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Meine wichtigsten Erkenntnisse aus meinem ersten Jahr Sketchnotes-Tagebuch

meine geliebten visuellen Sketchnotes-Tagebücher

Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich mein Sketchnotes-Tagebuch begonnen, spontan während meines Sommerurlaubs 2017. Was waren meine Beweggründe, ein visuelles Tagebuch zu führen (anstatt einfach Text zu schreiben)? Wie hat sich mein Sketchnotes-Tagebuch im Laufe des letzten Jahres verändert? Was habe ich aus diesem Visualisierungsprojekt gelernt? Und wie geht es weiter? Dies alles beantworte ich in diesem Blogpost.

Wie fing ich mit Sketchnotes-Tagebuch an?

Ich dokumentiere schon seit über 10 Jahren eigene Erlebnisse in Form von Zeichnungen. Warum zeichnen? Ich zeichne, also bin ich. So könnte ich meinen sehr ausgeprägten Zeichendrang wohl benennen. Wenn ich einen Tag nicht zeichne, fehlt mir etwas. Zeichnungen sind für mich das erste bewusste Ausdrucksmittel. Als Inspirationsquelle habe ich eigene Erlebnisse gewählt. Sie sind für mich der direkteste und einfachste Weg, um an Geschichten heranzukommen. Dazu kommt, dass ich Geschichten aus dem Alltag richtig spannend finde. 

Seitdem ich Mutter bin (seit 8 Jahren), hat sich meine verfügbare Zeit für freie Zeichnungen drastisch verkürzt. Die Illustrationen wurden über die Jahre immer weniger und ich unzufriedener. Ich brauchte ein neues Tool, womit ich meine Geschichten erzählen konnte mit mehr zeitlicher Flexibilität. Für meinen Freigeist war es mir wichtig, ein freies Projekt ohne Kunden aufrecht zu erhalten. Ich suchte also nach einer schönen anschaulichen Möglichkeit, meine Erinnerungen mit Spaß, schnell und einfach zu dokumentieren.

Zurück zum Sommerurlaub 2017: abends wollte ich lieber meine Zeit mit Freunden und der Familie verbringen als mich von der Gruppe abseilen, um alleine zu zeichnen. Meditative Momente für ausgefeilte Illustrationen hatten keinen Platz mehr. Um meinen Zeichendrang zu befriedigen, schnappte ich mir das A3-Papier, das im Hause meiner Schwiegereltern als Zeichenpapier für die Kinder zur Verfügung stand (aber nicht benutzt wurde). Anstatt wie vorher ein ganzes Blatt pro Bild zu füllen, nahm ein Bild jetzt nur einen kleinen Teil des Blattes ein. Anders war auch, dass ich diesmal Text hinzuschrieb, der sehr kurz gehalten und umgangssprachlich formuliert war. Jeden Tag wuchsen die Bild-Text-Kombinationen ein bisschen mehr zu einem Gesamtbild heran. Bilder und Texte entstanden im selben Tempo, wurden gleichermaßen notizenhaft und alles konzentrierte sich auf das Wesentliche. So entstand also mein Sketchnotes-Tagebuch. Hier ein Blick auf Seite 0, die im Sommerurlaub 2017 entstand:

 Urlaubssketchnotes

Und wie sehen meine Sketchnotes heute aus?

Simone Fass' Tagebuch-Sketchnotes

Dies ist der Eintrag meines visualisierten Tagebuchs, den ich genau ein Jahr nach der Seite 0 im August 2018 zeichnete. Was ist in der Zwischenzeit passiert? Ich zeige Euch hier eine Übersicht der wichtigsten Seiten, die zwischen Sommer 2017 und Sommer 2018 entstanden sind in chronologischer Reihenfolge.

visualisierte Reise-Sketchnotes

August 2017

visualisierte Reise-Sketchnotes

September 2017

visualisierte Reise-Sketchnotes

November 2017

Ende August 2017

Dezember 2017

Ende August 2017

Weihnachten 2017

visualisiertes Sketchnortes-Tagebuch

Januar 2018

visualisiertes Sketchnotes-Tagebuch

Januar 2018

visualisiertes Sketchnotes-Tagebuch

visualisiertes Sketchnotes-Tagebuch

Februar 2018

visualisiertes Sketchnotes-Tagebuch

Februar 2018

visualisiertes Sketchnotes-Tagebuch

März 2018

visualisiertes Sketchnotes-Tagebuch

März 2018

visualisiertes Sketchnotes-Tagebuch

Mai/Juni 2018

visualisiertes Sketchnotes-Tagebuch

Juni 2018

visualisiertes Sketchnotes-Tagebuch

Juli 2018

visualisiertes Sketchnotes-Tagebuch

Juli 2018

visualisiertes Sketchnotes-Tagebuch

Juli 2018

visualisiertes Sketchnotes-Tagebuch

August 2018

visualisiertes Sketchnotes-Tagebuch

August 2018

visualisiertes Sketchnotes-Tagebuch

August 2018

visualisiertes Sketchnotes-Tagebuch

August 2018

Wahrscheinlich ist es meiner Neugierde und Experimentierfreude geschuldet, dass ich in diesem Projekt ein weitaus höheres Potenzial sah als « nur » meine Erlebnisse zu dokumentieren. Der Auslöser war die Änderung des Papierformats. Nach dem Urlaub 2017 waren die A3-Blätter vollgeschrieben. Ich hatte noch etliche leere Skizzenbücher im Regal stehen. Außerdem haben sich die losen Blätter als sehr unpraktisch herausgestellt für den Transport. Ich brauchte also etwas Gebundenes und entschied mich für ein sehr langes schmales Skizzenbuch, das mir am schwierigsten zu befüllen schien. Diese Herausforderung reizte mich.

Das Format war anders, warum also nicht auch andere Parameter ändern? Ich fing so an, mit grafischen Elementen herumzuspielen, ohne zuerst zu wissen warum und wohin ich damit wollte.

Welche grafischen Parameter gibt es überhaupt?

Hier eine kleine Aufzählung der grafischen Elemente in Sketchnotes, die veränderbar sind.

Das Werkzeug

Stift

  • Stiftart
  • Pinselspitzendicke
  • Verbrauchsgrad
  • Farbe

Papier

  • Grammatur
  • Oberfläche
  • Format
  • Bindung

Sketchnotes

Schrift

  • Buchstabengröße und -breite
  • Groß- oder Kleinbuchstaben
  • kursiv oder normal
  • Laufweite
  • Zeilenabstand
  • links- oder rechtsbündig, mittig
  • Betonungen im Text
  • Druckbuchstaben oder Schreibschrift
  • x-Höhe
  • Zusatzelemente
  • mit oder ohne Serifen
  • Winkel

Bilder

  • Bildkomplexität (z. B. Symbol oder Illustration)
  • Bildinhalt (z. B. Personen, Gegenstände, Abstraktes)
  • Bildstil

Layout

  • Trennelemente
  • Reihenfolge des Schreibens (Bild oder Text zuerst)
  • Leserichtung
  • Beziehung der Elemente zueinander
  • Gesamtanordnung
  • Abstand zwischen Elementen
  • Weißraum

Das habe ich durch mein Sketchnotes-Tagebuch gelernt

Es hat sich gelohnt, an meinem Sketchnotes-Tagebuch dranzubleiben. Neben Spaß hat es mir auch viele neue Erkenntnisse geschenkt, die ich auch auf meine « großen » Visualisierungen – die Graphic Recordings – übertragen kann. Hier fasse ich dir meine wichtigsten Erkenntnisse zusammen.

