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Vision trifft Realität – So wichtig war kooperatives Design für den Teilhabeplan Leipzig

ausgedruckter Teilhabeplan mit einem Büroheftern zusammengeheftet. Titelblatt "Auf dem Weg zur Inklusive" Teilhaberplan der Stadt Leipzig für die Jahre 2017 bis 2014 in Leichter Sprache". Überm Titel ist mit einem schwarzen Marker ein lachender Smiley gezeichnet

Ende 2018 bekam ich von der Stadt Leipzig den Auftrag, die 10 Kapitel des Teilhabeplans in Leichter Sprache der Stadt zu illustrieren. Der Teilhabeplan “Auf dem Weg zur Inklusion” beschreibt, wie gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Einschränkung am gesellschaftlichen Leben der Stadt bis 2024 erreicht werden soll. Dafür hat die Stadt 10 Handlungsfelder aufgestellt: Wohnen, Bildung, Arbeit, Freizeit, öffentlicher Raum & Mobilität, Bewusstseinsbildung, Kommunikation, Mitwirkung & Ehrenamt, soziale Dienste und Gesundheit. Mein Auftrag bestand darin, die Zukunftsvision der Stadt für die 10 Handlungsfelder visuell zu übersetzen in sogenannte Zukunftsbilder.

Die Illustrationen sollen nicht nur leicht verständlich sein, sondern darüber hinaus sollen sie Modernität, Dynamik, Weltoffenheit und Vielfalt ausdrücken. Möglichst viele Bürger*innen sollen sich in ihnen wiederfinden. Also Menschen mit und ohne Einschränkung, unterschiedlicher Herkunft und aus verschiedenen Religionen, Geschlechter, Alter usw.. Das Ziel der Bilder besteht also weniger darin, die Handlungsfelder zu erklären, sondern sind vielmehr als politisches Statement der Stadt, Kommunikations- und PR-Werkzeug zu verstehen.

Was war das Besondere am Entstehungsprozess?

Es war sehr schnell klar, dass dieser Gestaltungsprozess anders stattfinden sollte als es bei einem klassischem Designentwurf der Fall ist. Wie sieht eine gelungene Teilhabe in der Zukunft aus? Was kann am Leben in der Stadt verbessert werden, damit alle mitmachen können? Das konnten mir nur die Menschen beantworten, um die es im Teilhabeplan geht: Selbstvertreter*innen (Menschen mit Einschränkung), Angehörige und ihre Mitmenschen. Mir und der Stadt war es wichtig, dass Teilhabe nicht nur auf dem Papier steht, sondern schon im Entstehungsprozess gewährleistet wird.

Um Bildmotive zu finden, muss ich in jedem Designprozess – also auch für andere Aufträge – mal mehr, mal weniger recherchieren, um realistische und authentische Bilder zu finden. Hier ging es aber noch einen Schritt weiter. Ich wollte eine Zukunftswelt darstellen aus der Sicht der Selbstvertreter*innen. Dafür musste ich ihre Bedürfnisse und Wünsche kennenlernen. Ich brauchte also einen echten Perspektivwechsel. Gleichzeitig musste ich aber auch die Sichtweise der Stadt berücksichtigen. Das heißt, nur solche Szenen darstellen, die von der Stadt direkt oder indirekt beeinflussbar sind.

Für zwei Phasen des Gestaltungsprozesses war ein Perspektivwechsel unersetzlich:

  • für die Ideenphase (Was soll auf das Bild?): welche Dinge und Personen sollen auf dem Bild zu sehen sein? Was tun die Menschen und wie sieht das Umfeld aus?
  • für die Farbphase (Welche Farbwelt gibt es?). Wenn das Motiv fertig gezeichnet ist, kommen die Farben. Diese müssen so gewählt werden, dass auch Sehbeeinträchtigte das Bild gut erkennen können. Diese Phase ist gerade in Arbeit.

Ich holte mir also Input von Selbstvertreter*innen. Mit dabei war außerdem Michael Peukert, der Initiator des Projektes “Mittendrin in Markkleeberg”. In diesem Projekt setzen sich Menschen mit Einschränkung mit wichtigen gesellschaftlichen Themen auseinander. Zum Beispiel machen sich die Teilnehmenden auch für Leichte Sprache in der Politik stark. Das Projekt trägt also zu einem größeren Verständnis für Demokratie und Menschenrechte bei Menschen mit Einschränkung bei. Klar, dass diese Thematik zum Teilhabeplan passte. So war mein Partner für die Arbeitssitzungen gefunden.

Wie verliefen die Sitzungen?

Bisher fanden 4 Arbeitssitzungen statt. Wir trafen uns immer für 2 Stunden am späten Nachmittag im Wohnverbund Katharina von Bora in Markleeberg .  

Ich und Michael Peukert mit fünf Klientinnen und Klienten aus dem Wohnheim posieren für das Foto vor beschriebene Pinnwand. Zwei der Gruppe halten bezeichnetes Flipchart-Papier in der Hand. Über uns stehen handgeschrieben unsere Namen: Michael, Brita, Maik, Thomas, Lutz, Christine

Ich leitete mit Michael Peukert die Diskussionen und zeichnete simultan mit. Beim Mitzeichnen fand ich schon erste Schlüsselbilder und erstellte gleichzeitig eine visuelle Dokumentation der besprochenen Inhalte. Da hauptsächlich ich sie nutzen sollte, sind die Blätter eher als großformatige Notizzettel gedacht (also kein “schickes” Plakat zum Aufhängen). Nebenbei gesagt: Moderieren UND Zeichnen gleichzeitig fällt mir bis heute schwer. Deswegen habe ich mich auf Scribbels beschränkt. Hier ein paar Beispiele aus meiner Feder:

skizzenhaft beschriebenes und bezeichnetes Flipchartpapier

skizzenhaft beschriebenes und bezeichnetes Pinnwandpapier

 

 

 

Der Ablauf war immer gleich, wobei die Methoden und Themen wechselten und die Übergänge fließend waren:

  1. Allgemeine Warm-Ups
  2. Intro zur Thematik
  3. Diskussion

Warm-Ups

Die Teilnehmenden mussten irgendwie aus ihrem Alltagstrott geholt werden. Jedesmal wenn ich ankam, wartete die Gruppe schon gemütlich beim Kaffeekränzchen auf mich, als ob sie es so jeden Nachmittag tun würde. Die Stimmung war immer sehr fröhlich und offen. Die Leute waren offensichtlich neugierig, sich auf neue Erfahrungen mit mir einzulassen, ohne mich vorher gekannt zu haben. Wie konnten wir sie nun dazu bewegen, mal anders zu denken und zu arbeiten als sie es gewohnt sind?

