor allem vielen Dank für den interessanten Blick hinter die Kulissen und in Deine Arbeit!