Eine Mischung aus Planung und Improvisation

Ich habe im Laufe der letzen Jahre meiner Illustratorintätigkeit immer mehr gemerkt, dass ich eine ganze schlechte Doodlerin bin. Doodlen heißt wörtlich übersetzt « kritzeln ». Man könnte es auch als « irgendwie herummalen » übersetzen, d. h. Zeichnen des Zeichnens wegen. Zum Beispiel das Herumkritzeln während eines langweiligen Meetings, um sich irgendwie zu beschäftigen. Oder positiv ausgedrückt: sich freizeichnen von Blockaden. Doodlen hat in der Tat auch einen deblockierenden und inspirierenden Effekt.

Ich aber bin keine « Kritzlerin », ich brauche einen äußeren Sinn für meine Zeichnungen. Dafür definiere ich mir vor jeder Sketchnotes-Seite zuerst mein WARUM. Warum möchte ich diese Sketchnotes zeichnen? In meinem Fall ist es der Wunsch, eine bestimmte grafische Gestaltung auszuprobieren. Wenn man es auf andere Sketchnotes überträgt, könnte man sich fragen:

Welchen Zweck sollen die Sketchnotes erfüllen?
Sollen sie zum Beispiel mir oder anderen dabei helfen, Informationen besser zu behalten?
Oder möchte ich sie mir vielleicht einfach als schöne Dekoration in die Küche hängen?
Oder möchte ich einfach eine schöne Geschichte erzählen und sie dann abheften?
Entstehen die Sketchnotes live zu einer Veranstaltung oder davon unabhängig und evtl. zu anderen Input-Quellen?
In welchem Kontext werden die Sketchnotes gelesen? Nur auf dem Bildschirm oder ausgedruckt?

Wenn die Sketchnotes nicht nur für dich selber bestimmt sind, solltest du dir auch die Frage stellen, WER deine Sketchnotes lesen wird. Wie vertraut sind die Leser mit dem neuen Wissen? Waren sie z. B. auch auf der Veranstaltung, die du visualisiert hast? Wenn ja, kennen sie schon den Ablauf und du musst ihn in den Sketchnotes nicht stark hervorheben. Zudem solltest du die Lesegewohnheiten Deiner Leserschaft ungefähr kennen. Welche Bücher lesen sie? Welche grafische Literatur sind sie gewohnt?

Wenn ich diese Fragen beantwortet habe, bestimme ich die grafischen Parameter, die ich weiter oben im Text schon vorgestellt habe.

Der Rahmen ist nun festgelegt. Es bleibt nun noch ein Teil, der nicht planbar ist. Und das ist gut so! Zum Beispiel die Wirkung der Text- und Bildeinheiten untereinander. Du kannst nicht voraussagen, welche Bilder du zeichnen wirst. Je nachdem, welche Motive du findest, wirst du spontan auf sie in der folgenden Gestaltung reagieren.

Das Improvisierte gibt den Sketchnotes Lebendigkeit und Persönlichkeit. Deswegen braucht niemand sich davor zu scheuen. Im Gegenteil: zeige deine Persönlichkeit! Ich gebe zu, dass es eine Frage der Übung ist, sich auf das Unvorhergesehene einzulassen. Aber ich kann Euch versichern: die Geschichten und Bilder, die spontan entstehen, sind meist die expressivsten und schönsten.

Die Führung der Augen

Die Augen mögen es, wenn ihnen gezeigt wird, wo sie anfangen müssen zu lesen. Ihnen sollte also von Anfang an klar sein, auf welche Leserichtung sie sich einlassen. Gibt es nur eine Leserichtung? Wenn ja, sollte diese deutlich markiert sein. Wenn nein, sollte das Layout « offener » sein. Je mehr man den Augen diese Entscheidung abnimmt, desto entspannter und konzentrierter sind sie für das Wichtigste, nämlich den Inhalt.

Es gibt die fliegenden Lesenden, die sich gerne einen Überblick verschaffen und sich an der Gesamtheit des Bildes erfreuen, aber nicht unbedingt den Text lesen. Und es gibt es die tauchenden Lesenden, welche die Sketchnotes von Anfang bis Ende durchlesen. Außerdem gibt es die springenden Lesenden, welche nur die Textstellen lesen, die sie am meisten interessieren. Alle Typen können sich auch miteinander mischen und sollten deswegen gleichberechtigt durch die Gestaltung abgeholt werden. Wie?

Für die fliegenden Lesenden:

  • eine gut gestaltete Überschrift mit ggf. Titelbild
  • eine ausgewogene Verteilung aller Bildelemente auf dem Blatt – für ein schönes Gesamtbild
  • einheitliche Gestaltung der grafischen Elemente (z. B. die Überschriften immer gleich) – die Regelmäßigkeit trägt auch viel zum ästhetischen Gesamteindruck bei
  • dekorative Elemente – geben dem Blatt einen persönlichen Reiz und können, wenn sie überlegt eingesetzt werden, auch als Blickfang dienen.

Für die tauchenden Lesenden:

  • gut leserliche Schrift
  • klare Vorgabe der Leserichtung – z. B. durch ein klares Layout mit Leserichtung von links nach rechts und von oben nach unten
  • Bilder, die zum Inhalt passen, den Text sinnvoll ergänzen und Stimmungen transportieren. Die Lesenden sollen Lust bekommen, sich die Bilder länger anzuschauen. Die Wahl der Bilder ist sehr vielseitig umsetzbar. Es gibt unendlich viele visuelle Sprachen. Grundsätzlich hängt die Wahl der Bildsprache vom Ziel der Sketchnotes ab. Ist es wichtig, Menschen und ihre Geschichten darzustellen? Dann zeichnest du Figuren. Geht es aber eher um Zahlen und Fakten, sind Zahlen und Symbole eventuell besser geeignet. Natürlich kannst du Bildsprachen auch mischen. Es sollte aber einen dominierenden Bildtonus geben.

Für die springenden Lesenden:

  • Das Zauberwort lautet « Priorisierung ». Gute Hervorhebung der Überschriften und visuelle Anker unterstützen die Markierung der wichtigtsten Infos – so wissen die springenden Leser, wo es sich lohnt hinzuspringen.
  • sichtbare Trennung zwischen verschiedenen Informationen
  • Markierungen der Schlüsselwörter im Text – so kann der Inhalt auf einen Blick erfassbar sein

Rhythmus ist alles

Rhythmus ist der Herzschlag der Sketchnotes. Ein gleichmäßiger Rhythmus ist schön und angenehm. So auch für die visuellen Notizen. Er macht sie « rund » und hält sie zusammen.

Unter « Rhythmus » verstehe ich zwei verschiedene Dinge:

  1. meinen persönlichen Rhythmus: Wie schnell zeichne ich? Welchen Rhythmus hat mein persönlicher Zeichenstil?
  2. objektiven « messbaren » Rhythmus: entsteht z. B. durch z. B. Abstände und Layout

Mein persönlicher Rhythmus als Comfort-Zone

Ich habe mich durch mein Sketchnotes-Tagebuch ein Stückchen besser kennengelernt. Nun kenne ich meine Vorlieben und Geschmäcke besser. Ich habe meine grafische Comfort-Zone gefunden. :-) Ich weiß nun, in welchen Bildsprachen ich mich am wohlsten fühle und welche Infos ich brauche, um sie herzustellen. Ich kenne meine Lieblingsinhalte und weiß, wie ich sie spontan gestalten kann.
Ich weiß aber auch, welche Herausforderungen mich außerhalb meiner Comfort-Zone katapultieren und habe Lösungen dafür gefunden, wie ich damit umgehen kann.