Die Herausforderung bestand also darin, die Bereitschaft zu wecken für neue Denkweisen. Außerdem sollte auch das Selbstbewusstsein gestärkt werden (“Mein Gefühl ist es wert gezeigt zu werden.”). Dafür war es wichtig, die Teilnehmenden erst einmal abzuholen mit etwas, was sie schon kennen. Ich wählte dafür einen möglichst niedrigschwelligen Einstieg.

Ich begann immer mit einer kleinen Achtsamkeitsübung. Die Fragen, die beantwortet werden sollten, waren zum Beispiel: Wie fühle ich mich? Was mag ich besonders? Was nicht? Welches besondere Erlebnis hatte ich? Die Selbstwahrnehmung wurde also trainiert.

Für die Umsetzung habe ich verschiedene Dinge ausprobiert:

  • Die Teilnehmenden erzählten, zeichnete mit
  • Die Teilnehmenden zeichneten und erzählten selber
  • Die Teilnehmenden erzählten selber und drückten sich körperlich aus

Meine Learnings aus den Warm-Ups

Man sollte immer ein Thema wählen, von dem die Teilnehmenden SELBER betroffen sind. Zum Beispiel:

Zeichnung eines gezackten Weihnachtsbaums mit Kerzen. Er besteht "nur" aus einer schwarzen durchgehenden Linie. Die Form ist sehr einfach und deswegen klar. Die Kerzen an den Zacken sind einfache vertikale Striche mit gelben Flammen. Unterm Baum stehen zwei verpackte Geschenke in rot.

Britta mochte den Weihnachtsbaum im Wohnheim. Zu Weihnachten war sie bei ihrer Schwester. Das war schön.

kräftige weit nach oben reichende dunkelgrüne Zacken geben einen Tannenwald wider. Auf einer Spitze ein braunes Holzhäschen angedeutet. Der kräftige Strich gibt wunderbar die Wildheit der Natur wider

Maik hat seine Freundin im Wald besucht, wo sie lebt.

eine ovale Form ähnlich wie eine liegende geschlossene Walnusschale. Es zieht ein horizontaler Strich von links nach rechts Mitte. Direkt darüber weiß gefüllte Rechtecke, die die Packungen andeuten. Die Form ist sehr abstrakt.

Thomas liebt Nudeln. Zu Weihnachten hat er einen Präsentkorb mit Nudeln bekommen.

Ein Strichmännchen steht mit ausgestreckten Armen neben einer rechteckigen Form, in der oben "TSB" steht. Unten in der Form deuten kleine Quadrate die Lichter des Zuges von vorne an.

Lutz wünscht sich schon lange, mit der transsibirischen Eisenbahn zu fahren. Er hat zu Weihnachten ein Buch darüber bekommen.

Das Selberzeichnen hat sehr gut funktioniert. Es gab keinerlei Scheu, sich mit Stift und Papier auseinanderzusetzen. Technisch gab es auch kein Problem, d. h. die Teilnehmenden wussten immer, wie sie etwas zeichnen konnten.

Sehr gut war auch eine Körperarbeit. Bei einer Übung wurden vier A4-Blätter auf dem Boden verteilt. Eines mit einem fröhlichem Smiley, eins mit einem neutralen, eins mit einem traurigen und ein Blatt mit Fragezeichen.

auf einem mit PVC ausgelegten Boden liegen hintereinander mit ca. 1 Meter Abstand 4 A4-Blatter mit je einem lächelnden, neutralen und traurigen Smiley und eins mit Fragezeichen

Ich fragte: Wie geht es Dir? Freust Du Dich auf das Wochenende? Freust Du Dich auf nächste Woche? Die Leute sollten sich zu den Blättern stellen gemäß ihren Antworten. Das Fragezeichen stand für „Weiß nicht.“. Durch die Bewegung kamen die Teilnehmenden schnell in Gang.

An Tagen, an denen wenig Berichtenswertes passiert war, war es wichtig, mit etwas Allgemeinem anzufangen (z. B. “Was mag ich?”) und dann langsam konkreter zu werden  (z. B. “Was mochte ich letzte Woche besonders?”). Ich habe gemerkt, dass es den Teilnehmenden manchmal schwerer fiel, sich mit etwas zu befassen, was vor Kurzem geschah und wieder vorbei ist als mit etwas, was immer präsent ist.

Diskussion über den Teilhabeplan

In jeder Sitzung besprachen wir 2 – 3 Handlungsfelder des Teilhabeplans. Es gab eine kleine Einführung in die Themen, mit denen die Teilnehmenden weniger vertraut sind. Bei den anderen starteten wir direkt mit der Diskussion. Die Einführung gestaltete ich z. B. mit vorbereiteten Karten, die ich hintereinander beim Sprechen ans Flipchart klebte. So ersparte ich mir simultanes Zeichnen und konnte mich auf das Sprechen konzentrieren. Den Teilnehmenden halfen meine Zeichnungen, sich ein erstes Bild zu machen vom unbekannten Thema.

Zum Beispiel das Kapitel “Kommunikation”. Darin beschreibt die Stadt Leipzig, wie sie ihre Kommunikation mit der Öffentlichkeit barriereärmer gestalten möchte. Beispielsweise auf ihrer Internetseite, auf Veranstaltungen, in Formularen und Publikationen.

A5-Karteikarten hängen am Flipchart. darauf texte und Bilder. Beispieltext: "Formulare in leichter Sprache", barrierefreie Internetseite, Amtsblatt in Leichter spräche, barrierefreie Veranstaltungen, Sitzungssaal und Festsaal barrierefrei, infos über Veranstaltung in leichter sprache, Leitaden, infos zum Stadtwald in leichter sprache, infotafeln

Die Interessen für die Themenfelder des Teilhabeplans waren unterschiedlich. Mal war der Zugang relativ einfach (z. B. Wohnen, Mobilität, Freizeit), mal etwas schwieriger (z. B. Kommunikation) und mal gar nicht möglich (Bewusstseinsbildung), weil das Themenfeld die Teilnehmenden nicht direkt betraf. Es war demnach eine besondere Herausforderung, das Interesse unter unterschiedlichen Bedingungen zu wecken.

Eine unserer Hauptaufgaben bestand erst einmal darin, bei den Teilnehmenden das Bewusstsein zu wecken für die persönliche Betroffenheit. Das Ziel war, die Teilnehmenden zur Antwort auf die Frage zu führen “Was hat das mit mir zu tun?”.

Das lief gut

Wir nutzen für die Diskussion immer konkrete Beispiele, die die Teilnehmenden aus ihrem Alltag kannten. Zum Beispiel das Thema “Ehrenamt”. Wir wollten Bilder finden zu: „Was macht Ehrenamt aus? Warum arbeiten Menschen ehrenamtlich?“. Unser Beispiel war der Gemeinschaftsgarten der Diakonie, den die Teilnehmenden mitgestalten. Sie wussten also genau, was es für Dinge dort gibt und was man dort macht und hatten großen Spaß daran, diese Dinge auf bunte Post-Its aufzuzeichnen und “ihren” Garten gemeinsam auf dem Flipchart nachzubauen.

