Archives de Catégorie: News

Mit Bildern erklären und Geschichten erzählen

Wie meine Tochter ihr erstes Lernplakat mit Sketchnotes gestaltete

Meine Tochter Antonia (9 Jahre, 3. Klasse) sollte das erste Mal zu einem frei wählbaren Thema recherchieren und es präsentieren. Das Thema “Wetter” und die Präsentationsform (Plakat) standen sehr schnell fest. Sie war aber nicht sicher, wie sie recherchieren sollte. Wo würde sie die Infos finden? Welche Infos sollten überhaupt aufs Plakat?

Wir haben das Plakat in einem Zeitraum von 2 Wochen erstellt. Teilweise waren ein paar Tage zwischen den einzelnen Schritten. Deswegen kann ich mir vorstellen, dass ein Kind es auch in einer Woche schaffen kann. Für einen kürzeren Zeitraum könnte man auch nur einen Teil der Fragestellung herausnehmen und konkreter formulieren. Zum Beispiel statt „Das Wetter“ besser „Warum verändert sich das Wetter?“.

Das Plakat entstand in 4 Schritten:

  1. Quelle finden
  2. Infos sammeln
  3. Infos ordnen
  4. Umsetzung

Quelle finden

Wir hatten keinerlei Vorgaben, WO wir die Infos finden sollten. Deswegen versuchten wir es zuerst über Texte aus verschiedenen Online-Enzyklopädien:

Wir hätten natürlich auch Bücher aus der Bibliothek ausleihen können. Beim Durchstöbern der Online-Texte merkte ich aber schon, dass es meiner Tochter relativ schwer fiel, die Fließtexte mit vielen fremden Wörtern zu durchstöbern. Sehr schnell ließ dabei ihre Konzentration nach. Deswegen entschied ich mich, eher nach einer anderen Quelle zu suchen, wo die Inhalte schon gefilterter und einfacher präsentiert werden. So versuchten wir es mit einem Erklärvideo für Kinder. Es lief gleich viel besser und wir könnten zum nächsten Schritt übergehen.

Infos sammeln

Als Vorbereitung notierten wir vier Fragen auf jeweils ein A4-Blatt: Was ist das Wetter? Wie verändert sich das Wetter? Wieso ist es manchmal heiß und manchmal kalt? Wieso schneit es oder fallen Blätter von den Bäumen?

Meine Tochter hatte Spaß am Videoschauen. Etwas machte es noch besonders: ich bat sie parallel mitzuschreiben und Bilder zu skizzieren über das, was sie im Video wichtig fand. Das nennt man übrigens visuelle Notizen oder Sketchnotes.  Ich schrieb und zeichnete anfangs auch mit und stellte Zwischenfragen. Als Antonia von alleine arbeitete, ohne dass ich für sie zeichnete, hörte ich mit Mitschreiben auf.

Wir machten die Notizen auf kleinen Klebezetteln in vier verschiedenen Farben. Jedesmal wenn wir etwas aufschrieben, hielten wir das Video an. So hatten wir genug Zeit, um darüber nachzudenken, welche Farbe der Klebezettel haben sollte und was wir genau darauf schrieben und skizzierten. Antonia hatte eine große Freude daran, die Farbe zuzuordnen und den Klebezettel auf das passende Blatt zu kleben. Auch der Rhythmus zwischen Zuhören und Selber-Notieren war gut geeignet, um die Konzentration aufrecht zu erhalten.

Die verschiedenfarbigen Klebezettel erlaubten ihr auch, die Infos nach Wichtigkeit zu filtern und sie zu ordnen. So hatten wir am Ende schon eine Art Übersicht darüber, wie viel Info es tatsächlich war. Es war nicht zu viel und sah auf jeden Fall machbar aus!

auf Teppich liegen ein iPad und mehrere A4-Blätter, die beschrieben sind und mit verschieden farbigen Haftnotizen beklebt sind. Zwischendrin Textmarker und Fineliner.Vier Klebezettel im detail: 1: regen, Wind, Wolken, Gewitter aufgezählt, dazu jeweils ein kleines Bild. 2: Sonne bescheint die Erde im Weltall. Die Erde ist in zwei verschiedenen Phasen mit zwei verschiedenen Winkeln zu sehen. So bescheint die Sonne jeweils eine andere Ecke der Erde, nämlich die, die näher dran ist. 3: Schneekristalle fallen auf Erde. Ein Schneemann ist auch da. Man sieht ein Kugeleis für "gefroren". 4: eine Wolke voll mit ganz vielen Regentropfen. Daneben steht geschrieben, dass sie dadurch sehr schwer wird und die Tropfen irgendwann runterfallen.

Infos ordnen

Nun ging es daran, die gesammelten Informationen auf dem Originalformat so anzuordnen, dass es inhaltlich passt und gut aussieht. Antonia zeichnete den Titel gleich oben mittig und schlug 4 Spalten vor, da es ja vier Fragen seien. Nachdem wir auch die Reihenfolge festgelegt hatten, schrieb sie mit Bleistift vor. Dabei achteten wir darauf, dass jede Spalte die gleiche Breite hatte. Wenn sie mal länger wurde, konnten wir die Breite durch Radieren und Neuschreiben leicht korrigieren. Nun konnte es losgehen mit der Organisation einer Spalte: welche Info sollte ganz oben stehen? Welche darunter?

auf einem A1-Blatt ist oben mittig der Titel "Das Wetter" geschrieben. darunter vier Spalten, in denen jeweils ein paar Klebezettel geklebt sind derselben Farbe.

Umsetzung  

Antonia hatte sich ein schönes blaues Papier ausgesucht, dass sie für das finale Plakat nutzen wollte. Dieses wollte sie nun passend zur Skizze gestalten. Dafür schrieb und zeichnete sie erst einmal alle Texte und Bilder vor. Sie formulierte also die Texte aus und übertrug die Bilder der Klebezettel auf das etwas größere Format einer Spalte. Durch das Vorschreiben mit Bleistift hatte sie immer die Möglichkeit, Dinge zu löschen und hin- und herzuschieben, wenn der Platz mal anders organisiert werden sollte. Die gestalterische Freiheit machte ihr sichtlich Spaß.

Antonia am Tisch über das blaue Plakat gebeugt konturiert am Schreiben

Einen Schritt, nämlich die Gestaltung des Titels, hat sie auch noch vorweggenommen. Sie weiß schon, dass man Schrift passend zu einem Thema gestalten kann. In dem Buch “Handlettering for everyone” fand sie Inspiration für eine Wolkenschrift.

Plakat liegt fertig mit Bleistift beschrieben auf Schreibtisch. der Titel ist schon in der weißen fluggigen Wolkenschrift

Nun war es endlich soweit und sie konnte die Bilder kolorieren und die Schrift mit einem Fineliner nachschreiben. Als alles stand, hat sie noch die Bleistiftspuren wegradiert. Und fertig war das Plakat!

fertige Plakat. Oben fluffiger weißer Wolkenschrift "das Wetter". darunter vier Spalten: Was ist das Wetter? Wie verändert sich das Wetter? Wieso ist es manchmal heiß und manchmal kalt? Wieso schneit es oder fallen Blätter von den Bäumen? Alle sind durch eine weiße vertikale gestrichelte Linie voneinander getrennt. In den Spalten sind verschiedene Bilder, die die Inhalte jeweils verdeutlichen. Z. B. Tropfen in Wolken gefrieren, das ist Schnee. Bild dazu: eine Wolke mit vielen Tropfen gefroren. Schnee Folter auf Kinder, die neben einem Schnee man fröhlich eine Schneeballschlacht machen. Text: Laubblätter können Wasser nicht speichern. Deswegen fallen Blätter ab, wenn Boden gefriert und Wasser nicht mehr in Blätter geleitet werden kann. Frage: Wieso ist es manchmal heiß und kalt? Bild: Sonne scheint auf Erde, die ihren Winkel ändert. So entstehen Jahreszeiten. Bild: Erde dreht sich um sich selber und Sonne: das ist ein Jahr.

Nun war es endlich soweit und sie konnte die Bilder kolorieren und die Schrift mit einem Fineliner nachschreiben. Als alles stand, hat sie noch die Bleistiftspuren wegradiert. Und fertig war das Plakat!

Nun fehlte nur noch das Präsentieren-Üben.

Präsentation

Wir haben es ein paar Mal geübt. Sie war sehr sicher im Sprechen. Sie betrachtete hauptsächlich die Bilder und erzählte dann frei dazu.

Bevor sie das Plakat letzten Montag in der Klasse präsentierte, war ich mindestens genauso aufgeregt wie sie. Danach erzählte sie mir, dass es sehr gut angekommen sei bei der Lehrerin und ihren Mitschüler*innen. Alle fanden es gut, dass Antonia selber gezeichnet hat.