Allein deswegen lohnt es sich schon, regelmäßig und kundenunabhängig zu sketchnoten. :-)

Objektiver Rhythmus

Objektiv betrachtet gibt es mehrere Faktoren, die zu einem regelmäßigen stabilen Rhythmus beitragen. Zum Beispiel:

  • grafische Einheitlichkeit: Elemente mit der gleichen Funktion sollten immer gleich behandelt werden im Verhältnis zum Rest. Zum Beispiel: alle Überschriften sind in Blockbuchstaben, der Fließtext ist immer in Schreibschrift. Oder alle Bilder sind farbig, der Text immer schwarz. Wichtig ist, dass du dein Gestaltungssystem KONSEQUENT durchziehst.
  • Weißraum: der Weißraum ist der Gegenpol zur Schwärzung des Papiers. Die Augen brauchen diesen neutralen Raum zur « Erholung ». Deswegen: nutze Weißraum bewusst als Gestaltungselement.
  • Immer gleicher Abstand: genauso wie du ein System für die grafischen Elemente entwickelst, sollte auch der Abstand zwischen den Elementen kalkuliert und regelmäßig sein. Zum Beispiel immer der gleiche Abstand zwischen Überschriften und Fließtext, Sinneinheiten, Bild und Text usw..
  • eine kohärente visuelle « Sprache »: alle Gestaltungselemente, die ich weiter oben genannt habe, lassen sich unendlich variieren und miteinander kombinieren. Daraus und aus deinem persönlichem Stil entsteht eine Sprache, die « krakelig », « vornehm », « elegant », « modern », « wissenschaftlich », « humorvoll », « energiegeladen » und noch vieles mehr sein kann. Die Kunst besteht darin, eine gute Kombination zu finden, die zu Dir und zum Thema passt.

Nicht alle diese Empfehlungen müssen eingehalten werden, um einen schönen Rhythmus zu bekommen. Es ist auch möglich, nur einen Teil davon umzusetzen und den Rest flexibler anzugehen. Wichtig dabei: die regelmäßigen und wiederkehrenden Elemente müssen gut sichtbar sein.

Einfach mal stehen lassen – mein Umgang mit « Fehlern »

In meinen Flipchart-Workshops rate ich meinen Teilnehmenden immer, sich zur Übung ein Notizbuch zuzulegen. Die Betonung liegt dabei auf Buch. Ich finde es wichtig, in Büchern zeichnen und visualisieren zu üben, weil man die Seiten nicht wegschmeißen kann. Solange wir die Möglichkeit haben, angeblich misslungene Seiten zu entsorgen, tun wir es auch. Ein Buch hindert uns daran. In einem Buch gibt es gezwungenermaßen immer eine Dramaturgie, einen Ablauf. Wenn du alle Seiten einfach stehen lässt, wirst du am Ende sehen, wie du dich weiterentwickelt hast. Und das hast du ganz sicher! So machst du deine Weiterentwicklung sichtbar und es wird dich mutiger machen.

So erging es auch mir. Es gibt genug Seiten in meinem visuellen Tagebuch, mit denen ich nicht zufrieden bin. Ich zwang mich aber, sie trotzdem fertig zu zeichnen und nochmal im Ganzen zu betrachten. Warum funktioniert die Seite nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte? Was kann ich daraus für meine nächsten Seiten für Schlüsse ziehen?

Die Sketchnotes leben von der Spontanität des Striches. Nur wenn ich die Erfahrung gemacht habe, wie ich mit « Fehlern » produktiv umgehe, kann ich wirklich spontan in situ auf sie reagieren. Ich werde weniger Angst vor ihnen haben und Vertrauen in mein kreatives Potenzial gewinnen.

Zugegeben, es ist schon eine Überwindung, die Seiten, welche ich weniger gelungen finde, trotzdem meiner Community zu zeigen. Aber lang- und mittelfristig gesehen lohnt es sich auf jeden Fall!

Hier sind zwei Seiten, die ich aus verschiedenen Gründen weniger gelungen finde:

visuelle Tagebuch-Sketchnotes

Januar 2018

visuelleTagebuch-Sketchnotes

Februar 2018

Wie geht es weiter?

Ich werde mein Experiment fortführen und schauen, auf welche Reise es mich schickt. :-)

Außerdem biete ich nun einen offenen Kurs zum Thema « Einstieg in Reise-Sketchnotes ». Der Workshop ist dafür da zu zeigen, wie viel Spaß es macht, seinen eigenen Geschichten freien Lauf zu lassen und Dir Mut zu machen, einfach mal anzufangen. Wenn Du gerne lernen möchtest, Deine eigenen visuellen Geschichten zu erzählen, sei als Urlaubserinnerung, als Alltagsdokumentation oder für deinen Job, dann ist der Kurs genau das Richtige für Dich! Hier erfährst Du mehr darüber.

Résumée

Ein Jahr konsequentes Sketchnotes-Tagebuch Führen haben mich sensibilisiert für die visuellen Werkzeuge, die für Sketchnotes zur Verfügung stehen. Ich kann nun leichter und mit mehr von ihnen jonglieren. Mein Bewusstsein für den Raum « Papier » hat sich geweitet. Ich freue mich, dieses Experiment weiterzuführen und lasse mich gern auf das Ungewisse ein.

Warum Menschen mit kognitiver Einschränkung Graphic Facilitation brauchen

Anfang August fand das internationale Meetup Euviz zwischen visuellen Prozessbegleitern in Dänemark statt. Auch wenn ich nicht teilnehmen konnte, nutze ich die Gelegenheit, meine Arbeit als Visuelle Übersetzerin mit Menschen mit geistiger Behinderung vorzustellen. Auf dem Meetup gab es nämlich eine Session zum « Social Impact » von Graphic Facilitation – wie visuelle Prozessbegleitung also in sozialen Bereichen agieren kann. Hier könnt Ihr die Ergebnisse dieser Session sehen.

Ich fasse in diesen Sketchnotes kurz zusammen, wie Menschen mit geistiger Beeinträchtigung von visueller Prozessbegleitung profitieren. Welchen Problemen begegnen sie und wie kann das Graphic Facilitation helfen, diese Probleme zu lösen? Graphic Facilitation ermöglicht eine bessere Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Wie? Lest selbst:

Social Impact für inklusive Visualisierung

Sketchnotes gegen Rassismus und Diskriminierung

Vor 2 Wochen war ich auf der ersten Frühjahrsakademie des Landesnetzwerks Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt e.V. (Lamsa) . Es ging darum, wie man Diskrimnierung und Rassismus vorbeugen und darauf reagieren kann. Lamsa schafft Dialoge zwischen Migranten und Deutschen und setzt sich so für eine vielfältige Gesellschaft ein.

Ich habe spontan in meinem Notizblock Sketchnotes gemacht und die für mich wichtigsten Aussagen visualisiert. Es ist natürlich eine subjektive und persönliche Dokumentation ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Im ersten Teil gibt es eine Übersicht über die Themen « Interkulturelle Bildung », « Ausbildung und Arbeitsmarkt », « Sprachmittlung », « Alltagsrassismus und -diskrimnierung » und « Ehrenamt ». Dann besuchte ich einen Workshop über « Alltagsrassismus und -diskrimnierung » und habe dies weiter visuell dokumentiert.
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"Wir bauen Brücken" und (verkehrs-)regeln auf und möchten Partner finden – Aussage von Lamsa über ihre Ziele festgehalten in Sketchnotes zur Lamsa Frühjahrsakademie

"In den letzten 4 Jahren ist die Anzahl der Ausländer um 50 [ gestiegen in Sachsen-Anhalt", "5% der Bewohner in S-A sind Ausländer", "Themen: Interkulturelle Bildung" – Migranten als Experten integrieren" – Aussage von Lamsa über ihre Ziele festgehalten in Sketchnotes zur Lamsa Frühjahrsakademie