Post-Its sind ein effektives Werkzeug, um Perfektionismus in der Visualisierung abzubauen. Die kleine Größe baut den Anspruch an einer “perfekten” Zeichnung ab. Ein paar Striche reichten, um die Gegenstände und Tätigkeiten darzustellen. Durch das Werkzeug Zeichnen und das gemeinsame Gestalten wurde die Gesprächsatmosphäre gelockert. Alle konnten sich in die (Gefühls-)Welt eines Gartens hineinversetzen, weiterdenken und diese Frage beantworten: „Was wäre, wenn es diesen Garten nicht geben würde?“ Antworten: „Sonst wäre alles langweilig.“, „Man hilft den Bedürftigen.“ „Das macht das Leben schön.“.

Flipchart mit Titel "Ehrenamt". gezeichnet ist eine Blumenwiese in einem satten Grün. drumherum sind bunte Postest geklebt mit verschiedenen kleinen Zeichnungen. Z. B. Parka, Blumenkohl, Harke, Grill, Rasenmäher, tanzender Affe

Es gab auch Themen, wo wir keine Hilfsmittel brauchten, um die Diskussion in Gang zu bringen: Wohnen, Mobilität und Arbeit. Da sprudelten die Teilnehmenden nur so mit ihren eigenen Erfahrungen heraus. Der Output an diesem Tag war enorm.

Zum Beispiel erzählte jemand von seinen Schwierigkeiten, sich an der Bahnhaltestelle am Hauptbahnhof Leipzig zu orientieren. Alle hatten auch etwas zu sagen zur Wohnsituation für Menschen, die auf barrierefreie Wohnungen angewiesen sind. Barrierefrei Wohnen bezieht sich demnach nicht nur auf die Ausstattung und Kosten der Wohnung, sondern auch auf die Wohngegend: ist sie gut mit Bus und Bahn zu erreichen? Gibt es Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe? Sind die Nachbarn nett? Kann man sich das Viertel selber aussuchen?

imRaum der Diakonie mit Tischgruppe und Pinnwand und Flipchart. die Gruppe sitzt am Tisch. ich stehe an Pinnwand und rede mit einem aus der Gruppe. Die Teilnehmer hören gespannt zu

Das lief weniger gut

Es gab auch Themen, für die die Teilnehmenden nicht so viele Ideen hatten. Da ist es uns weniger gelungen, die Teilnehmenden für die Problematik zu sensibilisieren und eine eigene Meinung zu bilden. Ich erkläre mir das folgendermaßen:

  • Keine Anknüpfungspunkte: beim Thema „Kommunikation“ fehlten z. B. die Erfahrungswerte. Die Kommunikationswege der Stadt Leipzig waren den Teilnehmenden nicht bekannt: sie hatten noch keine Veranstaltungen der Stadt besucht, kannten ihre Internetseite noch nicht und hatten das Rathaus noch nie von Innen gesehen. Also weitete ich die Diskussion aus: Wir sprachen über barrierefreie Kommunikation im Allgemeinen: Veranstaltungen, Internetseiten und Beschilderungen von anderen Insitutionenen. Nur das Kapitel „Formulare“ aus diesem Themenfeld fand Anklang.
  • Kein Interesse: die Teilnehmenden interessierten sich einfach nicht für das Thema (was natürlich berechtigt ist).
  • Unkritische Haltung: ich merkte, dass die Teilnehmenden es nicht gewohnt waren, dass jemand sie nach ihrer eigenen Meinung fragt. Zum Beispiel hatte eine Teilnehmerin die Meinung eines Arztes noch nie hinterfragt. Hier drehte sich die Diskussion darum, die Teilnehmenden zu motivieren, die Therapieempfehlung eines Arztes nicht einfach so hinzunehmen, sondern sich auch nach alternativen Behandlungen umzuschauen. Wir führten also erste Schritte aus in Richtung aktiver Meinungsbildung.

Andere Wege zum Perspektivwechsel

Wie oben beschrieben gab es ein paar Themenfelder, für die ich eher wenig Input von den Teilnehmenden bekam. Dies hat mich dazu geführt, den Perspektivwechsel über andere Wege zu erreichen. Ich wollte noch solche Stimmen hören, die direkt betroffen waren.

  • Sitzungen mit der Stadt: Den Blickwinkel der Stadt durfte ich nicht aus den Augen verlieren. Schließlich ist sie es, die einen Teil der Zukunftsvisionen ihrer Bevölkerung umsetzt. In zwei Sitzungen untersuchten und entwickelten wir die Bildideen unter dem Gesichtspunkt Umsetzbarkeit weiter.
  • Interviews und Feedback: zum Thema „Bildung“ interviewte ich Erzieher und Leitung aus Kindergarten und Hort, einen Integrationshelfer und Eltern eines Kindes mit Einschränkung. So erfuhr ich, was noch nicht optimal funktioniert und was sie sich wünschen, damit Inklusion in ihrem Umfeld gelingen kann. Zum Thema “Freizeit” holte ich mir Feedback vom Verein Gemeinsamgrün e. V., der den inklusiven Gemeinschaftsgarten SALVIA führt.
  • Social Media: über Facebook und Twitter berichtete ich über den laufenden Prozess und fragte meine Community auch nach Feedback. Zum Beispiel suchte ich nach einer schönen funktionierenden Rampe im öffentlichen Raum Leipzigs. Ein Twitter-Follower gab mir einen Hinweis dafür und gab mir wertvolle Tipps, worauf man bei Rampen achten sollte. Ein anderes Beispiel ist meine Umfrage zu typischen Sätzen, die Menschen mit Einschränkung öfter hören. Dazu bekam ich sehr viel Rückmeldung. Das folgende Bild ist klickbar. Dahinter befindet sich der vollständige Thread mit allen Antworten.Screenshot Twitter- Thread mit "Für die Illustrationen des teilhabeplans #leichteSprache der Stadt Leipzigwürde ich gern typische Fragen, Kommentare oder sonstige Reaktionen karikieren, die Menschen mit Behinderungoft zu hören bekommen/erleben. ich brauch Euren Input! Welche Sätze kennt Ihr? gerne RT.
  • Vor Ort da sein: auch meine Präsenz in der Wohnstätte der Diakonie war enorm wichtig. Ich bekam so ungefiltert Stimmungen mit und konnte mir ein erstes Bild machen von Strukturen und Beziehungen.

Viele der Inspirationen hatten eher indirekten und/oder unbewussten Einfluss auf die Entwürfe. Sie trugen aber genauso wie die Hard Facts zum Gesamtbild mit bei.