Für zukünftige Projekte hat die Lehrerin vorgeschlagen, auch mal einzelne kleinere Seiten zu präsentieren, die die Schülerin oder der Schüler nacheinander der Klasse zeigt. So wird der Bezug zwischen dem Gesprochenen und Gezeigten noch besser klar (Antonia hat auf dem großen Plakat nämlich nicht immer auf alle Bilder gezeigt).

Fazit

Ich hoffe natürlich, dass das Plakat die Lehrerin und die Schüler*innen auf neue Ideen bringt. Im Idealfall kann die Lehrerin SELBER solche Sketchnotes-Aufgaben geben. Sketchnotes sind hervorragend geeignet, um Dinge zu recherchieren, neue Infos besser zu verstehen und zu präsentieren. Ich werde auf jeden Fall weiter verfolgen, was die Lehrerin daraus macht.

Außerdem werde ich Antonia dazu ermutigen, ein Plakat mal komplett alleine zu gestalten. Ich habe ihr beim ersten Mal den Weg gezeigt und sie mit Werkzeugen und Verpflegung ausgestattet. Nun ist es vielleicht schon an ihr, ihren eigenen Weg zu gehen. :-)

 

 

Meine Reise in die französische Leichte Sprache

Einfahrt zum Terrain. Vorne am zäun auf Schild steht "Avenir Apei, accueil et acopagnement de personnel handicapest mentales – Siege social" Hinter Einfahrtstor ein größeres Haus im Altbau. Großer Parkplatz mit ein paar Autos. Links ist der Empfang in einem niedrigen Flachbau.

Mitte Mai hospitierte ich bei Avenir Apei in einem Übersetzungsbüro für die französische Leichte Sprache (français facile à lire et à comprendre: FALC) in Carrière-sur-Seine bei Paris. Vielleicht fragt Ihr Euch, warum ich mich dafür interessiere. Leichte Sprache finde ich schon im Deutschen spannend, da sie Informationen auf den Punkt bringt – ähnlich wie ich es mit meinen Bildern tue. Die französische Sprache ist eine meiner Leidenschaften. Sie ist zu meiner zweiten Sprache geworden durch meinen Frankreichaufenthalt, meinen französischen Lebenspartner und unsere Kinder. Da war der Weg nicht weit bis hin zur Frage, wie es mit der Leichten Sprache im Französischen aussieht. Als ich herausfand, dass die französischen Übersetzungsbüros zudem noch anders funktionieren als in Deutschland – Menschen mit Lernschwierigkeiten schreiben SELBER die Texte – stand mein Entschluss fest: ich wollte erfahren, wie diese Büros arbeiten.

Ein paar Sätze zum FALC

FALC wird per se nach den Regeln definiert. Das heißt diese müssen unbedingt eingehalten werden, sonst darf das Siegel nicht auf das Dokument. Eine Debatte über flexiblere Definitionen – wie wir es in Deutschland z. B. von der Uni Leipzig erleben – kennen die Franzosen nicht.

Zeichnung: eine Figur hält streng ein Schild mit einem roten großen Ausrufezeichen hoch. Zwei andere Figuren schauen ein bisschen eingeschüchtert drauf.´

Die Regeln für das FALC sind denen der deutschen Leichten Sprache sehr ähnlich. Nachlesen kann man sie hier.

Mir ist aufgefallen, dass es “leichte” Wörter im Französischen gibt, die ich in der deutschen Übersetzung als zu schwer empfinden würde. Zum Beispiel der Satz: “Des parlementaires sont des personnes qui nous représentent.” Wörtlich übersetzt hieße es: “Parlamentarier sind Personen, die uns vertreten.” “Vertreten” würde ich als zu schwer einschätzen. Da scheint es von Sprache zu Sprache Unterschiede zu geben.

Die Texte, die übersetzt werden, sind ausschließlich Informationstexte von meist öffentlichen Organisationen (z. B. Kommunen). Übersetzungen für Belletristik oder Lyrik gibt es gar nicht.

In Frankreich gibt es (noch) keine anderen Formen von vereinfachtem Deutsch (z. B. Einfache Sprache).

Was die Bilder betrifft, so nutzen die Übersetzer*innen Plattformen wie Picto-FranceDie Qualität und Vielfalt der Bilder lässt aber zu wünschen übrig.

Wie verliefen die Sitzungen?

Glastür ins FALC-Büro. Darauf kleb ein A4-Blatt mit dem Logo der Leichten Sprache

Zuerst einmal muss gesagt werden, dass die Übersetzungen in einer WfbM von Avenir Apei stattfanden. Es gibt also (noch) kein externes Büro. Der Gruppenleiter hat neben den Übersetzungen noch andere Aufgaben. Wenn keine Übersetzungsaufträge vorliegen, arbeitet er in der Wäscherei. Wenn ein Auftrag da ist, müssen die Aufgaben in der Wäscherei auf andere verteilt werden. Das ist nicht immer so einfach, kann man sich vorstellen.

Ich hatte Glück! Während meines Aufenthaltes kam ein ziemlich interessanter Auftrag rein. Die Partei La France Insoumise wünschte eine Übersetzung ihres Kurzwahlprogramms.

Wir waren insgesamt 5 Leute in der Redaktionsgruppe: drei Selbstvertreter*innen aus der Werkstatt, der Gruppenleiter und ich.

Im Büro, das etwa 10 qm groß ist. Von Glaswänden umgeben. Dahinter Andeutung einer Werkstatt. Im FALC-Büro sind zwei große Bürotische ums Eck stellt, darauf 4 Bildschirme. ich sitze mit der Redaktionsgruppe an einem der Tische vor 2 Bildschirmen. Es sieht nett, aber ein bisschen eng und dunkel aus. Im Raum gibt es kein Fenster nach außen.Wir arbeiteten an einem Rechner mit 2 Bildschirmen, einer davon für die Textredaktion, der andere für die Recherche.

Der Originaltext wird absatzweise gelesen. Dann fragt der Gruppenleiter: „Versteht Ihr das?“. Bei ja formuliert die Gruppe gleich um. Bei nein muss der Gruppenleiter den Originaltext noch einmal leichter formulieren. Dann fragt er die Gruppe: „Was versteht Ihr davon?“ oder „Was denkt Ihr darüber?“. Wenn die Gruppe bejaht, formuliert sie den Inhalt noch einmal mit leichter verständlichen Worten neu. Wenn der Satz sitzt, tippt ihn einer der Selbstvertreter*innen fertig ins Dokument. Es ist also ein permanenter Dialog zwischen dem Gruppenleiter und den Selbstvertreter*innen. Wichtig ist dabei stets, dass die Selbstvertreter*innen selber Textvorschläge machen oder die Verständlichkeit des vorgeschlagenen Textes bestätigen.

Zeichnung vierer Köpfe einander zugewandt freundliche sprechend. Über ihnen Sprechblasen.

Es wird mündlich formuliert. Entwürfe werden gleich eingetippt und dann bearbeitet. Wenn der gesamte Text fertig geschrieben ist, wird er nochmal von einer Person, die weniger teilgenommen hat, gelesen und auf Verständlichkeit untersucht. Sie liest ihn laut und meldet sich, wenn noch etwas unklar ist. 

Dann geht die gesamte Gruppe eine Tabelle mit geschlossenen Fragen durch. Z. B. “Sind die Sätze kurz?” und “Man darf keine Sonderzeichen benutzen. Wird diese Regel eingehalten?”. Das Ankreuzen ging den Teilnehmern leicht von der Hand.

Tabelle auf A4-Blatt mit etwa 50 Fragen zum AnkreuzenZum Schluss wird der Text geprüft von anderen Selbstvertreter*innen, die NICHT bei der Redaktion dabei waren.

Wenn eine bestimmte Anzahl an Fragen der Liste positiv beantworten werden konnte und die Prüfer den Text bestätigt haben, ist der Text FALC und darf das Siegel tragen.

Unsere Werkzeuge für das Schreiben waren:

  • Microsoft Word für die Textredaktion
  • Ein Synonymwörterbuch
  • Ein Klassisches Wörterbuch (z. B. Larousse, ein Wörterbuch für Leichte Sprache gibt es (noch) nicht)

Es gibt eine Internetseite, auf der man unsere Übersetzung in die Leichte Sprache einsehen bald kann: https://programme-candidats.interieur.gouv.fr . Allerdings haben sie nicht beachtet, dass man das Layout auch ändern sollte. Es sieht furchtbar aus! Sehr enge Schrift, das Layout ist genau wie das Original. Außerdem haben sie nicht alle Übersetzungen übernommen und welche weggelassen. Es wirkt halbherzig. 

Fragen, die ich mir stellte

Ein Gruppenmitglied war sehr dominant. Von ihm kam praktisch fast der ganze Text. Wie schafft man es, dass die GANZE Gruppe mitmacht?