"Perspektivwechsel", "Wo sind die Grenzen interkureller Bildung", "Rechtspopulismus stark", "Thema 2: Ausbildung und Arbeitsmarkt" – Aussage von Lamsa über ihre Ziele festgehalten in Sketchnotes zur Lamsa Frühjahrsakademie

 

"wir ändern Rahmenbedingungen, "Strategiepapier", "Integration aufAugenhöhe" – Aussage von Lamsa über ihre Ziele festgehalten in Sketchnotes zur Lamsa Frühjahrsakademie

"Thema 3: Sprachmittlung", " Wohnungssuche schwierig", "Sprache erlaubt Teilhabe", "Ehrenamt wichtig", "Amt soll Dolmetscher stellen" – Aussage von Lamsa über ihre Ziele festgehalten in Sketchnotes zur Lamsa Frühjahrsakademie

"Thema 4: Ehrenamt", Leute arbeiten aus herz, weniger für die Ehre"", "durch Ehrenamt Zugang zum Arbeitsmarkt erschwert" – Aussage von Lamsa über ihre Ziele festgehalten in Sketchnotes zur Lamsa Frühjahrsakademie

 

 

"Ehrenamtliche wollen gestalten", so viele wollen sich ehrenamtlich engagieren: 43% der in Deutschland geborenen mit einet deutschen Staatsbürgerschaft und Mgrantionshintegrund und 46 % der in Dtl geborenen und dt Staatsbürgerschaft und OHNE Migrationshintergrund" – Aussage von Lamsa über ihre Ziele festgehalten in Sketchnotes zur Lamsa Frühjahrsakademie

"diese Leute wollen sich ehrenamtlich engagieren: 31 % der menschen mit Migrationshintergrund, in Dtl geboren, OHNE deutsche Staatsbürgerschaft und 21 % der menschen der immigrierten Menschen OHNE dt Staatsbürgerschaft"," man braucht Sicherheit, um ehrenamtlich tätig zu sein" – Aussage von Lamsa über ihre Ziele festgehalten in Sketchnotes zur Lamsa Frühjahrsakademie

"Thema Alltagsrassismus", "Was ist Diskrimnierung? _ benachteilig aufrgund eines Merkmals", "Diskrimnierung gibt auf individueller Ebene, auf institutioneller Ebene und auf der diskursiven Ebene" – Aussage von Lamsa über ihre Ziele festgehalten in Sketchnotes zur Lamsa Frühjahrsakademie

 

 

 

 

 

 

 

"Wo wird diskriminiert? – Job, Wohnungssuche, Arzt, Banken, Jobsuche, Medien, Amt, Polizei, Kollegen, Schulweg, uff. Verkehrsmittel", "Mögliche Lösungen: Fürsprecher (da aber Vorsicht, Risiko Entmündigung)" – Aussage von Lamsa über ihre Ziele festgehalten in Sketchnotes zur Lamsa Frühjahrsakademie

"Thema Alltagsrassismus", "Was ist Diskrimnierung? _ benachteilig aufrgund eines Merkmals", "Diskrimnierung gibt auf individueller Ebene, auf institutioneller Ebene und auf der diskursiven Ebene" – Aussage von Lamsa über ihre Ziele festgehalten in Sketchnotes zur Lamsa Frühjahrsakademie

"Welche Lösungen gibt es? – Stärkung betroffener, eigene direkte Beschwerde der betroffenen, Hinweis auf Rechtslage, öfter u gebündelt beschweren, Gedächtnisprotokoll, zeugen" – Aussage von Lamsa über ihre Ziele festgehalten in Sketchnotes zur Lamsa Frühjahrsakademie

 

"Was kann lamsa tun? – empowerment Workshops, Rollenspiele, Aufklärung Mehrheitsgesellschaft", Was kann die Gesellschaft tun? bewusst mischen u Vielfalt sichtbar machen, Integration heißt: migranten sollen sich anpassen und die deutschen sollen offener sein" – Aussage von Lamsa über ihre Ziele festgehalten in Sketchnotes zur Lamsa Frühjahrsakademie

Mehr Barrierefreiheit im Grafikdesign

Ich hatte vorletzte Woche das Glück, einen Workshop zu besuchen, der GENAU zu meinem Thema passt. Es ging um barrierefreies Grafikdesign, also die barrierefreie Gestaltung von Schrift und Bild für Druckmedien. Der Kurs fand an der Hochschule Merseburg statt, wo viel zur visuellen Gestaltung für Leichte Sprache geforscht wird. Die Vortragenden waren Prof. Diplom-Grafikdesignerin Kerstin Alexander und M. A. Tech. Red. Cordula Wünsche. Die primäre Zielgruppe sind Menschen, die Standard-Texte nicht oder schlecht lesen können. Was ich aber so wichtig finde, ist, dass diese Infos auch für die Gestaltung von Standard-Texten nützlich, ja, sogar notwendig sein können.

Ich habe Euch die wichtigsten Aussagen aus dem Workshop zusammengefasst und visuell aufbereitet in Sketchnotes. Ich möchte, dass Texte in Leichter Sprache besser gestaltet werden. Mehr Designer sollen sich für ein barrierefreies Design interessieren. Denn so kann es irgendwann zum Standard werden und Inklusion auch auf visueller Ebene gelingen. Deswegen lege ich diese Informationen allen Menschen ans Herz, die für Leichte Sprache und ihre Visualisierungen verantwortlich sind.

Titel "Bild und Type – Über Bild und Type mit Menschen mit Lernschwierigkeiten kommunizieren". Danach werden 3 Regelwerke für Schrift: BMAS, DIN 1450 und BIT 2.0 und Netzwerk LS. Danach Punkt "Layout und Typo" . Zum Beispiel genug Weißraum einhalten, Bild links vom text setzen usw.

Empfehlung für Typo von leichte-Sprache-Texten: inhaltlich zusammen Gehöriges muss auch zusammen gesetzt werden, der Text sollte gut und logisch strukturiert sein. "Merkmale einer barrierefreien Schrift: hohe x-Höhe, Schrift ein bisschen breiter als normal, klare Unterscheidung ähnlicher Glyphen und Verwendung von Mediävalziffern.

Elche Schriften sind besonders gut geeignet? Opa Sans, neue Frutiger 1450 und Fira Sans. Welche Funktion können Bilder haben? Sie können eine affektive Funktion haben (Interesse wecken, Deko) und kognitive Funktion (Wissen verankern)

Regelwerke für Bilder: Lebenshilfe Bremen und Netzwerk Leichte Sprache. Beide sind leider unzureichend, besonders in Bezug auf abstrakte Begriffe. Studienergebnisse: 1. je abstrakter eine Darstellung, desto besser wird sie verstanden. 2. Je konkreter, exemplarischer ein Abstraktum durch ein ild aufgelöst wird, desto besser wird es verstanden. 3. Wenn praktisches Handeln an Text und Bild gekoppelt ist, erleichtert dies das Verständnis. Hinweise für eine bessere Text-Bild-Nutzung: direkte Verweise auf Bilder, Text und Bild sollten zeitgleich entstehen, Sprache kann man nicht durch Bild ersetzen. Text und Bild sollten komplementär sein. Ein Bild kann NICHT abstrakt sein, es ist immer individuell. Die Richtlinien für Piktogramme sollten bekannt sein. Vortragende: Kerstin Alexander (Prof. Diplomgrafikdesignerin) und Cordula Wünsche (MA Informationsdesign) HS Merseburg. Nützliche Links: Forschungsbereiche der Hochschule Merseburg zu finden auf www.kiw.hs-merseburg.de im Menu unter "Forschung"

Visualisierungen für KiTa-Broschüre – Interview

Ende letzten Jahres habe ich eine Info-Broschüre für die Landesnetzwerk Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt (Lamsa e. V.) gestaltet. Ich habe die Organisation zur Broschüre und meinen Visualisierungen befragt.