Und so sehen die Ideenentwürfe aus

Vorab nochmal zur Klärung: was ist eigentlich ein Ideenentwurf? In dieser Stufe des Gestaltungsprozesses stimme ich mich mit dem Auftraggeber über die INHALTE ab. Es geht um die Frage “Was soll drauf?”. Ziel ist es also, die richtigen Bildmotive zu finden. Fragen, die das “Wie sieht es aus?” klären ( z.B. Stil, Menschentyp und Farbe ) werden erst später geklärt.

Hier ein paar der Ideenentwürfe:

im Supermarkt holt ein Mitarbeiter oben aus dem Regal eine Dose für eine ältere Dame mit Rollator, die da nicht ran kommt.

eine Person sitzt am Schreibtisch, auf dem sie gerade ein Formular ausfüllt gemütlich bei einem Kaffee. daneben liegen Faltblätter mit dem Wappen der Stadt und "i" für Info und dem leichte-Sprache-Symbol. Auf einem Bildschirm ist auch das Stadtwappen mit dem LS-Icon. Die Person dreht sich fröhlich zum Betrachter und hält den Daumen hoch für "klappt!"Klassenraum. zwei kinder, eins davon mit einem Assistenten, am vorderen Tisch. das mit Assistent hilft dem anderen Kind bei der aufgabe. im Hintergrund sitzen zwei kinder auf einem großen gemütlichen Sitzkissen auf Boden und lesen gemeinsam ein buch. an einer anderen Tischgruppe arbeiten kinder an ihren Arbeitsblättern. bei ihnen steht ein Lehrer und erklärt den Schülern gerade freundlich etwas.

Arbeit: Supermarkt als Grundidee. Ein*e Mitarbeiter*in hilft einer hilfebedürftigen Person (z.B. ein älterer Mensch) im Supermarkt, etwas aus der oberen Regalreihe zu holen. Man sieht die Eingang des Marktes und bekommt einen Blick in eine kleinere Straße des Kiezes. Man sieht vielleicht auch noch andere Kunden und Mitarbeiter. Der Supermarkt sieht sehr freundlich und fast gemütlich aus.

Kommunikation: Grundidee: Jemand sitzt entspannt an einem Tisch mit einer Teetasse dabei und füllt alleine ein Formular aus. Auf dem Tisch liegen außerdem Flyer der Stadt (Wappen) in Leichter Sprache und ein Computerbildschirm, der die Internetseite der Stadt Leipzig zeigt. Als Hintergrund kann man sich noch ein privates Zimmer vorstellen.

Bildung: Grundidee: Lernsituation in einem Klassenzimmer. Kein Frontalunterricht. Ein Kind mit (z. B. Down-Syndrom) und eins ohne Behinderung lernen nebeneinander an einem Tisch. Neben dem Kind mit Behinderung seine Assistenz. Das Kind mit Behinderung spricht (aktive Rolle) und zeigt auf etwas auf dem Blatt des anderen Kindes. Die Assistenz schaut unterstützend. Um sie herum andere Schüler*innen beim Arbeiten. Der Klassenlehrer/die Klassenlehrerin ist bei anderen Schülern, guckt über die Schultern und hilft beim Arbeiten. Andere Kinder im Hintergrund sitzen nicht am Tisch, sondern eins sitzt auf einem Riesenkissen und liest ein Buch. Ein anderes hockt daneben, zeigt auf das Buch und sagt etwas dazu. Insgesamt eine entspannte Atmosphäre.

Résumé und Ausblick

Der Perspektivwechsel ist geglückt. Ich wurde in meiner Meinung gestärkt, dass dieser sehr wichtig und unbedingt notwendig ist, um authentische realistische Bildmotive zu finden. Die Illustrationen werden in den kommenden Wochen fertig gezeichnet. Ihr dürft gespannt sein. :-)

Ich habe in den Arbeitssitzungen viel dazugelernt über Umgang, Themen, Kreativitätsmethoden und Bildmotive für und mit der Zielgruppe von Leichte-Sprache-Texten. Die Sitzungen entsprachen aber auch mehr als einer reinen Entwurfsphase. Sie waren auch ein Bildungsangebot für alle Teilnehmenden der Diakonie Leipzig, weil alle etwas gelernt haben zu den besprochenen Themen.

Zu Beginn dieses Artikels schrieb ich, dass durch die gemeinsamen Arbeitssitzungen schon Teilhabe von Menschen mit Einschränkung gewährleistet werden sollte. Den ersten Schritt in diese Richtung haben wir hiermit getan. Der nächste Schritt wird sein, dass Menschen mit Einschränkung noch aktiver an der Kreation beteiligt sind, indem sie SELBER Motive finden und umsetzen. Aufgrund von Zeit- und Budgetknappheit konnte dies für den Teilhabeplan noch nicht umgesetzt werden.

Andere Themen, mit denen ich mich auseinandersetzen möchte, sind Bilder für Blinde. Momentan wurden diese noch nicht berücksichtigt. Der Teilhabeplan wird mit Standard-Druckverfahren gedruckt. Wie sollten Bilder und Grafiken gestaltet sein, dass sie auch im Reliefdruck (das ist die Druckart, die für solche Bilder eingesetzt wird) umsetzbar sind?

Zusammenfassend kann ich sagen, dass dieses Projekt ein guter Startpunkt war, um zukünftige Projekte ähnlicher Art durchzuführen.

Meine wichtigsten Erkenntnisse aus meinem ersten Jahr Sketchnotes-Tagebuch

meine geliebten visuellen Sketchnotes-Tagebücher

Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich mein Sketchnotes-Tagebuch begonnen, spontan während meines Sommerurlaubs 2017. Was waren meine Beweggründe, ein visuelles Tagebuch zu führen (anstatt einfach Text zu schreiben)? Wie hat sich mein Sketchnotes-Tagebuch im Laufe des letzten Jahres verändert? Was habe ich aus diesem Visualisierungsprojekt gelernt? Und wie geht es weiter? Dies alles beantworte ich in diesem Blogpost.

Wie fing ich mit Sketchnotes-Tagebuch an?

Ich dokumentiere schon seit über 10 Jahren eigene Erlebnisse in Form von Zeichnungen. Warum zeichnen? Ich zeichne, also bin ich. So könnte ich meinen sehr ausgeprägten Zeichendrang wohl benennen. Wenn ich einen Tag nicht zeichne, fehlt mir etwas. Zeichnungen sind für mich das erste bewusste Ausdrucksmittel. Als Inspirationsquelle habe ich eigene Erlebnisse gewählt. Sie sind für mich der direkteste und einfachste Weg, um an Geschichten heranzukommen. Dazu kommt, dass ich Geschichten aus dem Alltag richtig spannend finde. 