Könnte man z. B. alternative Schreibmethoden einsetzen? Kann man den Schreibprozess methodisch überhaupt gestalten? Ich habe mich gewundert, dass niemand handgeschriebene Notizen machte (ich kann damit am besten denken und formulieren). Ich fand die Arbeit am Rechner sehr ermüdend. Auch konnten nicht alle Teilnehmer gleichberechtigt mitmachen und auf den Bildschirm schauen. Dieser ist nun mal für eine Person gemacht. Eine aktivierende Übung hätte vielleicht mehr Abwechslung und mehr Tempo hineingebracht. Um es zusammenzufassen, hatte ich den Eindruck, dass KEIN methodisches Konzept hinter dem Prüfungsprozess liegt. Es liegen zu wenig Erfahrungswerte dafür vor. Ich kann mir vorstellen, dass die FALC-Gruppen aber sehr interessiert wären, darüber mehr zu erfahren. Wenn also jemand von Euch einen Link mit mehr Infos zu Prüf- und Schreibmethoden teilen möchte, dann schreibt es im Kommentar dieses Artikels.

Zwei Bilder nebeneinander. Links bin ich mit Pierre nebeneinander. Wir gucken direkt in die Kamera. ich grinse, Pierre schaut eher ernst und hält eine Broschüre zu den FALC-regeln in die Kamera. rechts: .Draußen neben dem Gebäude auf Wiese. ich sitze mit Pierre auf Klappstühlen. Wir gucken uns ein gedrucktes Heft an. Er schaut gerade zu mir, weil er mich etwas zu fragen scheint. Wir genießen die pause in der Sonne.

Mit Pierre sprach ich ganz viel. Er zeigte mir viel Material zum FALC.

Könnte ein solcher Prozess auch ohne den Gruppenleiter funktionieren? Dieser übersetzt ja schwierige Sätze vorab in eine einfachere Version, damit die Selbstvertreter*innen überhaupt wissen, worum es geht. Könnte man die Selbstvertreter*innen bemächtigen, die Bedeutung der Texte selber zu recherchieren, also eigenständiger zu arbeiten?

Da ich noch keine Erfahrung gemacht habe in einem deutschsprachigen Übersetzungsbüro, fragte ich mich auch: Wie übersetzen deutschsprachige Übersetzer für die deutsche Leichte Sprache? Arbeiten sie auch am Rechner von Anfang an oder schreiben sie handschriftlich? Gibt es vielleicht sogar welche, die besondere Methoden verwenden?

Was nehme ich mir sonst noch aus den Sitzungen mit?

Meine Rolle war zuerst weitestgehend Beobachterin, ich nahm also nicht aktiv am Übersetzungsprozess teil. Mit der Zeit arbeitete ich aber immer mehr mit. Einige Male ersetzte ich sogar den Gruppenleiter vollständig, als dieser weg musste. Ich moderierte und übersetzte also mit der Gruppe. Zuerst war ich verunsichert, bekam aber mit der Zeit mehr Selbstvertrauen. Erstaunlicherweise hatte ich am Ende sogar das Gefühl, dass mir das Übersetzen ins FALC leichter fällt als im Deutschen in die Leichte Sprache. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich sowieso schon zwischen dem Deutschen und Französischen übersetzen, also Sätze kürzer formulieren und Wörter verständlicher ausdrücken muss. Liegt darin vielleicht ein Potenzial auch für deutsche Texte? Könnte man Nicht-Muttersprachler aktiver in den Übersetzungsprozess mit einbeziehen?

Eine visuelle Prozessbegleitung war mit dieser Arbeitsweise nicht möglich. Ich hatte den Eindruck, dass die Teilnehmenden keine Bilder brauchten, um Begriffe besser zu verstehen. Das lag wahrscheinlich daran, dass der Gruppenleiter die Sätze sehr gut zusammenfasste und einfach formulierte.

Bilder zwischendurch

In den Kaffeepausen gab es Gelegenheit, sich mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auszutauschen. Die Leute waren alle sehr offen, neugierig und freundlich mir gegenüber. Wenn sie mich zeichnen sahen, wollten sie sofort mitmachen. So gab es ein paar Situationen im Flur, wo ein Mitarbeiter mir zeigte, wie er Gesichter oder seine Arbeitswerkzeuge zeichnet. Sie fanden es toll, sich über die Bilder auszudrücken. Einer meinte sogar, dass er jetzt immer “so” zeichnen wolle.

Foto von zeichnender hand in einem Notizblock. Dahinter angeschnitten jemand, der etwas transportiert. Rechts daneben Ausschnitte aus dem Skizzenbuch mit Gesichtern und den gezeichneten Werkzeugen: Waage, Bügeleisen und Rollwagen

Was habe ich über die Branche erfahren?

Aus Gesprächen mit Claire Grisard, Verantwortliche für Barrierefreiheit bei Unapei (Dachorganisation der Inklusionseinrichtungen) und Luc Pallier, Geschäftsführer von Avenir Apei, konnte ich Informationen über die Inklusionsbranche im weiteren Sinne bekommen.

ich und Claire sitzen an einem Ecktisch in einem Bistro vor angeknabberten Flammkuchen

Es ist so: Aktuell gibt es 13 Leichte-Sprache-Übersetzungsbüros in ganz Frankreich. 9 davon haben in den letzten 2 Jahren eröffnet. Es ist also eine sehr junge Bewegung.

Dass für die Übersetzungen Geld bezahlt wird, ist auch erst seit ca. 2 Jahren der Fall. Davor sagten alle: « Das muss ein kostenloser Service bleiben. Weil: das ist eine Wohltätigkeit. Wir tun den Betroffenen etwas Gutes. » Auch heute noch gibt es innerhalb der Inklusionsbranche viele Menschen, die das sagen. Sie möchten nicht, dass mit Übersetzungen Geld verdient wird.

Da ist es logisch, dass Organisationen bis vor Kurzem kein Geld ausgeben wollten für Leichte-Sprache-Texte. Dass wir bei Avenir Apei das Wahlprogramm einer Partei übersetzt haben, ist das allererste Mal. Was die Bilder betrifft, so verzichten die meisten Auftraggeber auf diese. Entweder sie wollen einfach kein Geld dafür ausgeben, oder sie finden die Bilder, die in Bilderbanken zur Verfügung stehen, zu hässlich. Es gibt erst sehr wenige Illustratorinnen und Illustratoren, die Leichte Bilder gestalten, also eine Alternative zu Bilderbanken anbieten. Es gibt in Frankreich allerdings viele Selbstvertrerinnen und -vertreter, die nach einer einheitlichen wiederkennbaren Bildsprache für FALC-Texte verlangen. Daran lässt sich erkennen, dass die Gruppe noch keine Erfahrung hat mir wiederkehrenden Bildern.

Claire Grisard steht nun vor der Entscheidung, eine seriöse Bilderbank aufzubauen ODER sich dagegen zu entscheiden und eher die Konditionen zu schaffen für eine vielfältigere Bilderlandschaft. Von mir holte sie sich die Argumente, da die Leichte Sprache und Bilder in Deutschland schon weiter entwickelt sind und mehr Erfahrungswerte vorliegen.

Ihr kennt meine Sicht der Dinge. Ich glaube, dass die Bilder besser und vielfältiger werden müssen, um wirklich Teilhabe zu ermöglichen. Ich denke, ich habe Claire von der Notwendigkeit überzeugen können. Let’s see, wie es in Frankreich weiter geht!

Und hier noch ein paar andere Fakten: Seit 1997 sind Kommunen schon dazu verpflichtet, ihre Infos barrierefrei zur Verfügung zu stellen. Dazu zählt aber NICHT die Leichte Sprache.

Die Mitarbeiter*innen einer WfbM verdienen etwa 120 Euro netto im Monat. Der Rest wird über Sozialleistungen aufgestockt.

Es gab ein Gesetz, das Werkstätten dazu verpflichte, Freizeitangebote während der Arbeitszeit anzubieten. Dieses gibt es seit kurzem nicht mehr. Der Geschäftsführer der Werkstatt in Carrière-sur-Seine fand es aber wichtig, die Tätigkeiten beizubehalten, weil sie die Angestellten motivieren und die Arbeitsatmosphäre besser ist. Die Freizeitangebote finden in besonderen Räumen der Werkstatt statt. Ich war in der Theater-AG und habe mitbekommen, wie viel Spaß alle Beteiligten daran hatten.

Rendez-vous mit meinen französischen Kolleg*innen

Neben Menschen aus der Inklusionsbranche traf ich auch französische Visualisiererinnen und Visualisierer.

Mit Magalie LeGall, einer Bibliothekarin im Sketchnotes-Fieber, sprach ich über Kreativitätsmethoden. Auch sie ist regelmäßig in der Situation, alternative visuelle Lernmethoden in Workshops für Unis und Bibliotheken anzuwenden.