Wer seid Ihr und wofür setzt Ihr Euch ein?

Uns gibt es seit 2015 als Servicestelle für Interkulturelles Lernen. Seit 2017 haben wir zwei Servicestellen, unterteilt nach Schule und Kita, etabliert: „Interkulturelles Lernen in der Kita“, finanziert vom Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration des Landes Sachsen-Anhalt, und „Interkulturelles Lernen in Schulen in Sachsen-Anhalt“, finanziert durch das Ministerium für Bildung des Landes. Das ist ein Projekt des Landesnetzwerks Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt (LAMSA) e.V., das die politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Interessen der Bevölkerung mit Migrationshintergrund auf Landesebene vertritt. Unsere Servicestellen sind Anlauf- und Beratungsstellen für Pädagogische Fachkräfte aus Schulen und Kindertagesstätten in Sachsen-Anhalt, die sich den Herausforderungen im Zusammenhang mit einer interkulturellen Öffnung stellen wollen. Wir setzen uns für einen vorurteilsbewussten und wertschätzenden Umgang mit Vielfalt in Kitas und Schulen ein.

Welche Rolle spielen Visualisierungen für Euch?

Visualisierungen sind für uns sehr wichtig. Sie können die Vermittlung unserer Inhalte auf einer Ebene, die über das Textsprachliche hinausgeht, unterstützen, bereichern und beschleunigen, Nicht jede*r liest gern Texte. Bilder können einen Anreiz darstellen, sich auch mit dem Text auseinanderzusetzen. Durch die einfache, unmittelbare Zugänglichkeit der Bilder können in kürzester Zeit die wichtigsten Punkte visuell wahrgenommen werden und im Gedächtnis bleiben. Außerdem wirken die Texte durch die Illustrationen nicht trocken oder bürokratisch, sondern freundlicher, sogar wenn der Inhalt kompliziert oder schwierig ist. Deshalb haben wir uns entschieden, unsere zwei Broschüren der Serie „Elterninformation“ für Leser*innen durch Visualisierungen schöner, offener und zugänglicher zu gestalten.

Ich habe bis heute 2 Elternbroschüren für Euch gestaltet. Was steht denn eigentlich drin und für wen sind sie gedacht?

In den beiden Broschüren „Elterninformation Schule“ und „Elterninformation Kita“ haben wir versucht, Antworten auf die wichtigsten Fragen der Eltern über das Schulsystem bzw. Kindertageseinrichtungen in Deutschland so einfach wie möglich und gleichzeitig so detailliert wie nötig zu beantworten.

Aus welchem Bedarf heraus ist die Idee entstanden, die Broschüre in 6 Sprachen und in einfachem Deutsch herauszugeben und Visualisierungen zu verwenden?

Die Zusammenarbeit mit Eltern ist sowohl in den Kindertagesstätten als auch in Schulen ein sehr wichtiger Bestandteil der pädagogischen Arbeit. Das kann aber nur dann optimal funktionieren, wenn die Eltern oder weitere wichtige Bezugspersonen für die Kinder ausreichende Informationen zur Verfügung haben. Die Regeln, Normen und Möglichkeiten können auch im Bildungsbereich in unterschiedlichen örtlichen Kontexten teilweise sehr unterschiedlich sein. Es sind praktische Tipps und Informationen, die die Eltern brauchen, um ihren Kindern unterstützend zur Seite stehen zu können. Unsere Broschüren stellen eine der vielen Möglichkeiten dar, um kreativ mit dieser Situation umzugehen; die Sprachbarriere darf auf diesem Weg keine Hürde sein. Unter Berücksichtigung unserer Anfragen in Sachsen-Anhalt haben wir uns für diese sechs Sprachen entschieden, auch wenn wir sehr gerne sie in weiteren Sprachen zur Verfügung stellen würden und hoffen, dass dies in Zukunft möglich sein wird. Man könnte übrigens sagen, dass es Dank Deiner Arbeit nun gewissermaßen 7 statt 6 Sprachen sind, wenn man die Sprache der Bilder hinzurechnet. Bilder sind ja gewisser Weise eine Art universelle Sprache.

Was war Euch bei der visuellen Gestaltung des Textes und der Illustrationen besonders wichtig?

Wir wollten die wichtigsten Inhalte auch durch die Bilder vermitteln. Im Grunde genommen kann sogar jemand, der/die keine dieser Sprachen spricht, den Inhalt trotzdem verstehen, z.B. bei Krankheit die Kita anzurufen, oder dass für die Kita-Anmeldung eine ärztliche Beratung zum Thema Impfung notwendig ist usw. Außerdem wollten wir die Vielfalt der Gesellschaft auch in unseren Broschüren widerspiegeln, so sollen sich mehr Menschen angesprochen fühlen und wir können eine größere Zielgruppe erreichen.

Die Illustrationen in der zweiten Broschüre über KiTa sind anders gestaltet als die in der ersten Broschüre über Schule. Wie kommt das?

Die erste Broschüre „Schule“ war für uns eine hervorragende Erfahrung, aus der wir viel gelernt haben. In der zweiten Broschüre haben wir versucht, uns noch weiter zu verbessern. Das ist für uns ein kreativer Lernprozess.

Wie würdet Ihr die Zusammenarbeit mit mir beschreiben?

Die Zusammenarbeit mit Dir war sehr bereichernd für uns. Die Ideen durch Bilder herauszukristallisieren ist eine schöne, sehr kreative, aber auch zeit- und energieaufwändige Arbeit, die Du wirklich wunderbar gemeistert hast. Wir sind sehr dankbar auch für den offenen Umgang mit unseren Wünschen und Vorstellungen und die detaillierte Arbeit an Einzelheiten im intensiven Austausch mit Dir.

Was hat sich durch die visualisierten Broschüren für Euch und die Rezipient*innen verändert? Welche Reaktionen konntet Ihr feststellen?

Für beide Broschüren haben wir ein sehr gutes Feedback bekommen. Unsere Broschüre für Schulen wurde bereits zum dritten Mal nachgedruckt. Für die neue Broschüre zum Thema Kita ist es noch zu früh, die Reaktionen zu beurteilen, da die Broschüre ja erst im Dezember gedruckt wurde. Was wir jedoch sagen können ist, dass wir schon eine derartig hohe Nachfrage in dieser kurzen Zeit haben, dass wir entscheiden mussten, zunächst keine weiteren Bestellungen außerhalb Sachsen-Anhalts anzunehmen. Wir vermuten, dass die Visualisierungen einer der Gründe dafür sind.

Für wen können Eurer Meinung nach meine Visualisierungen besonders hilfreich sein?

Eigentlich für jede*n, die/der etwas, was ihr/ihm wichtig ist, vermitteln möchte und eine möglichst große Zielgruppe erreichen will. Wir können die Zusammenarbeit mit Dir nur empfehlen!

Vielen Dank für das Interview!

P. S.: Wenn Ihr Euch für die Broschüre interessiert, könnt Ihr das PDF hier einfach herunterladen oder einfach Lamsa kontaktieren. ;-)

 

Lieber aktiv statt passiv – meine Live-Visualisierungen 2017

Im ersten Teil meiner Review sprach ich über meine Lieblingsdesignprojekte 2017. Im zweiten Teil verrate ich Euch, was sich im Bereich der Live-Visualisierung und Sketchnotes bei mir getan hat.