Seitdem ich Mutter bin (seit 8 Jahren), hat sich meine verfügbare Zeit für freie Zeichnungen drastisch verkürzt. Die Illustrationen wurden über die Jahre immer weniger und ich unzufriedener. Ich brauchte ein neues Tool, womit ich meine Geschichten erzählen konnte mit mehr zeitlicher Flexibilität. Für meinen Freigeist war es mir wichtig, ein freies Projekt ohne Kunden aufrecht zu erhalten. Ich suchte also nach einer schönen anschaulichen Möglichkeit, meine Erinnerungen mit Spaß, schnell und einfach zu dokumentieren.

Zurück zum Sommerurlaub 2017: abends wollte ich lieber meine Zeit mit Freunden und der Familie verbringen als mich von der Gruppe abseilen, um alleine zu zeichnen. Meditative Momente für ausgefeilte Illustrationen hatten keinen Platz mehr. Um meinen Zeichendrang zu befriedigen, schnappte ich mir das A3-Papier, das im Hause meiner Schwiegereltern als Zeichenpapier für die Kinder zur Verfügung stand (aber nicht benutzt wurde). Anstatt wie vorher ein ganzes Blatt pro Bild zu füllen, nahm ein Bild jetzt nur einen kleinen Teil des Blattes ein. Anders war auch, dass ich diesmal Text hinzuschrieb, der sehr kurz gehalten und umgangssprachlich formuliert war. Jeden Tag wuchsen die Bild-Text-Kombinationen ein bisschen mehr zu einem Gesamtbild heran. Bilder und Texte entstanden im selben Tempo, wurden gleichermaßen notizenhaft und alles konzentrierte sich auf das Wesentliche. So entstand also mein Sketchnotes-Tagebuch. Hier ein Blick auf Seite 0, die im Sommerurlaub 2017 entstand:

 Urlaubssketchnotes

Und wie sehen meine Sketchnotes heute aus?

Simone Fass' Tagebuch-Sketchnotes

Dies ist der Eintrag meines visualisierten Tagebuchs, den ich genau ein Jahr nach der Seite 0 im August 2018 zeichnete. Was ist in der Zwischenzeit passiert? Ich zeige Euch hier eine Übersicht der wichtigsten Seiten, die zwischen Sommer 2017 und Sommer 2018 entstanden sind in chronologischer Reihenfolge.

visualisierte Reise-Sketchnotes

August 2017

visualisierte Reise-Sketchnotes

September 2017

visualisierte Reise-Sketchnotes

November 2017

Ende August 2017

Dezember 2017

Ende August 2017

Weihnachten 2017

visualisiertes Sketchnortes-Tagebuch

Januar 2018

visualisiertes Sketchnotes-Tagebuch

Januar 2018

visualisiertes Sketchnotes-Tagebuch

visualisiertes Sketchnotes-Tagebuch

Februar 2018

visualisiertes Sketchnotes-Tagebuch

Februar 2018

visualisiertes Sketchnotes-Tagebuch

März 2018

visualisiertes Sketchnotes-Tagebuch

März 2018

visualisiertes Sketchnotes-Tagebuch

Mai/Juni 2018

visualisiertes Sketchnotes-Tagebuch

Juni 2018

visualisiertes Sketchnotes-Tagebuch

Juli 2018

visualisiertes Sketchnotes-Tagebuch

Juli 2018

visualisiertes Sketchnotes-Tagebuch

Juli 2018

visualisiertes Sketchnotes-Tagebuch

August 2018

visualisiertes Sketchnotes-Tagebuch

August 2018

visualisiertes Sketchnotes-Tagebuch

August 2018

visualisiertes Sketchnotes-Tagebuch

August 2018

Wahrscheinlich ist es meiner Neugierde und Experimentierfreude geschuldet, dass ich in diesem Projekt ein weitaus höheres Potenzial sah als « nur » meine Erlebnisse zu dokumentieren. Der Auslöser war die Änderung des Papierformats. Nach dem Urlaub 2017 waren die A3-Blätter vollgeschrieben. Ich hatte noch etliche leere Skizzenbücher im Regal stehen. Außerdem haben sich die losen Blätter als sehr unpraktisch herausgestellt für den Transport. Ich brauchte also etwas Gebundenes und entschied mich für ein sehr langes schmales Skizzenbuch, das mir am schwierigsten zu befüllen schien. Diese Herausforderung reizte mich.

Das Format war anders, warum also nicht auch andere Parameter ändern? Ich fing so an, mit grafischen Elementen herumzuspielen, ohne zuerst zu wissen warum und wohin ich damit wollte.

Welche grafischen Parameter gibt es überhaupt?

Hier eine kleine Aufzählung der grafischen Elemente in Sketchnotes, die veränderbar sind.

Das Werkzeug

Stift

  • Stiftart
  • Pinselspitzendicke
  • Verbrauchsgrad
  • Farbe

Papier

  • Grammatur
  • Oberfläche
  • Format
  • Bindung

Sketchnotes

Schrift

  • Buchstabengröße und -breite
  • Groß- oder Kleinbuchstaben
  • kursiv oder normal
  • Laufweite
  • Zeilenabstand
  • links- oder rechtsbündig, mittig
  • Betonungen im Text
  • Druckbuchstaben oder Schreibschrift
  • x-Höhe
  • Zusatzelemente
  • mit oder ohne Serifen
  • Winkel

Bilder

  • Bildkomplexität (z. B. Symbol oder Illustration)
  • Bildinhalt (z. B. Personen, Gegenstände, Abstraktes)
  • Bildstil

Layout

  • Trennelemente
  • Reihenfolge des Schreibens (Bild oder Text zuerst)
  • Leserichtung
  • Beziehung der Elemente zueinander
  • Gesamtanordnung
  • Abstand zwischen Elementen
  • Weißraum

Das habe ich durch mein Sketchnotes-Tagebuch gelernt

Es hat sich gelohnt, an meinem Sketchnotes-Tagebuch dranzubleiben. Neben Spaß hat es mir auch viele neue Erkenntnisse geschenkt, die ich auch auf meine « großen » Visualisierungen – die Graphic Recordings – übertragen kann. Hier fasse ich dir meine wichtigsten Erkenntnisse zusammen.

Eine Mischung aus Planung und Improvisation

Ich habe im Laufe der letzen Jahre meiner Illustratorintätigkeit immer mehr gemerkt, dass ich eine ganze schlechte Doodlerin bin. Doodlen heißt wörtlich übersetzt « kritzeln ». Man könnte es auch als « irgendwie herummalen » übersetzen, d. h. Zeichnen des Zeichnens wegen. Zum Beispiel das Herumkritzeln während eines langweiligen Meetings, um sich irgendwie zu beschäftigen. Oder positiv ausgedrückt: sich freizeichnen von Blockaden. Doodlen hat in der Tat auch einen deblockierenden und inspirierenden Effekt.