Beatrice Lhuillier lud mich ein, in ihrem Graphic-Facilitation-Workshop meine Herangehensweise von Graphic Facilitation, also visueller Prozessbegleitung, vorzustellen. Ich erzählte von kollaborativem Design –  zum Beispiel für die Illustrationen des Teilhabeplans Leipzig – visuelle Arbeitsplakate und Sketchnotes als Lernwerkzeug. Es war eine super Erfahrung, da ich das erste Mal in einem professionellem Rahmen vor mehreren Leuten auf französisch von meiner Arbeit sprach.

Außerdem traf ich Olivier Pesret. Es ist immer wieder sehr bereichernd sich mit ihm auszutauschen, weil er einen besonders weiten Blick auf die Visualisierer-Tätigkeit hat und viel tut, um unsere Community voranzubringen. Graphic Facilitation und andere „alternative“ Kommunikationswerkzeuge sind noch richtig unbekannt in Frankreich. Zum Beispiel kannte niemand die Metacom-Symbole. Nicht nur in der Inklusionsbranche, auch bei den meisten Unternehmen ist (Live-)Visualisierung auch noch nicht angekommen. Olivier erzählte mir, dass die französischen Visualisierer also noch jede Menge zu tun haben, um bei den Organisationen Türen zu öffnen.

Vier Bilder insgesamt. drei Selfies mit der jeweiligen Person. Das mit Magalie sieht lustig aus, weil wir mit Weingläsern lachen und das mit Beatrice sieht lustig aus, weil wir Posits auf unseren Münden kleben haben,. dDarauf sind lachende Münder gezeichnet. Ein Foto zeit mich beim Präsentieren ins Beas Workshop.

Resumé

Die Woche hatte es in sich! Ich habe viele unterschiedliche Eindrücke und Perspektiven bekommen. Ich habe gemerkt, dass die leichte Kommunikation in Frankreich zwar noch nicht ganz angekommen ist, es aber motivierte Menschen gibt, die das ändern wollen. Das Feld ist noch relativ unangetastet. Aber im Anfang liegt auch die Kraft. Alles kann noch aus dem Feld gedeihen. Wir müssen darauf achten, welche Samen wir säen. Die Franzosen haben zwar nach wie vor eine etwas starre Beziehung zu ihrer Sprache. Aber ich bin sicher, dass wir Vereinfacherinnen und Vereinfacher es schaffen, die leichte Kommunikation auch nach Frankreich zu bringen.

Weiterführende Links

 

Vision trifft Realität – So wichtig war kooperatives Design für den Teilhabeplan Leipzig

ausgedruckter Teilhabeplan mit einem Büroheftern zusammengeheftet. Titelblatt "Auf dem Weg zur Inklusive" Teilhaberplan der Stadt Leipzig für die Jahre 2017 bis 2014 in Leichter Sprache". Überm Titel ist mit einem schwarzen Marker ein lachender Smiley gezeichnet

Ende 2018 bekam ich von der Stadt Leipzig den Auftrag, die 10 Kapitel des Teilhabeplans in Leichter Sprache der Stadt zu illustrieren. Der Teilhabeplan “Auf dem Weg zur Inklusion” beschreibt, wie gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Einschränkung am gesellschaftlichen Leben der Stadt bis 2024 erreicht werden soll. Dafür hat die Stadt 10 Handlungsfelder aufgestellt: Wohnen, Bildung, Arbeit, Freizeit, öffentlicher Raum & Mobilität, Bewusstseinsbildung, Kommunikation, Mitwirkung & Ehrenamt, soziale Dienste und Gesundheit. Mein Auftrag bestand darin, die Zukunftsvision der Stadt für die 10 Handlungsfelder visuell zu übersetzen in sogenannte Zukunftsbilder.

Die Illustrationen sollen nicht nur leicht verständlich sein, sondern darüber hinaus sollen sie Modernität, Dynamik, Weltoffenheit und Vielfalt ausdrücken. Möglichst viele Bürger*innen sollen sich in ihnen wiederfinden. Also Menschen mit und ohne Einschränkung, unterschiedlicher Herkunft und aus verschiedenen Religionen, Geschlechter, Alter usw.. Das Ziel der Bilder besteht also weniger darin, die Handlungsfelder zu erklären, sondern sind vielmehr als politisches Statement der Stadt, Kommunikations- und PR-Werkzeug zu verstehen.

Was war das Besondere am Entstehungsprozess?

Es war sehr schnell klar, dass dieser Gestaltungsprozess anders stattfinden sollte als es bei einem klassischem Designentwurf der Fall ist. Wie sieht eine gelungene Teilhabe in der Zukunft aus? Was kann am Leben in der Stadt verbessert werden, damit alle mitmachen können? Das konnten mir nur die Menschen beantworten, um die es im Teilhabeplan geht: Selbstvertreter*innen (Menschen mit Einschränkung), Angehörige und ihre Mitmenschen. Mir und der Stadt war es wichtig, dass Teilhabe nicht nur auf dem Papier steht, sondern schon im Entstehungsprozess gewährleistet wird.

Um Bildmotive zu finden, muss ich in jedem Designprozess – also auch für andere Aufträge – mal mehr, mal weniger recherchieren, um realistische und authentische Bilder zu finden. Hier ging es aber noch einen Schritt weiter. Ich wollte eine Zukunftswelt darstellen aus der Sicht der Selbstvertreter*innen. Dafür musste ich ihre Bedürfnisse und Wünsche kennenlernen. Ich brauchte also einen echten Perspektivwechsel. Gleichzeitig musste ich aber auch die Sichtweise der Stadt berücksichtigen. Das heißt, nur solche Szenen darstellen, die von der Stadt direkt oder indirekt beeinflussbar sind.

Für zwei Phasen des Gestaltungsprozesses war ein Perspektivwechsel unersetzlich:

  • für die Ideenphase (Was soll auf das Bild?): welche Dinge und Personen sollen auf dem Bild zu sehen sein? Was tun die Menschen und wie sieht das Umfeld aus?
  • für die Farbphase (Welche Farbwelt gibt es?). Wenn das Motiv fertig gezeichnet ist, kommen die Farben. Diese müssen so gewählt werden, dass auch Sehbeeinträchtigte das Bild gut erkennen können. Diese Phase ist gerade in Arbeit.

Ich holte mir also Input von Selbstvertreter*innen. Mit dabei war außerdem Michael Peukert, der Initiator des Projektes “Mittendrin in Markkleeberg”. In diesem Projekt setzen sich Menschen mit Einschränkung mit wichtigen gesellschaftlichen Themen auseinander. Zum Beispiel machen sich die Teilnehmenden auch für Leichte Sprache in der Politik stark. Das Projekt trägt also zu einem größeren Verständnis für Demokratie und Menschenrechte bei Menschen mit Einschränkung bei. Klar, dass diese Thematik zum Teilhabeplan passte. So war mein Partner für die Arbeitssitzungen gefunden.

Wie verliefen die Sitzungen?

Bisher fanden 4 Arbeitssitzungen statt. Wir trafen uns immer für 2 Stunden am späten Nachmittag im Wohnverbund Katharina von Bora in Markleeberg .  

Ich und Michael Peukert mit fünf Klientinnen und Klienten aus dem Wohnheim posieren für das Foto vor beschriebene Pinnwand. Zwei der Gruppe halten bezeichnetes Flipchart-Papier in der Hand. Über uns stehen handgeschrieben unsere Namen: Michael, Brita, Maik, Thomas, Lutz, Christine

Ich leitete mit Michael Peukert die Diskussionen und zeichnete simultan mit. Beim Mitzeichnen fand ich schon erste Schlüsselbilder und erstellte gleichzeitig eine visuelle Dokumentation der besprochenen Inhalte. Da hauptsächlich ich sie nutzen sollte, sind die Blätter eher als großformatige Notizzettel gedacht (also kein “schickes” Plakat zum Aufhängen). Nebenbei gesagt: Moderieren UND Zeichnen gleichzeitig fällt mir bis heute schwer. Deswegen habe ich mich auf Scribbels beschränkt. Hier ein paar Beispiele aus meiner Feder:

skizzenhaft beschriebenes und bezeichnetes Flipchartpapier

skizzenhaft beschriebenes und bezeichnetes Pinnwandpapier

 

 

 

Der Ablauf war immer gleich, wobei die Methoden und Themen wechselten und die Übergänge fließend waren:

  1. Allgemeine Warm-Ups
  2. Intro zur Thematik
  3. Diskussion

Warm-Ups

Die Teilnehmenden mussten irgendwie aus ihrem Alltagstrott geholt werden. Jedesmal wenn ich ankam, wartete die Gruppe schon gemütlich beim Kaffeekränzchen auf mich, als ob sie es so jeden Nachmittag tun würde. Die Stimmung war immer sehr fröhlich und offen. Die Leute waren offensichtlich neugierig, sich auf neue Erfahrungen mit mir einzulassen, ohne mich vorher gekannt zu haben. Wie konnten wir sie nun dazu bewegen, mal anders zu denken und zu arbeiten als sie es gewohnt sind?