Mehr Graphic Facilitation, weniger Graphic Recording

Auch im Bereich der Live-Visualisierung hat sich 2017 einiges konkretisiert. Durch meine tollen Partner Daniela Schober, Carsten Bolk und Andreas Berens von TheUntold, Katharina Ibrahim und ein intensives Coachinggespräch mit Katrin Seidel vom bfkm habe ich gemerkt, dass ich mit meinen Visualisierungen mehr schaffen möchte als ein schickes Plakat, ein „Nice-To-Have“, das am Ende der Veranstaltung zum Fotografieren und Bestaunen an der Wand hängt. Ich möchte etwas schaffen, was mehr Sinn macht und die Nutzer wirklich weiterbringt. Bedeutet konkret, dass ich vom Graphic Recording weg und mehr zum Graphic Facilitation hin möchte

Zum Beispiel:

Im Brand-Storytelling-Workshop, den TheUntold mit einem großen Unternehmen durchführte, habe ich die Teilnehmer visuell dabei unterstützt, ihren Personas Leben einzuhauchen und Storys zu finden, die einfach zu ihnen passen.

Persona zeichnen bei Brand-Storytelling-Workshop mit TheUntoldich mit Carsten Bock und Andreas Berens (theUntold) in ihrem Brand-Storytelling-Kurs

Zusammen mit Employ ID fand ich ihr Big Image, ihren visuellen Anker, den sie brauchten, um ihre Kunden von ihrer Dienstleistung zu begeistern.

Graphic Facilitation für Employ ID

Diese Arbeitsweise heißt auch, dass ich in die Konzeptionsphase und während des Workshops mit eingebunden werde und die Visualisierungen als Arbeitswerkzeug verstanden werden.

Damit die Leser auch was davon haben – nutzerfreundliche Sketchnotes

Ich entwickelte mehr Selbstbewusstsein und hatte ein neues Motto: „Das kann ich, also zeig ich’s!“. Ich kann Inhalte visuell auf den Punkt bringen. Welcher Kanal ist dafür nicht besser geeignet als Twitter? So fing ich an, über meinen Twitter-Kanal Begriffe visuell zu erklären, die mir über den Weg liefen (der Hashtag dazu: #visuellerklärt). Hier zum Beispiel zeige ich Lormen, die Sprache der Taubblinden, welche über den Tastsinn der Hände funktioniert.

Ich liebe es, Funktionalität und Ästhetik miteinander zu verbinden. Das ist mein Begriff von Design, wobei Funktionalität immer vorgeht. So auch bei meinen Sketchnotes. Ich finde sie total nützlich, weil sie mir selber helfen, Informationen besser aufzunehmen. Ich möchte aber, dass Andere auch davon Nutzen haben. Deswegen habe ich angefangen, meine Sketchnotes nutzerfreundlicher zu gestalten. Wie? Ich mache mir Gedanken zur Informationsarchitektur. Das heißt, wo sollte welche Info stehen, damit sie auch für andere Leser gut nachvollziehbar ist? Und das Format wird auch mitbedacht; ich wähle in der Regel Din A 4, weil es sich gut auf dem Bildschirm anzeigen und ausdrucken lässt.

Zum Beispiel meine Sketchnotes zu barrierefreiem Internet.

Sketchnotes zu barrierefreiem Internet

Mit einem anderen – persönlicheren – Projekt konnte ich meinen Stil auch noch weiter zuspitzen: meine Tagebuch-Sketchnotes „Zeichnen ist wie Schreiben“. Regelmäßig notiere ich mir da stichwortartig, was ich gemacht und erlebt habe und skizziere ein Bild dazu. Durch die Regelmäßigkeit bleibe ich in Übung. Außerdem sehe ich das Projekt als Experimentierfeld für Layout, Schreiben und Handlettering. Denn auf jeder Seite variiere ich mindestens ein grafisches Element und schaue, wie sich dies auf das Layout und die Lesbarkeit auswirkt. Teilen tue ich dieses Experiment unter #drawingislikewriting auf meinem Instagram-Account.

Drei seiten meines visuellen Tagebuchs bezeichnet mit Sketchnotes

Fazit: es hat sich für mich gelohnt dranzubleiben und nur das zu machen, was mir Spaß macht. Denn nur so konnte ich mich weiterentwickeln.

Im dritten und letzten Teil meiner Review erzähle ich, wie sich mein Netzwerkverhalten 2017 verändert hat.

Meine liebsten Infodesign-Projekte 2017

Letztes Jahr hat sich bei mir viel bewegt und konkretisiert. Im ersten Teil meiner Review fasse ich meine wichtigsten Designprojekte zusammen.

Gefühlskarten beim BELTZ-Verlag

Ressourcenkartenfür Paare beim BELTZ-Verlag erschienen

2017 war es endlich soweit. Ich bekam meinen ersten Auftrag für einen Verlag – und gleich mit einem eigenen Projekt, den Gefühlskarten. 5 Jahre zuvor schon hatte ich 30 Karten zusammen mit Oliver Wolf aus der Praxis calaidoskop konzipiert. Er brauchte sie für seine Arbeit mit behinderten Menschen. 2017 erweiterten wir das Set auf Wunsch des Verlags auf 60 Karten und fügten therapeutische Aufgaben hinzu. Seit August kann man die Karten offiziell erwerben.

Sprachposter

Sprachposter zu Ortadverien der Sprache Maluku für das Linguistik Institut der Uni Leipzig

Es gibt Projekte, die macht man für’s Geld; und es gibt Projekte, die macht man aus Überzeugung und mit Herz. Das Sprachposter für das Linguistik-Institut Leipzig gehörte dazu. Der Auftrag war schlecht bezahlt, verband aber perfekt meine Interessen UND ich hatte alle gestalterischen Freiheiten. Die Herausforderung war, Ortsadverbien der Sprache Maleku zu erklären, also Grammatik verständlich zu machen. Für Schüler verschiedener Altersstufen. Du weißt sicher, wie schwierig es ist, sich in die Logik einer Sprache hineinzudenken. Mich reizte, die Abstraktheit der Grammatik mit etwas Konkretem erfahrbar zu machen. Wie kann man dies nicht besser erreichen, als sich visuell an den Ort zu begeben, an dem die Sprache gesprochen wird, und zwar in den costa-ricanischen Dschungel. Wörter wie „über“, „hinter“ und „neben“ lassen sich hervorragend in realistischen Situationen visualisieren. Zum Beispiel „Es sind Bäume hinter dem Haus.“.
Das Poster hängt nun in costa-ricanischen Klassenzimmern und hilft den Schülern, Maleku besser zu verstehen.

Leichte-Sprache-Bilder für die Bundeszentrale für politische Bildung

Leichte-Sprache-Bilder für die Bundeszentrale für politische Bildung

Die Bundeszentrale für politische Bildung kam mit folgendem Problem auf mich zu. Die Illustrationen, die bisher im Leichte-Sprache-Abschnitt der Zeitung „Das Parlament“ erschienen, waren aus ihrer Sicht

  • zu kindlich
  • unpassend zum Thema
  • zu allgemein
  • und diskriminierend.

Gesucht wurde außerdem eine größere Vielfalt in der Darstellungsweise der Bilder. Mein Auftrag bestand also darin, politische Begriffe in Leichte Bilder zu übersetzen – in verschiedenen Bildsprachen. Besonders herausfordernd, da es die entsprechenden Leichte-Sprache-Texte zum größten Teil noch gar nicht gab. Ich musste sie also selber schreiben.

Entstanden sind 40 Illustrationen in 6 verschiedenen Bildsprachen. Die Bildsprachen variieren in Komplexität, Stil und Motivtyp. Oder anders gesagt: es geht von skizzenhaft bis farbig-ausgearbeitete Illustrationen. Jede Bildsprache hat ihr eigenes Potenzial, um Dinge zu erklären. Es war sehr spannend herauszufinden, welche Bildsprache für welche Bildinhalte geeignet ist und welch eher nicht. Die Bundeszentrale möchte mit dieser Diversität andere Menschen dazu anregen, eigene Bilder zu erstellen. Ich bin stolz, dazu beigetragen zu haben.