Ich aber bin keine « Kritzlerin », ich brauche einen äußeren Sinn für meine Zeichnungen. Dafür definiere ich mir vor jeder Sketchnotes-Seite zuerst mein WARUM. Warum möchte ich diese Sketchnotes zeichnen? In meinem Fall ist es der Wunsch, eine bestimmte grafische Gestaltung auszuprobieren. Wenn man es auf andere Sketchnotes überträgt, könnte man sich fragen:

Welchen Zweck sollen die Sketchnotes erfüllen?
Sollen sie zum Beispiel mir oder anderen dabei helfen, Informationen besser zu behalten?
Oder möchte ich sie mir vielleicht einfach als schöne Dekoration in die Küche hängen?
Oder möchte ich einfach eine schöne Geschichte erzählen und sie dann abheften?
Entstehen die Sketchnotes live zu einer Veranstaltung oder davon unabhängig und evtl. zu anderen Input-Quellen?
In welchem Kontext werden die Sketchnotes gelesen? Nur auf dem Bildschirm oder ausgedruckt?

Wenn die Sketchnotes nicht nur für dich selber bestimmt sind, solltest du dir auch die Frage stellen, WER deine Sketchnotes lesen wird. Wie vertraut sind die Leser mit dem neuen Wissen? Waren sie z. B. auch auf der Veranstaltung, die du visualisiert hast? Wenn ja, kennen sie schon den Ablauf und du musst ihn in den Sketchnotes nicht stark hervorheben. Zudem solltest du die Lesegewohnheiten Deiner Leserschaft ungefähr kennen. Welche Bücher lesen sie? Welche grafische Literatur sind sie gewohnt?

Wenn ich diese Fragen beantwortet habe, bestimme ich die grafischen Parameter, die ich weiter oben im Text schon vorgestellt habe.

Der Rahmen ist nun festgelegt. Es bleibt nun noch ein Teil, der nicht planbar ist. Und das ist gut so! Zum Beispiel die Wirkung der Text- und Bildeinheiten untereinander. Du kannst nicht voraussagen, welche Bilder du zeichnen wirst. Je nachdem, welche Motive du findest, wirst du spontan auf sie in der folgenden Gestaltung reagieren.

Das Improvisierte gibt den Sketchnotes Lebendigkeit und Persönlichkeit. Deswegen braucht niemand sich davor zu scheuen. Im Gegenteil: zeige deine Persönlichkeit! Ich gebe zu, dass es eine Frage der Übung ist, sich auf das Unvorhergesehene einzulassen. Aber ich kann Euch versichern: die Geschichten und Bilder, die spontan entstehen, sind meist die expressivsten und schönsten.

Die Führung der Augen

Die Augen mögen es, wenn ihnen gezeigt wird, wo sie anfangen müssen zu lesen. Ihnen sollte also von Anfang an klar sein, auf welche Leserichtung sie sich einlassen. Gibt es nur eine Leserichtung? Wenn ja, sollte diese deutlich markiert sein. Wenn nein, sollte das Layout « offener » sein. Je mehr man den Augen diese Entscheidung abnimmt, desto entspannter und konzentrierter sind sie für das Wichtigste, nämlich den Inhalt.

Es gibt die fliegenden Lesenden, die sich gerne einen Überblick verschaffen und sich an der Gesamtheit des Bildes erfreuen, aber nicht unbedingt den Text lesen. Und es gibt es die tauchenden Lesenden, welche die Sketchnotes von Anfang bis Ende durchlesen. Außerdem gibt es die springenden Lesenden, welche nur die Textstellen lesen, die sie am meisten interessieren. Alle Typen können sich auch miteinander mischen und sollten deswegen gleichberechtigt durch die Gestaltung abgeholt werden. Wie?

Für die fliegenden Lesenden:

  • eine gut gestaltete Überschrift mit ggf. Titelbild
  • eine ausgewogene Verteilung aller Bildelemente auf dem Blatt – für ein schönes Gesamtbild
  • einheitliche Gestaltung der grafischen Elemente (z. B. die Überschriften immer gleich) – die Regelmäßigkeit trägt auch viel zum ästhetischen Gesamteindruck bei
  • dekorative Elemente – geben dem Blatt einen persönlichen Reiz und können, wenn sie überlegt eingesetzt werden, auch als Blickfang dienen.

Für die tauchenden Lesenden:

  • gut leserliche Schrift
  • klare Vorgabe der Leserichtung – z. B. durch ein klares Layout mit Leserichtung von links nach rechts und von oben nach unten
  • Bilder, die zum Inhalt passen, den Text sinnvoll ergänzen und Stimmungen transportieren. Die Lesenden sollen Lust bekommen, sich die Bilder länger anzuschauen. Die Wahl der Bilder ist sehr vielseitig umsetzbar. Es gibt unendlich viele visuelle Sprachen. Grundsätzlich hängt die Wahl der Bildsprache vom Ziel der Sketchnotes ab. Ist es wichtig, Menschen und ihre Geschichten darzustellen? Dann zeichnest du Figuren. Geht es aber eher um Zahlen und Fakten, sind Zahlen und Symbole eventuell besser geeignet. Natürlich kannst du Bildsprachen auch mischen. Es sollte aber einen dominierenden Bildtonus geben.

Für die springenden Lesenden:

  • Das Zauberwort lautet « Priorisierung ». Gute Hervorhebung der Überschriften und visuelle Anker unterstützen die Markierung der wichtigtsten Infos – so wissen die springenden Leser, wo es sich lohnt hinzuspringen.
  • sichtbare Trennung zwischen verschiedenen Informationen
  • Markierungen der Schlüsselwörter im Text – so kann der Inhalt auf einen Blick erfassbar sein

Rhythmus ist alles

Rhythmus ist der Herzschlag der Sketchnotes. Ein gleichmäßiger Rhythmus ist schön und angenehm. So auch für die visuellen Notizen. Er macht sie « rund » und hält sie zusammen.

Unter « Rhythmus » verstehe ich zwei verschiedene Dinge:

  1. meinen persönlichen Rhythmus: Wie schnell zeichne ich? Welchen Rhythmus hat mein persönlicher Zeichenstil?
  2. objektiven « messbaren » Rhythmus: entsteht z. B. durch z. B. Abstände und Layout

Mein persönlicher Rhythmus als Comfort-Zone

Ich habe mich durch mein Sketchnotes-Tagebuch ein Stückchen besser kennengelernt. Nun kenne ich meine Vorlieben und Geschmäcke besser. Ich habe meine grafische Comfort-Zone gefunden. :-) Ich weiß nun, in welchen Bildsprachen ich mich am wohlsten fühle und welche Infos ich brauche, um sie herzustellen. Ich kenne meine Lieblingsinhalte und weiß, wie ich sie spontan gestalten kann.
Ich weiß aber auch, welche Herausforderungen mich außerhalb meiner Comfort-Zone katapultieren und habe Lösungen dafür gefunden, wie ich damit umgehen kann.