Die Herausforderung bestand also darin, die Bereitschaft zu wecken für neue Denkweisen. Außerdem sollte auch das Selbstbewusstsein gestärkt werden (“Mein Gefühl ist es wert gezeigt zu werden.”). Dafür war es wichtig, die Teilnehmenden erst einmal abzuholen mit etwas, was sie schon kennen. Ich wählte dafür einen möglichst niedrigschwelligen Einstieg.

Ich begann immer mit einer kleinen Achtsamkeitsübung. Die Fragen, die beantwortet werden sollten, waren zum Beispiel: Wie fühle ich mich? Was mag ich besonders? Was nicht? Welches besondere Erlebnis hatte ich? Die Selbstwahrnehmung wurde also trainiert.

Für die Umsetzung habe ich verschiedene Dinge ausprobiert:

  • Die Teilnehmenden erzählten, zeichnete mit
  • Die Teilnehmenden zeichneten und erzählten selber
  • Die Teilnehmenden erzählten selber und drückten sich körperlich aus

Meine Learnings aus den Warm-Ups

Man sollte immer ein Thema wählen, von dem die Teilnehmenden SELBER betroffen sind. Zum Beispiel:

Zeichnung eines gezackten Weihnachtsbaums mit Kerzen. Er besteht "nur" aus einer schwarzen durchgehenden Linie. Die Form ist sehr einfach und deswegen klar. Die Kerzen an den Zacken sind einfache vertikale Striche mit gelben Flammen. Unterm Baum stehen zwei verpackte Geschenke in rot.

Britta mochte den Weihnachtsbaum im Wohnheim. Zu Weihnachten war sie bei ihrer Schwester. Das war schön.

kräftige weit nach oben reichende dunkelgrüne Zacken geben einen Tannenwald wider. Auf einer Spitze ein braunes Holzhäschen angedeutet. Der kräftige Strich gibt wunderbar die Wildheit der Natur wider

Maik hat seine Freundin im Wald besucht, wo sie lebt.

eine ovale Form ähnlich wie eine liegende geschlossene Walnusschale. Es zieht ein horizontaler Strich von links nach rechts Mitte. Direkt darüber weiß gefüllte Rechtecke, die die Packungen andeuten. Die Form ist sehr abstrakt.

Thomas liebt Nudeln. Zu Weihnachten hat er einen Präsentkorb mit Nudeln bekommen.

Ein Strichmännchen steht mit ausgestreckten Armen neben einer rechteckigen Form, in der oben "TSB" steht. Unten in der Form deuten kleine Quadrate die Lichter des Zuges von vorne an.

Lutz wünscht sich schon lange, mit der transsibirischen Eisenbahn zu fahren. Er hat zu Weihnachten ein Buch darüber bekommen.

Das Selberzeichnen hat sehr gut funktioniert. Es gab keinerlei Scheu, sich mit Stift und Papier auseinanderzusetzen. Technisch gab es auch kein Problem, d. h. die Teilnehmenden wussten immer, wie sie etwas zeichnen konnten.

Sehr gut war auch eine Körperarbeit. Bei einer Übung wurden vier A4-Blätter auf dem Boden verteilt. Eines mit einem fröhlichem Smiley, eins mit einem neutralen, eins mit einem traurigen und ein Blatt mit Fragezeichen.

auf einem mit PVC ausgelegten Boden liegen hintereinander mit ca. 1 Meter Abstand 4 A4-Blatter mit je einem lächelnden, neutralen und traurigen Smiley und eins mit Fragezeichen

Ich fragte: Wie geht es Dir? Freust Du Dich auf das Wochenende? Freust Du Dich auf nächste Woche? Die Leute sollten sich zu den Blättern stellen gemäß ihren Antworten. Das Fragezeichen stand für „Weiß nicht.“. Durch die Bewegung kamen die Teilnehmenden schnell in Gang.

An Tagen, an denen wenig Berichtenswertes passiert war, war es wichtig, mit etwas Allgemeinem anzufangen (z. B. “Was mag ich?”) und dann langsam konkreter zu werden  (z. B. “Was mochte ich letzte Woche besonders?”). Ich habe gemerkt, dass es den Teilnehmenden manchmal schwerer fiel, sich mit etwas zu befassen, was vor Kurzem geschah und wieder vorbei ist als mit etwas, was immer präsent ist.

Diskussion über den Teilhabeplan

In jeder Sitzung besprachen wir 2 – 3 Handlungsfelder des Teilhabeplans. Es gab eine kleine Einführung in die Themen, mit denen die Teilnehmenden weniger vertraut sind. Bei den anderen starteten wir direkt mit der Diskussion. Die Einführung gestaltete ich z. B. mit vorbereiteten Karten, die ich hintereinander beim Sprechen ans Flipchart klebte. So ersparte ich mir simultanes Zeichnen und konnte mich auf das Sprechen konzentrieren. Den Teilnehmenden halfen meine Zeichnungen, sich ein erstes Bild zu machen vom unbekannten Thema.

Zum Beispiel das Kapitel “Kommunikation”. Darin beschreibt die Stadt Leipzig, wie sie ihre Kommunikation mit der Öffentlichkeit barriereärmer gestalten möchte. Beispielsweise auf ihrer Internetseite, auf Veranstaltungen, in Formularen und Publikationen.

A5-Karteikarten hängen am Flipchart. darauf texte und Bilder. Beispieltext: "Formulare in leichter Sprache", barrierefreie Internetseite, Amtsblatt in Leichter spräche, barrierefreie Veranstaltungen, Sitzungssaal und Festsaal barrierefrei, infos über Veranstaltung in leichter sprache, Leitaden, infos zum Stadtwald in leichter sprache, infotafeln

Die Interessen für die Themenfelder des Teilhabeplans waren unterschiedlich. Mal war der Zugang relativ einfach (z. B. Wohnen, Mobilität, Freizeit), mal etwas schwieriger (z. B. Kommunikation) und mal gar nicht möglich (Bewusstseinsbildung), weil das Themenfeld die Teilnehmenden nicht direkt betraf. Es war demnach eine besondere Herausforderung, das Interesse unter unterschiedlichen Bedingungen zu wecken.

Eine unserer Hauptaufgaben bestand erst einmal darin, bei den Teilnehmenden das Bewusstsein zu wecken für die persönliche Betroffenheit. Das Ziel war, die Teilnehmenden zur Antwort auf die Frage zu führen “Was hat das mit mir zu tun?”.

Das lief gut

Wir nutzen für die Diskussion immer konkrete Beispiele, die die Teilnehmenden aus ihrem Alltag kannten. Zum Beispiel das Thema “Ehrenamt”. Wir wollten Bilder finden zu: „Was macht Ehrenamt aus? Warum arbeiten Menschen ehrenamtlich?“. Unser Beispiel war der Gemeinschaftsgarten der Diakonie, den die Teilnehmenden mitgestalten. Sie wussten also genau, was es für Dinge dort gibt und was man dort macht und hatten großen Spaß daran, diese Dinge auf bunte Post-Its aufzuzeichnen und “ihren” Garten gemeinsam auf dem Flipchart nachzubauen.

Post-Its sind ein effektives Werkzeug, um Perfektionismus in der Visualisierung abzubauen. Die kleine Größe baut den Anspruch an einer “perfekten” Zeichnung ab. Ein paar Striche reichten, um die Gegenstände und Tätigkeiten darzustellen. Durch das Werkzeug Zeichnen und das gemeinsame Gestalten wurde die Gesprächsatmosphäre gelockert. Alle konnten sich in die (Gefühls-)Welt eines Gartens hineinversetzen, weiterdenken und diese Frage beantworten: „Was wäre, wenn es diesen Garten nicht geben würde?“ Antworten: „Sonst wäre alles langweilig.“, „Man hilft den Bedürftigen.“ „Das macht das Leben schön.“.

Flipchart mit Titel "Ehrenamt". gezeichnet ist eine Blumenwiese in einem satten Grün. drumherum sind bunte Postest geklebt mit verschiedenen kleinen Zeichnungen. Z. B. Parka, Blumenkohl, Harke, Grill, Rasenmäher, tanzender Affe

Es gab auch Themen, wo wir keine Hilfsmittel brauchten, um die Diskussion in Gang zu bringen: Wohnen, Mobilität und Arbeit. Da sprudelten die Teilnehmenden nur so mit ihren eigenen Erfahrungen heraus. Der Output an diesem Tag war enorm.