Info-Broschüre für Migranten

Elternbroschüre "KiTa" für Landesnetzwerk Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt (Lamsa e.V.) gestaltet von Simone Fass

Viele Migranten, die neu in Deutschland ankommen, sagen, dass sie von der Informationsflut überwältigt sind. Um sich zu integrieren, bekommen sie zu viel theoretisches Material und keine Hinweise auf die wichtigsten Informationen. Entweder sie sind ehrgeizig genug und arbeiten sich da durch, oder sie lassen es sein. ODER: sie haben Kontakt zum Landesnetzwerk der Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt (Lamsa e.V.). Diese Organisation setzt sich für den interkulturellen Austausch und Integration in Sachsen-Anhalt ein. Sie gibt den Migranten die nötigen Informationen gebündelt und geordnet.

Wie z. B. die Elternbroschüren über KiTa und Schule, welche ich gestalten durfte. Die Aufgabe war, einen niedrigschwelligen Zugang zu Infos zu schaffen, damit diese sicher ankommen. Konkret hieß das: 6 Sprachen im klaren Stil formuliert, eindeutige Kapitelstruktur, Verständnis förderndes Layout und Typografie und Bilder, die die Kernaussagen klar transportieren.

Die Broschüre über Schule entstand zuerst. In der KiTa-Broschüre habe ich die Illustrationen noch mehr weiterentwickelt. Wichtig für die Bilder war vor allem eine diskriminierungsarme Darstellung, die Vielfalt zeigt und Inhalte auf den Punkt bringt. Hier könnt Ih

Grafiken für Schulbücher

Meine Reise in die Verlagswelt ging Ende 2017 weiter. Der Klett-Verlag beauftragte mich mit Grafiken für ein Schulbuch. Wie diese Reise weitergeht, erfahrt Ihr in den nächsten Monaten.

Wenn Dir meine Arbeiten gefallen, kannst Du Dir auch gern mein komplettes Portfolio anschauen.

Im nächsten Teil erzähle ich Euch meine Entwicklung im Graphic Recording und wie sich das auf meinen Stil und mein Angebot ausgewirkt hat.

 

 

 

 

Barrierefreies Internet für Alle

Barriefreies Internet ist NICHT nur für behinderte Menschen, es ist für ALLE sinnvoll, denn sie macht Internetseiten nutzerfreundlicher.

Im September nahm ich an einem Webinar von bik-fuer-alle über barrierefreies Internet teil. Da ich finde, dass dieses Thema noch mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit gebrauchen könnte, habe ich Sketchnotes dazu erstellt.

Gern könnt Ihr Euch die neun A4-Blätter auch für private Zwecke nutzen. Für gewerbliche Zwecke kontaktiert mich bitte vorher.

Macht Eure Internetseiten auch benutzerfreundlich. Bitte auf das Vorschaubild dafür klicken.

 

Sketchnotes zu einer Webinarreihe zum Thema "barrierefreies Internet"

Leichte Sprache: Grundlagen und Diskussion

Ich habe heute an einem Workshop über Leichte Sprache teilgenommen, der vom Antidiskriminierungsbüro Leipzig veranstaltet wurde.

Das erste Mal habe ich selbst schwere Texte in Leichte Sprache übersetzt und festgestellt, wie schwierig das ist. Leichte Sprache interessiert mich deswegen so sehr, weil sie im Prinzip dasselbe macht wie ich mit meinen Visualisierungen: sie bringt Aussagen auf den Punkt. Ich finde, man kann sich von ihr viel abgucken für eigene Formulierungen in schwerer Sprache.

Die Inhalte des Workshops fasse ich hier in Sketchnotes zusammen. Themen:

  • Für wen ist Leichte Sprache?
  • Warum braucht man Leichte Sprache?
  • Die wichtigsten Regeln der Leichten Sprache
  • Definition von Leichter Sprache
  • Übersetzungen – welche gibt es?
  • Prüfung von Leichter Sprache
  • Diskussion
  • Links und Tipps

Sketchnotes vom leichte Sprache Workshop

Interview mit tutory: Mehr auf den Inhalt konzentrieren

Interview mit Thomas Haubner von tutory.de – einem Online-Tool zur Erstellung, Veröffentlichung und Teilen von Arbeitsblättern. Ich freue mich, meine neue Serie der visualisierten Interviews mit so einem spannenden und nützlichen Tool zu beginnen.

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Hallo Thomas! Was ist denn genau tutory?
Tutory ist ein Online-Editor zum Erstellen von Arbeitsblättern, Unterrichtsmaterial und Dokumenten. Er ist vergleichbar mit anderen Textverarbeitungsprogrammen. Der Unterschied: Inhalte werden als spezifische Bausteine eingefügt, die per Drag&Drop auf das Arbeitsblatt gezogen werden. Diese Bausteine sind auf die Bedürfnisse von Lehrenden angepasst. Zur Verfügung stehen z. B. Lückentexte, Multiple-Choice-Aufgaben, Sortieraufgaben, und viele mehr. Diese Bausteine können dann mit individuell angepasst werden.
Damit geht das Erstellen von komplexen Dokumenten wesentlich schneller. Fertige Arbeitsblätter können auf tutory dann veröffentlicht und von anderen genutzt werden. Wer veröffentlicht, tut dies unter freien Creative Commons Lizenzen. Die Nachnutzung und Anpassung von Inhalten ist kostenfrei, ohne Nachfragen möglich und rechtlich transparent.
Wie lange gibt es tutory schon?
Seit Februar 2016 ist tutory in der BETA-Phase. Diese endete mit dem Start des ersten kostenpflichtigen Angebotes – tutory-BASIC – Ende November 2016.
Welchen Bedarf möchtet Ihr mit tutory decken?
Lehrende sind auf Eigenproduktion von Material für den Unterricht angewiesen und verbringen viel Zeit damit, Dokumente zu layouten und für Schüler anschaulich zu gestalten. Das wissen Sie und suchen nach Möglichkeiten, diesen Prozess zu vereinfachen. Lehrerinnen und Lehrer wollen (und müssen) zunehmend auch digitale Unterrichtsmaterialien anbieten. Die Erstellung solcher Materialien ist oft noch viel schwieriger als ein analoges Lernmitel zu erstellen. Daher wollen wir ab März einen einfache Möglichkeit anbieten, interaktive Arbeitsblätter zu erstellen und zu nutzen.
Wer steht hinter tutory?
Insgesamt vier Personen bilden das Gründerteam von tutory: Thomas Hoyer (Grundschul- und Ethiklehrer), sein Bruder Stephan Hoyer (Dipl. Informatiker), André Herrn (Master Medieninformatik) und Thomas Haubner (B.A. Kulturwissenschaften, Schwerpunkt Kulturmarketing).
Wie kam es zur Idee für tutory?
Arbeitsblätter sind praktisches Medium, um individuelles Unterrichtsmaterial für die Klasse oder einzelne Lernenden zu erstellen. Sie sollen aber ansprechend und didaktisch sinnvoll formatiert sein. Soll dieser Anspruch aufrechterhalten werden, vervielfacht sich der Aufwand, wenn im Unterricht mehr differenziert werden soll. Auch fertige Verlagsmaterialien können diese Differenzierung nur bedingt leisten. Das hat Thomas Hoyer – einer der Mitgründer von tutory.de – in seiner Abschlussarbeit festgestellt. Nach einiger Recherche fand er keine funktionale Softwarelösung für dieses Problem. Damit war die Idee zu tutory geboren.
Wie macht Ihr auf Euch aufmerksam?
Wir nutzen eine Großzahl der Kanäle, die Start-Ups in den ersten Jahren zur Verfügung stehen: Social Media (Twitter, Facebook und Instagram), Konferenzen, Barcamps und Diskussionen im Bildungsbereich, wir veranstalten Fortbildungen zu tutory und allgemein zu Open Educational Resources (Unterrichtsmaterialien unter freien Creative Commons Lizenzen). Wir haben auch ein E-Book geschrieben (https://www.tutory.de/leitfaden-oer); ein Leitfaden zu den benannten Themen mit etlichen fachübergreifenden Unterrichtsbeispielen und ausgearbeiteten Material.