Allein deswegen lohnt es sich schon, regelmäßig und kundenunabhängig zu sketchnoten. :-)

Objektiver Rhythmus

Objektiv betrachtet gibt es mehrere Faktoren, die zu einem regelmäßigen stabilen Rhythmus beitragen. Zum Beispiel:

  • grafische Einheitlichkeit: Elemente mit der gleichen Funktion sollten immer gleich behandelt werden im Verhältnis zum Rest. Zum Beispiel: alle Überschriften sind in Blockbuchstaben, der Fließtext ist immer in Schreibschrift. Oder alle Bilder sind farbig, der Text immer schwarz. Wichtig ist, dass du dein Gestaltungssystem KONSEQUENT durchziehst.
  • Weißraum: der Weißraum ist der Gegenpol zur Schwärzung des Papiers. Die Augen brauchen diesen neutralen Raum zur « Erholung ». Deswegen: nutze Weißraum bewusst als Gestaltungselement.
  • Immer gleicher Abstand: genauso wie du ein System für die grafischen Elemente entwickelst, sollte auch der Abstand zwischen den Elementen kalkuliert und regelmäßig sein. Zum Beispiel immer der gleiche Abstand zwischen Überschriften und Fließtext, Sinneinheiten, Bild und Text usw..
  • eine kohärente visuelle « Sprache »: alle Gestaltungselemente, die ich weiter oben genannt habe, lassen sich unendlich variieren und miteinander kombinieren. Daraus und aus deinem persönlichem Stil entsteht eine Sprache, die « krakelig », « vornehm », « elegant », « modern », « wissenschaftlich », « humorvoll », « energiegeladen » und noch vieles mehr sein kann. Die Kunst besteht darin, eine gute Kombination zu finden, die zu Dir und zum Thema passt.

Nicht alle diese Empfehlungen müssen eingehalten werden, um einen schönen Rhythmus zu bekommen. Es ist auch möglich, nur einen Teil davon umzusetzen und den Rest flexibler anzugehen. Wichtig dabei: die regelmäßigen und wiederkehrenden Elemente müssen gut sichtbar sein.

Einfach mal stehen lassen – mein Umgang mit « Fehlern »

In meinen Flipchart-Workshops rate ich meinen Teilnehmenden immer, sich zur Übung ein Notizbuch zuzulegen. Die Betonung liegt dabei auf Buch. Ich finde es wichtig, in Büchern zeichnen und visualisieren zu üben, weil man die Seiten nicht wegschmeißen kann. Solange wir die Möglichkeit haben, angeblich misslungene Seiten zu entsorgen, tun wir es auch. Ein Buch hindert uns daran. In einem Buch gibt es gezwungenermaßen immer eine Dramaturgie, einen Ablauf. Wenn du alle Seiten einfach stehen lässt, wirst du am Ende sehen, wie du dich weiterentwickelt hast. Und das hast du ganz sicher! So machst du deine Weiterentwicklung sichtbar und es wird dich mutiger machen.

So erging es auch mir. Es gibt genug Seiten in meinem visuellen Tagebuch, mit denen ich nicht zufrieden bin. Ich zwang mich aber, sie trotzdem fertig zu zeichnen und nochmal im Ganzen zu betrachten. Warum funktioniert die Seite nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte? Was kann ich daraus für meine nächsten Seiten für Schlüsse ziehen?

Die Sketchnotes leben von der Spontanität des Striches. Nur wenn ich die Erfahrung gemacht habe, wie ich mit « Fehlern » produktiv umgehe, kann ich wirklich spontan in situ auf sie reagieren. Ich werde weniger Angst vor ihnen haben und Vertrauen in mein kreatives Potenzial gewinnen.

Zugegeben, es ist schon eine Überwindung, die Seiten, welche ich weniger gelungen finde, trotzdem meiner Community zu zeigen. Aber lang- und mittelfristig gesehen lohnt es sich auf jeden Fall!

Hier sind zwei Seiten, die ich aus verschiedenen Gründen weniger gelungen finde:

visuelle Tagebuch-Sketchnotes

Januar 2018

visuelleTagebuch-Sketchnotes

Februar 2018

Wie geht es weiter?

Ich werde mein Experiment fortführen und schauen, auf welche Reise es mich schickt. :-)

Außerdem biete ich nun einen offenen Kurs zum Thema « Einstieg in Reise-Sketchnotes ». Der Workshop ist dafür da zu zeigen, wie viel Spaß es macht, seinen eigenen Geschichten freien Lauf zu lassen und Dir Mut zu machen, einfach mal anzufangen. Wenn Du gerne lernen möchtest, Deine eigenen visuellen Geschichten zu erzählen, sei als Urlaubserinnerung, als Alltagsdokumentation oder für deinen Job, dann ist der Kurs genau das Richtige für Dich! Hier erfährst Du mehr darüber.

Résumée

Ein Jahr konsequentes Sketchnotes-Tagebuch Führen haben mich sensibilisiert für die visuellen Werkzeuge, die für Sketchnotes zur Verfügung stehen. Ich kann nun leichter und mit mehr von ihnen jonglieren. Mein Bewusstsein für den Raum « Papier » hat sich geweitet. Ich freue mich, dieses Experiment weiterzuführen und lasse mich gern auf das Ungewisse ein.

Meine liebsten Infodesign-Projekte 2017

Letztes Jahr hat sich bei mir viel bewegt und konkretisiert. Im ersten Teil meiner Review fasse ich meine wichtigsten Designprojekte zusammen.

Gefühlskarten beim BELTZ-Verlag

Ressourcenkartenfür Paare beim BELTZ-Verlag erschienen

2017 war es endlich soweit. Ich bekam meinen ersten Auftrag für einen Verlag – und gleich mit einem eigenen Projekt, den Gefühlskarten. 5 Jahre zuvor schon hatte ich 30 Karten zusammen mit Oliver Wolf aus der Praxis calaidoskop konzipiert. Er brauchte sie für seine Arbeit mit behinderten Menschen. 2017 erweiterten wir das Set auf Wunsch des Verlags auf 60 Karten und fügten therapeutische Aufgaben hinzu. Seit August kann man die Karten offiziell erwerben.