Zum Beispiel erzählte jemand von seinen Schwierigkeiten, sich an der Bahnhaltestelle am Hauptbahnhof Leipzig zu orientieren. Alle hatten auch etwas zu sagen zur Wohnsituation für Menschen, die auf barrierefreie Wohnungen angewiesen sind. Barrierefrei Wohnen bezieht sich demnach nicht nur auf die Ausstattung und Kosten der Wohnung, sondern auch auf die Wohngegend: ist sie gut mit Bus und Bahn zu erreichen? Gibt es Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe? Sind die Nachbarn nett? Kann man sich das Viertel selber aussuchen?

imRaum der Diakonie mit Tischgruppe und Pinnwand und Flipchart. die Gruppe sitzt am Tisch. ich stehe an Pinnwand und rede mit einem aus der Gruppe. Die Teilnehmer hören gespannt zu

Das lief weniger gut

Es gab auch Themen, für die die Teilnehmenden nicht so viele Ideen hatten. Da ist es uns weniger gelungen, die Teilnehmenden für die Problematik zu sensibilisieren und eine eigene Meinung zu bilden. Ich erkläre mir das folgendermaßen:

  • Keine Anknüpfungspunkte: beim Thema „Kommunikation“ fehlten z. B. die Erfahrungswerte. Die Kommunikationswege der Stadt Leipzig waren den Teilnehmenden nicht bekannt: sie hatten noch keine Veranstaltungen der Stadt besucht, kannten ihre Internetseite noch nicht und hatten das Rathaus noch nie von Innen gesehen. Also weitete ich die Diskussion aus: Wir sprachen über barrierefreie Kommunikation im Allgemeinen: Veranstaltungen, Internetseiten und Beschilderungen von anderen Insitutionenen. Nur das Kapitel „Formulare“ aus diesem Themenfeld fand Anklang.
  • Kein Interesse: die Teilnehmenden interessierten sich einfach nicht für das Thema (was natürlich berechtigt ist).
  • Unkritische Haltung: ich merkte, dass die Teilnehmenden es nicht gewohnt waren, dass jemand sie nach ihrer eigenen Meinung fragt. Zum Beispiel hatte eine Teilnehmerin die Meinung eines Arztes noch nie hinterfragt. Hier drehte sich die Diskussion darum, die Teilnehmenden zu motivieren, die Therapieempfehlung eines Arztes nicht einfach so hinzunehmen, sondern sich auch nach alternativen Behandlungen umzuschauen. Wir führten also erste Schritte aus in Richtung aktiver Meinungsbildung.

Andere Wege zum Perspektivwechsel

Wie oben beschrieben gab es ein paar Themenfelder, für die ich eher wenig Input von den Teilnehmenden bekam. Dies hat mich dazu geführt, den Perspektivwechsel über andere Wege zu erreichen. Ich wollte noch solche Stimmen hören, die direkt betroffen waren.

  • Sitzungen mit der Stadt: Den Blickwinkel der Stadt durfte ich nicht aus den Augen verlieren. Schließlich ist sie es, die einen Teil der Zukunftsvisionen ihrer Bevölkerung umsetzt. In zwei Sitzungen untersuchten und entwickelten wir die Bildideen unter dem Gesichtspunkt Umsetzbarkeit weiter.
  • Interviews und Feedback: zum Thema „Bildung“ interviewte ich Erzieher und Leitung aus Kindergarten und Hort, einen Integrationshelfer und Eltern eines Kindes mit Einschränkung. So erfuhr ich, was noch nicht optimal funktioniert und was sie sich wünschen, damit Inklusion in ihrem Umfeld gelingen kann. Zum Thema “Freizeit” holte ich mir Feedback vom Verein Gemeinsamgrün e. V., der den inklusiven Gemeinschaftsgarten SALVIA führt.
  • Social Media: über Facebook und Twitter berichtete ich über den laufenden Prozess und fragte meine Community auch nach Feedback. Zum Beispiel suchte ich nach einer schönen funktionierenden Rampe im öffentlichen Raum Leipzigs. Ein Twitter-Follower gab mir einen Hinweis dafür und gab mir wertvolle Tipps, worauf man bei Rampen achten sollte. Ein anderes Beispiel ist meine Umfrage zu typischen Sätzen, die Menschen mit Einschränkung öfter hören. Dazu bekam ich sehr viel Rückmeldung. Das folgende Bild ist klickbar. Dahinter befindet sich der vollständige Thread mit allen Antworten.Screenshot Twitter- Thread mit "Für die Illustrationen des teilhabeplans #leichteSprache der Stadt Leipzigwürde ich gern typische Fragen, Kommentare oder sonstige Reaktionen karikieren, die Menschen mit Behinderungoft zu hören bekommen/erleben. ich brauch Euren Input! Welche Sätze kennt Ihr? gerne RT.
  • Vor Ort da sein: auch meine Präsenz in der Wohnstätte der Diakonie war enorm wichtig. Ich bekam so ungefiltert Stimmungen mit und konnte mir ein erstes Bild machen von Strukturen und Beziehungen.

Viele der Inspirationen hatten eher indirekten und/oder unbewussten Einfluss auf die Entwürfe. Sie trugen aber genauso wie die Hard Facts zum Gesamtbild mit bei.

Und so sehen die Ideenentwürfe aus

Vorab nochmal zur Klärung: was ist eigentlich ein Ideenentwurf? In dieser Stufe des Gestaltungsprozesses stimme ich mich mit dem Auftraggeber über die INHALTE ab. Es geht um die Frage “Was soll drauf?”. Ziel ist es also, die richtigen Bildmotive zu finden. Fragen, die das “Wie sieht es aus?” klären ( z.B. Stil, Menschentyp und Farbe ) werden erst später geklärt.

Hier ein paar der Ideenentwürfe:

im Supermarkt holt ein Mitarbeiter oben aus dem Regal eine Dose für eine ältere Dame mit Rollator, die da nicht ran kommt.

eine Person sitzt am Schreibtisch, auf dem sie gerade ein Formular ausfüllt gemütlich bei einem Kaffee. daneben liegen Faltblätter mit dem Wappen der Stadt und "i" für Info und dem leichte-Sprache-Symbol. Auf einem Bildschirm ist auch das Stadtwappen mit dem LS-Icon. Die Person dreht sich fröhlich zum Betrachter und hält den Daumen hoch für "klappt!"Klassenraum. zwei kinder, eins davon mit einem Assistenten, am vorderen Tisch. das mit Assistent hilft dem anderen Kind bei der aufgabe. im Hintergrund sitzen zwei kinder auf einem großen gemütlichen Sitzkissen auf Boden und lesen gemeinsam ein buch. an einer anderen Tischgruppe arbeiten kinder an ihren Arbeitsblättern. bei ihnen steht ein Lehrer und erklärt den Schülern gerade freundlich etwas.

Arbeit: Supermarkt als Grundidee. Ein*e Mitarbeiter*in hilft einer hilfebedürftigen Person (z.B. ein älterer Mensch) im Supermarkt, etwas aus der oberen Regalreihe zu holen. Man sieht die Eingang des Marktes und bekommt einen Blick in eine kleinere Straße des Kiezes. Man sieht vielleicht auch noch andere Kunden und Mitarbeiter. Der Supermarkt sieht sehr freundlich und fast gemütlich aus.

Kommunikation: Grundidee: Jemand sitzt entspannt an einem Tisch mit einer Teetasse dabei und füllt alleine ein Formular aus. Auf dem Tisch liegen außerdem Flyer der Stadt (Wappen) in Leichter Sprache und ein Computerbildschirm, der die Internetseite der Stadt Leipzig zeigt. Als Hintergrund kann man sich noch ein privates Zimmer vorstellen.

Bildung: Grundidee: Lernsituation in einem Klassenzimmer. Kein Frontalunterricht. Ein Kind mit (z. B. Down-Syndrom) und eins ohne Behinderung lernen nebeneinander an einem Tisch. Neben dem Kind mit Behinderung seine Assistenz. Das Kind mit Behinderung spricht (aktive Rolle) und zeigt auf etwas auf dem Blatt des anderen Kindes. Die Assistenz schaut unterstützend. Um sie herum andere Schüler*innen beim Arbeiten. Der Klassenlehrer/die Klassenlehrerin ist bei anderen Schülern, guckt über die Schultern und hilft beim Arbeiten. Andere Kinder im Hintergrund sitzen nicht am Tisch, sondern eins sitzt auf einem Riesenkissen und liest ein Buch. Ein anderes hockt daneben, zeigt auf das Buch und sagt etwas dazu. Insgesamt eine entspannte Atmosphäre.

Résumé und Ausblick

Der Perspektivwechsel ist geglückt. Ich wurde in meiner Meinung gestärkt, dass dieser sehr wichtig und unbedingt notwendig ist, um authentische realistische Bildmotive zu finden. Die Illustrationen werden in den kommenden Wochen fertig gezeichnet. Ihr dürft gespannt sein. :-)

Ich habe in den Arbeitssitzungen viel dazugelernt über Umgang, Themen, Kreativitätsmethoden und Bildmotive für und mit der Zielgruppe von Leichte-Sprache-Texten. Die Sitzungen entsprachen aber auch mehr als einer reinen Entwurfsphase. Sie waren auch ein Bildungsangebot für alle Teilnehmenden der Diakonie Leipzig, weil alle etwas gelernt haben zu den besprochenen Themen.