Die Beta-Fassung gehört nun zur Vergangenheit. Was steckt hinter dem gerade gelaunchten BASIC-Plan? Wie gestaltet Ihr Eure Preise?

Neu registrierte Nutzer können maximal 12 Arbeitsblätter anlegen. Mit BASIC wird diese Begrenzung aufgehoben. Außerdem können Kopf- und Fußzeile des Dokuments individualisiert und weitere Bausteine genutzt werden. tutory BASIC wird in 2017 um viele weitere Funktionen ergänzt.

Der Preis orientiert sich an vergleichbaren Angeboten und wirtschaftlichen Maßstäben. Lehrende geben von Jahr zu Jahr mehr für digitale Tools und Software aus. Wir denken, dass wir mit 59,90 Euro pro Jahr und Nutzer in einem akzeptablen Rahmen agieren.
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Eure Zielgruppe besteht zum großen Teil aus Lehrern. Könnt Ihr Euch vorstellen, das Tool auch für andere Lehrende (z. B. Trainer) anzubieten?
Bereits jetzt kann jeder Lehrende oder Trainer tutory nutzen. Die Meta-Angaben zur Auffindbarkeit der Dokumente sind zwar sehr schulspezifisch (mit Schulformen, Fächern und Klassen). Aber Trainer, die tutory für ihre Inhalte nutzen möchten und wenig Bedeutung auf die Veröffentlichung des Materials legen, können direkt loslegen.
Wie hoch ist die Bereitschaft der tutory-Anwender, ihre Arbeitsblätter zu teilen? Teilen ist ja nicht obligatorisch.
Genau. Unterrichtsmaterialien sind sensiblere Inhalte als zum Beispiel Fotos vom Mittagessen, die ich auf Instagram posten kann. Die Bereitschaft, zum Teilen ist nicht bei allen Kollegen hoch. Gründe dafür gibt es viele. Wir haben uns als erstes darum bemüht, die technischen Hürden des Teilens zu reduzieren. Die Entwicklung einer Kultur des Teilens unter Lehrenden ist jedoch ebenso wichtig, aber erfordert langfristiges Engagement. Es gibt aktuell schon über 500 größtenteils mehrseitige Unterrichtsmaterialien auf tutory. Wir haben einige Nutzer, die richtig viel teilen. Dafür sind wir auch sehr dankbar.
Wie sichert Ihr die Qualität und Richtigkeit der geteilten Arbeitsblätter? Ist es Euch eine Prüfung überhaupt wichtig? Oder kann da jeder machen, was er/sie will?
Wir kontrollieren die Qualität und Richtigkeit nicht redaktionell. Es gibt jedoch einen Melden-Button, in jeder Ansicht eines Arbeitsblatts. Meldet eine Nutzerin oder ein Nutzer einen Verstoß, gehen wir dem umgehend nach.
Bei Unterrichtsmaterial geht es nicht nur um Richtigkeit, sondern vor allem um Passgenauigkeit. Diese Prüfung kann nur die Lehrkraft selbst durchführen, denn nur sie kennt die genaue Unterrichtssituation. Fachliche Richtigkeit redaktionell zu prüfen, ist nur mit einem Team an Autoren möglich, die alle Fächer abdecken. Das können wir aktuell nicht leisten, aber wir denken natürlich über solche Möglichkeiten nach.
Was macht jemand, der es trotz der Vorlagen und Beispiele nicht schafft, sein Arbeitsblatt zu erstellen? Gibt es eine Art Design-Service, der bei der Erstellung von Arbeitsblättern hilft?
Spannende Frage. Im Grunde könnte man sagen: Ja, wir bieten einen Design-Service an, denn das Design in tutory ist festgelegt. Inhalte können nicht beliebig auf das Blatt geschrieben werden, sonden sind in einem Raster platziert. Außerdem haben spezifische Inhalte, wie z. B. eine Definition oder ein Zitat bei uns immer eine feste durchdachte Formatierung. Im Design ist tutory – auch zu Gunsten der Schüler – aktuell sehr beschränkt. Das erleichtert und beschleunigt die Erstellung aber enorm. Lehrende konzentrieren sich mehr auf den Inhalt und überlassen das Design den Voreinstellungen auf tutory. Dazu haben wir uns bewusst entschieden, denn grafische Anpassungen kosten sehr viel Zeit und verlangen auch viel Wissen über Schriften, Schriftschnitte, Abstände und Weißräume. Die meisten Lehrenden haben diese Fähigkeiten nicht, in Verlagen gibt es dafür Profis.
Zukünftig werden wir weitere Designs für verschiedene Bausteine anbieten. Diese sind dann farblich abgestimmt, damit ein gutes Gesamtbild entsteht. Auch bei den Schriftarten werden wir nur eine kleine Auswahl geben. Es werden spezifische gut lesbare Schriften für Schüler sein.
Gibt es für die tutory-Anwender die Möglichkeit, sich über das Tool hinaus über Arbeitsblätter und alles, was mit geschriebenem Lehrmaterial zu tun hat auszutauschen? Welche Maßnahmen unternehmt Ihr, um die Community weiter wachsen zu lassen?
Diese Möglichkeit gibt es aktuell noch nicht. Das Interesse der Nutzer daran ist allerdings auch sehr gering. Lehrer sind häufig Alleingänger, was ihren Unterricht betrifft. Eine direkte Kollaboration, gemeinsames Arbeiten an einem Inhalt ist eher selten, aber auch bedingt durch die Unterschiedlichkeit der Klassen und Lehrpläne. Soll Material geteilt werden, wird es in den Äther geschossen und wer es braucht, greift zu.
Teamteaching wird aber zunehmend wichtiger und auch die gemeinsame Vorbereitung von Unterricht geschieht schon in einigen Schulen. Dafür werden wir tutory sicher auch erweitern. Vorstellbar wäre kollaboratives Arbeiten à la Google-Docs, nur eben für Unterrichtsmaterial.
Sollen tutory-Anwender irgendwann Geld verlangen können für besonders beliebte Arbeitsblätter?

Wir sind noch einige Monate davon entfernt, hierfür ein konkretes Konzept vorlegen zu können. In einem ersten Schritt erscheint es jedoch sinnvoll, professionellen Anbietern von Unterrichtsmaterialien Zugang zur Plattform zu verschaffen, sodass diese dort Inhalte monetarisieren können und damit auch einen Mehrwert für unsere Nutzer generieren. Das können Kleinverlage sein, Medienanbieter oder auch Einzelselbstständige, die sich in dem Bereich professionalisiert haben.
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Was steht in den nächsten Monaten an?
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Aktuell konzipieren wir unser interaktives Arbeitsblatt. Mit diesem werden alle Dokumente, die mit tutory erstellt werden, auch als interaktive Websiten zur Verfügung stehen. Schüler können Aufgaben dann online beantworten und dem Lehrer z.B. per E-Mail zustellen.
 
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Und noch eine Info, die ich selber ergänze: auf der didacta 2017 haben tutory beim StartEdtech-Pitch (www.startedtech.de) im Bereich Bildungstechnologie den ersten Platz belegt. Glückwunsch dafür! Und vielen Dank für das Interview!