Sprachposter

Sprachposter zu Ortadverien der Sprache Maluku für das Linguistik Institut der Uni Leipzig

Es gibt Projekte, die macht man für’s Geld; und es gibt Projekte, die macht man aus Überzeugung und mit Herz. Das Sprachposter für das Linguistik-Institut Leipzig gehörte dazu. Der Auftrag war schlecht bezahlt, verband aber perfekt meine Interessen UND ich hatte alle gestalterischen Freiheiten. Die Herausforderung war, Ortsadverbien der Sprache Maleku zu erklären, also Grammatik verständlich zu machen. Für Schüler verschiedener Altersstufen. Du weißt sicher, wie schwierig es ist, sich in die Logik einer Sprache hineinzudenken. Mich reizte, die Abstraktheit der Grammatik mit etwas Konkretem erfahrbar zu machen. Wie kann man dies nicht besser erreichen, als sich visuell an den Ort zu begeben, an dem die Sprache gesprochen wird, und zwar in den costa-ricanischen Dschungel. Wörter wie „über“, „hinter“ und „neben“ lassen sich hervorragend in realistischen Situationen visualisieren. Zum Beispiel „Es sind Bäume hinter dem Haus.“.
Das Poster hängt nun in costa-ricanischen Klassenzimmern und hilft den Schülern, Maleku besser zu verstehen.

Leichte-Sprache-Bilder für die Bundeszentrale für politische Bildung

Leichte-Sprache-Bilder für die Bundeszentrale für politische Bildung

Die Bundeszentrale für politische Bildung kam mit folgendem Problem auf mich zu. Die Illustrationen, die bisher im Leichte-Sprache-Abschnitt der Zeitung „Das Parlament“ erschienen, waren aus ihrer Sicht

  • zu kindlich
  • unpassend zum Thema
  • zu allgemein
  • und diskriminierend.

Gesucht wurde außerdem eine größere Vielfalt in der Darstellungsweise der Bilder. Mein Auftrag bestand also darin, politische Begriffe in Leichte Bilder zu übersetzen – in verschiedenen Bildsprachen. Besonders herausfordernd, da es die entsprechenden Leichte-Sprache-Texte zum größten Teil noch gar nicht gab. Ich musste sie also selber schreiben.

Entstanden sind 40 Illustrationen in 6 verschiedenen Bildsprachen. Die Bildsprachen variieren in Komplexität, Stil und Motivtyp. Oder anders gesagt: es geht von skizzenhaft bis farbig-ausgearbeitete Illustrationen. Jede Bildsprache hat ihr eigenes Potenzial, um Dinge zu erklären. Es war sehr spannend herauszufinden, welche Bildsprache für welche Bildinhalte geeignet ist und welch eher nicht. Die Bundeszentrale möchte mit dieser Diversität andere Menschen dazu anregen, eigene Bilder zu erstellen. Ich bin stolz, dazu beigetragen zu haben.

Info-Broschüre für Migranten

Elternbroschüre "KiTa" für Landesnetzwerk Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt (Lamsa e.V.) gestaltet von Simone Fass

Viele Migranten, die neu in Deutschland ankommen, sagen, dass sie von der Informationsflut überwältigt sind. Um sich zu integrieren, bekommen sie zu viel theoretisches Material und keine Hinweise auf die wichtigsten Informationen. Entweder sie sind ehrgeizig genug und arbeiten sich da durch, oder sie lassen es sein. ODER: sie haben Kontakt zum Landesnetzwerk der Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt (Lamsa e.V.). Diese Organisation setzt sich für den interkulturellen Austausch und Integration in Sachsen-Anhalt ein. Sie gibt den Migranten die nötigen Informationen gebündelt und geordnet.

Wie z. B. die Elternbroschüren über KiTa und Schule, welche ich gestalten durfte. Die Aufgabe war, einen niedrigschwelligen Zugang zu Infos zu schaffen, damit diese sicher ankommen. Konkret hieß das: 6 Sprachen im klaren Stil formuliert, eindeutige Kapitelstruktur, Verständnis förderndes Layout und Typografie und Bilder, die die Kernaussagen klar transportieren.

Die Broschüre über Schule entstand zuerst. In der KiTa-Broschüre habe ich die Illustrationen noch mehr weiterentwickelt. Wichtig für die Bilder war vor allem eine diskriminierungsarme Darstellung, die Vielfalt zeigt und Inhalte auf den Punkt bringt. Hier könnt Ih

Grafiken für Schulbücher

Meine Reise in die Verlagswelt ging Ende 2017 weiter. Der Klett-Verlag beauftragte mich mit Grafiken für ein Schulbuch. Wie diese Reise weitergeht, erfahrt Ihr in den nächsten Monaten.

Wenn Dir meine Arbeiten gefallen, kannst Du Dir auch gern mein komplettes Portfolio anschauen.

Im nächsten Teil erzähle ich Euch meine Entwicklung im Graphic Recording und wie sich das auf meinen Stil und mein Angebot ausgewirkt hat.

 

 

 

 

Collage videos

school-of-life

The School of Life: Great educational videos made with collage technique.

Hybride Fernsehreportage

Hybride fernsehreportage auf ARTE: Illustration und reale Fernsehbilder

»Ein neues Format für das deutsche Fernsehen haben der Berliner Illustrator Bo Soremsky und der Strassburger Auslandsreporter Michael Unger geschaffen. In einer Mischung aus realen Fernsehbildern und animierten Zeichnungen erzählen sie die Geschichte eines Alptraumes: Ilakaka – ein Ort im Süden Madagaskars, wo tausende armer Menschen im Bann der Saphire leben: Dort, im heissen Herzen Madagaskars schürfen Männer, Frauen und Kinder in der roten Erde nach Gestein, das ihnen einmal ein besseres Leben ermöglichen soll.« Weiterlesen hier (Melton Prior Institut, Artikel vom 6.4.2015)

Illus für Präsi: Science Slam Freiburg 2012

Tolles Beispiel, wie Bilder eine Präsentation « aufpeppen » zu einem relativ schwer « verdaulichen » Thema :-) Storytelling klappt hier übrigens auch ganz wunderbar.

Neuste Arbeit: Logo & Illustrationen

Zu sehen auf http://bit.ly/1yr5Sqo.

Logo und Illustrationen für Anwaltsschule Pre-Barreau in Paris

Wettbewerb American Illustration

Die Deadline für den Wettbewerb American Illustration geht noch bis zum 21. Februar. Eine Übersicht über die Illustrationen, die in Amerika veröffentlicht werden im Bereich Zeitung/Zeitschrift.

Spielend Sprachen lernen

Das polnische Studio Hipopotam hat das Interface Ba Ba Dum entwickelt, mit dem man autodidaktisch Sprachen lernen kann. Die Lernmethode verbindet Zuhören, Lesen, Beobachten und das Wiederholen von Wörtern und einfachen Sätzen. Das Interface besteht aus 5 HTML-Spielen, mit denen man die Grundlagen von 9 Sprachen lernen kann. Es gibt mehr als 1500 Illustrationen und ein minimalistisches Design, das die Aufmerksamkeit auf den Inhalt konzentriert.

Japanisches Graphik Design

GURAFIKU: Wunderschöne Sammlung von Beispielen des Japanischen Graphik Designs und Illustration