Zu Beginn dieses Artikels schrieb ich, dass durch die gemeinsamen Arbeitssitzungen schon Teilhabe von Menschen mit Einschränkung gewährleistet werden sollte. Den ersten Schritt in diese Richtung haben wir hiermit getan. Der nächste Schritt wird sein, dass Menschen mit Einschränkung noch aktiver an der Kreation beteiligt sind, indem sie SELBER Motive finden und umsetzen. Aufgrund von Zeit- und Budgetknappheit konnte dies für den Teilhabeplan noch nicht umgesetzt werden.

Andere Themen, mit denen ich mich auseinandersetzen möchte, sind Bilder für Blinde. Momentan wurden diese noch nicht berücksichtigt. Der Teilhabeplan wird mit Standard-Druckverfahren gedruckt. Wie sollten Bilder und Grafiken gestaltet sein, dass sie auch im Reliefdruck (das ist die Druckart, die für solche Bilder eingesetzt wird) umsetzbar sind?

Zusammenfassend kann ich sagen, dass dieses Projekt ein guter Startpunkt war, um zukünftige Projekte ähnlicher Art durchzuführen.

Meine wichtigsten Erkenntnisse aus meinem ersten Jahr Sketchnotes-Tagebuch

meine geliebten visuellen Sketchnotes-Tagebücher

Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich mein Sketchnotes-Tagebuch begonnen, spontan während meines Sommerurlaubs 2017. Was waren meine Beweggründe, ein visuelles Tagebuch zu führen (anstatt einfach Text zu schreiben)? Wie hat sich mein Sketchnotes-Tagebuch im Laufe des letzten Jahres verändert? Was habe ich aus diesem Visualisierungsprojekt gelernt? Und wie geht es weiter? Dies alles beantworte ich in diesem Blogpost.

Wie fing ich mit Sketchnotes-Tagebuch an?

Ich dokumentiere schon seit über 10 Jahren eigene Erlebnisse in Form von Zeichnungen. Warum zeichnen? Ich zeichne, also bin ich. So könnte ich meinen sehr ausgeprägten Zeichendrang wohl benennen. Wenn ich einen Tag nicht zeichne, fehlt mir etwas. Zeichnungen sind für mich das erste bewusste Ausdrucksmittel. Als Inspirationsquelle habe ich eigene Erlebnisse gewählt. Sie sind für mich der direkteste und einfachste Weg, um an Geschichten heranzukommen. Dazu kommt, dass ich Geschichten aus dem Alltag richtig spannend finde. 

Seitdem ich Mutter bin (seit 8 Jahren), hat sich meine verfügbare Zeit für freie Zeichnungen drastisch verkürzt. Die Illustrationen wurden über die Jahre immer weniger und ich unzufriedener. Ich brauchte ein neues Tool, womit ich meine Geschichten erzählen konnte mit mehr zeitlicher Flexibilität. Für meinen Freigeist war es mir wichtig, ein freies Projekt ohne Kunden aufrecht zu erhalten. Ich suchte also nach einer schönen anschaulichen Möglichkeit, meine Erinnerungen mit Spaß, schnell und einfach zu dokumentieren.

Zurück zum Sommerurlaub 2017: abends wollte ich lieber meine Zeit mit Freunden und der Familie verbringen als mich von der Gruppe abseilen, um alleine zu zeichnen. Meditative Momente für ausgefeilte Illustrationen hatten keinen Platz mehr. Um meinen Zeichendrang zu befriedigen, schnappte ich mir das A3-Papier, das im Hause meiner Schwiegereltern als Zeichenpapier für die Kinder zur Verfügung stand (aber nicht benutzt wurde). Anstatt wie vorher ein ganzes Blatt pro Bild zu füllen, nahm ein Bild jetzt nur einen kleinen Teil des Blattes ein. Anders war auch, dass ich diesmal Text hinzuschrieb, der sehr kurz gehalten und umgangssprachlich formuliert war. Jeden Tag wuchsen die Bild-Text-Kombinationen ein bisschen mehr zu einem Gesamtbild heran. Bilder und Texte entstanden im selben Tempo, wurden gleichermaßen notizenhaft und alles konzentrierte sich auf das Wesentliche. So entstand also mein Sketchnotes-Tagebuch. Hier ein Blick auf Seite 0, die im Sommerurlaub 2017 entstand:

 Urlaubssketchnotes

Und wie sehen meine Sketchnotes heute aus?

Simone Fass' Tagebuch-Sketchnotes

Dies ist der Eintrag meines visualisierten Tagebuchs, den ich genau ein Jahr nach der Seite 0 im August 2018 zeichnete. Was ist in der Zwischenzeit passiert? Ich zeige Euch hier eine Übersicht der wichtigsten Seiten, die zwischen Sommer 2017 und Sommer 2018 entstanden sind in chronologischer Reihenfolge.

visualisierte Reise-Sketchnotes

August 2017

visualisierte Reise-Sketchnotes

September 2017

visualisierte Reise-Sketchnotes

November 2017

Ende August 2017

Dezember 2017

Ende August 2017

Weihnachten 2017

visualisiertes Sketchnortes-Tagebuch

Januar 2018

visualisiertes Sketchnotes-Tagebuch

Januar 2018

visualisiertes Sketchnotes-Tagebuch

visualisiertes Sketchnotes-Tagebuch

Februar 2018

visualisiertes Sketchnotes-Tagebuch

Februar 2018

visualisiertes Sketchnotes-Tagebuch

März 2018

visualisiertes Sketchnotes-Tagebuch

März 2018

visualisiertes Sketchnotes-Tagebuch

Mai/Juni 2018

visualisiertes Sketchnotes-Tagebuch

Juni 2018

visualisiertes Sketchnotes-Tagebuch

Juli 2018

visualisiertes Sketchnotes-Tagebuch

Juli 2018

visualisiertes Sketchnotes-Tagebuch

Juli 2018

visualisiertes Sketchnotes-Tagebuch

August 2018

visualisiertes Sketchnotes-Tagebuch

August 2018

visualisiertes Sketchnotes-Tagebuch

August 2018

visualisiertes Sketchnotes-Tagebuch

August 2018

Wahrscheinlich ist es meiner Neugierde und Experimentierfreude geschuldet, dass ich in diesem Projekt ein weitaus höheres Potenzial sah als « nur » meine Erlebnisse zu dokumentieren. Der Auslöser war die Änderung des Papierformats. Nach dem Urlaub 2017 waren die A3-Blätter vollgeschrieben. Ich hatte noch etliche leere Skizzenbücher im Regal stehen. Außerdem haben sich die losen Blätter als sehr unpraktisch herausgestellt für den Transport. Ich brauchte also etwas Gebundenes und entschied mich für ein sehr langes schmales Skizzenbuch, das mir am schwierigsten zu befüllen schien. Diese Herausforderung reizte mich.

Das Format war anders, warum also nicht auch andere Parameter ändern? Ich fing so an, mit grafischen Elementen herumzuspielen, ohne zuerst zu wissen warum und wohin ich damit wollte.

Welche grafischen Parameter gibt es überhaupt?

Hier eine kleine Aufzählung der grafischen Elemente in Sketchnotes, die veränderbar sind.

Das Werkzeug

Stift

  • Stiftart
  • Pinselspitzendicke
  • Verbrauchsgrad
  • Farbe

Papier

  • Grammatur
  • Oberfläche
  • Format
  • Bindung

Sketchnotes

Schrift

  • Buchstabengröße und -breite
  • Groß- oder Kleinbuchstaben
  • kursiv oder normal
  • Laufweite
  • Zeilenabstand
  • links- oder rechtsbündig, mittig
  • Betonungen im Text
  • Druckbuchstaben oder Schreibschrift
  • x-Höhe
  • Zusatzelemente
  • mit oder ohne Serifen
  • Winkel

Bilder

  • Bildkomplexität (z. B. Symbol oder Illustration)
  • Bildinhalt (z. B. Personen, Gegenstände, Abstraktes)
  • Bildstil

Layout

  • Trennelemente
  • Reihenfolge des Schreibens (Bild oder Text zuerst)
  • Leserichtung
  • Beziehung der Elemente zueinander
  • Gesamtanordnung
  • Abstand zwischen Elementen
  • Weißraum

Das habe ich durch mein Sketchnotes-Tagebuch gelernt

Es hat sich gelohnt, an meinem Sketchnotes-Tagebuch dranzubleiben. Neben Spaß hat es mir auch viele neue Erkenntnisse geschenkt, die ich auch auf meine « großen » Visualisierungen – die Graphic Recordings – übertragen kann. Hier fasse ich dir meine wichtigsten Erkenntnisse zusammen.

Eine Mischung aus Planung und Improvisation

Ich habe im Laufe der letzen Jahre meiner Illustratorintätigkeit immer mehr gemerkt, dass ich eine ganze schlechte Doodlerin bin. Doodlen heißt wörtlich übersetzt « kritzeln ». Man könnte es auch als « irgendwie herummalen » übersetzen, d. h. Zeichnen des Zeichnens wegen. Zum Beispiel das Herumkritzeln während eines langweiligen Meetings, um sich irgendwie zu beschäftigen. Oder positiv ausgedrückt: sich freizeichnen von Blockaden. Doodlen hat in der Tat auch einen deblockierenden und inspirierenden Effekt.

Ich aber bin keine « Kritzlerin », ich brauche einen äußeren Sinn für meine Zeichnungen. Dafür definiere ich mir vor jeder Sketchnotes-Seite zuerst mein WARUM. Warum möchte ich diese Sketchnotes zeichnen? In meinem Fall ist es der Wunsch, eine bestimmte grafische Gestaltung auszuprobieren. Wenn man es auf andere Sketchnotes überträgt, könnte man sich fragen:

Welchen Zweck sollen die Sketchnotes erfüllen?
Sollen sie zum Beispiel mir oder anderen dabei helfen, Informationen besser zu behalten?
Oder möchte ich sie mir vielleicht einfach als schöne Dekoration in die Küche hängen?
Oder möchte ich einfach eine schöne Geschichte erzählen und sie dann abheften?
Entstehen die Sketchnotes live zu einer Veranstaltung oder davon unabhängig und evtl. zu anderen Input-Quellen?
In welchem Kontext werden die Sketchnotes gelesen? Nur auf dem Bildschirm oder ausgedruckt?

Wenn die Sketchnotes nicht nur für dich selber bestimmt sind, solltest du dir auch die Frage stellen, WER deine Sketchnotes lesen wird. Wie vertraut sind die Leser mit dem neuen Wissen? Waren sie z. B. auch auf der Veranstaltung, die du visualisiert hast? Wenn ja, kennen sie schon den Ablauf und du musst ihn in den Sketchnotes nicht stark hervorheben. Zudem solltest du die Lesegewohnheiten Deiner Leserschaft ungefähr kennen. Welche Bücher lesen sie? Welche grafische Literatur sind sie gewohnt?

Wenn ich diese Fragen beantwortet habe, bestimme ich die grafischen Parameter, die ich weiter oben im Text schon vorgestellt habe.

Der Rahmen ist nun festgelegt. Es bleibt nun noch ein Teil, der nicht planbar ist. Und das ist gut so! Zum Beispiel die Wirkung der Text- und Bildeinheiten untereinander. Du kannst nicht voraussagen, welche Bilder du zeichnen wirst. Je nachdem, welche Motive du findest, wirst du spontan auf sie in der folgenden Gestaltung reagieren.

Das Improvisierte gibt den Sketchnotes Lebendigkeit und Persönlichkeit. Deswegen braucht niemand sich davor zu scheuen. Im Gegenteil: zeige deine Persönlichkeit! Ich gebe zu, dass es eine Frage der Übung ist, sich auf das Unvorhergesehene einzulassen. Aber ich kann Euch versichern: die Geschichten und Bilder, die spontan entstehen, sind meist die expressivsten und schönsten.

Die Führung der Augen

Die Augen mögen es, wenn ihnen gezeigt wird, wo sie anfangen müssen zu lesen. Ihnen sollte also von Anfang an klar sein, auf welche Leserichtung sie sich einlassen. Gibt es nur eine Leserichtung? Wenn ja, sollte diese deutlich markiert sein. Wenn nein, sollte das Layout « offener » sein. Je mehr man den Augen diese Entscheidung abnimmt, desto entspannter und konzentrierter sind sie für das Wichtigste, nämlich den Inhalt.

Es gibt die fliegenden Lesenden, die sich gerne einen Überblick verschaffen und sich an der Gesamtheit des Bildes erfreuen, aber nicht unbedingt den Text lesen. Und es gibt es die tauchenden Lesenden, welche die Sketchnotes von Anfang bis Ende durchlesen. Außerdem gibt es die springenden Lesenden, welche nur die Textstellen lesen, die sie am meisten interessieren. Alle Typen können sich auch miteinander mischen und sollten deswegen gleichberechtigt durch die Gestaltung abgeholt werden. Wie?

Für die fliegenden Lesenden:

  • eine gut gestaltete Überschrift mit ggf. Titelbild
  • eine ausgewogene Verteilung aller Bildelemente auf dem Blatt – für ein schönes Gesamtbild
  • einheitliche Gestaltung der grafischen Elemente (z. B. die Überschriften immer gleich) – die Regelmäßigkeit trägt auch viel zum ästhetischen Gesamteindruck bei
  • dekorative Elemente – geben dem Blatt einen persönlichen Reiz und können, wenn sie überlegt eingesetzt werden, auch als Blickfang dienen.

Für die tauchenden Lesenden:

  • gut leserliche Schrift
  • klare Vorgabe der Leserichtung – z. B. durch ein klares Layout mit Leserichtung von links nach rechts und von oben nach unten
  • Bilder, die zum Inhalt passen, den Text sinnvoll ergänzen und Stimmungen transportieren. Die Lesenden sollen Lust bekommen, sich die Bilder länger anzuschauen. Die Wahl der Bilder ist sehr vielseitig umsetzbar. Es gibt unendlich viele visuelle Sprachen. Grundsätzlich hängt die Wahl der Bildsprache vom Ziel der Sketchnotes ab. Ist es wichtig, Menschen und ihre Geschichten darzustellen? Dann zeichnest du Figuren. Geht es aber eher um Zahlen und Fakten, sind Zahlen und Symbole eventuell besser geeignet. Natürlich kannst du Bildsprachen auch mischen. Es sollte aber einen dominierenden Bildtonus geben.

Für die springenden Lesenden:

  • Das Zauberwort lautet « Priorisierung ». Gute Hervorhebung der Überschriften und visuelle Anker unterstützen die Markierung der wichtigtsten Infos – so wissen die springenden Leser, wo es sich lohnt hinzuspringen.
  • sichtbare Trennung zwischen verschiedenen Informationen
  • Markierungen der Schlüsselwörter im Text – so kann der Inhalt auf einen Blick erfassbar sein

Rhythmus ist alles

Rhythmus ist der Herzschlag der Sketchnotes. Ein gleichmäßiger Rhythmus ist schön und angenehm. So auch für die visuellen Notizen. Er macht sie « rund » und hält sie zusammen.

Unter « Rhythmus » verstehe ich zwei verschiedene Dinge:

  1. meinen persönlichen Rhythmus: Wie schnell zeichne ich? Welchen Rhythmus hat mein persönlicher Zeichenstil?
  2. objektiven « messbaren » Rhythmus: entsteht z. B. durch z. B. Abstände und Layout

Mein persönlicher Rhythmus als Comfort-Zone

Ich habe mich durch mein Sketchnotes-Tagebuch ein Stückchen besser kennengelernt. Nun kenne ich meine Vorlieben und Geschmäcke besser. Ich habe meine grafische Comfort-Zone gefunden. :-) Ich weiß nun, in welchen Bildsprachen ich mich am wohlsten fühle und welche Infos ich brauche, um sie herzustellen. Ich kenne meine Lieblingsinhalte und weiß, wie ich sie spontan gestalten kann.
Ich weiß aber auch, welche Herausforderungen mich außerhalb meiner Comfort-Zone katapultieren und habe Lösungen dafür gefunden, wie ich damit umgehen kann.

Allein deswegen lohnt es sich schon, regelmäßig und kundenunabhängig zu sketchnoten. :-)

Objektiver Rhythmus

Objektiv betrachtet gibt es mehrere Faktoren, die zu einem regelmäßigen stabilen Rhythmus beitragen. Zum Beispiel:

  • grafische Einheitlichkeit: Elemente mit der gleichen Funktion sollten immer gleich behandelt werden im Verhältnis zum Rest. Zum Beispiel: alle Überschriften sind in Blockbuchstaben, der Fließtext ist immer in Schreibschrift. Oder alle Bilder sind farbig, der Text immer schwarz. Wichtig ist, dass du dein Gestaltungssystem KONSEQUENT durchziehst.
  • Weißraum: der Weißraum ist der Gegenpol zur Schwärzung des Papiers. Die Augen brauchen diesen neutralen Raum zur « Erholung ». Deswegen: nutze Weißraum bewusst als Gestaltungselement.
  • Immer gleicher Abstand: genauso wie du ein System für die grafischen Elemente entwickelst, sollte auch der Abstand zwischen den Elementen kalkuliert und regelmäßig sein. Zum Beispiel immer der gleiche Abstand zwischen Überschriften und Fließtext, Sinneinheiten, Bild und Text usw..
  • eine kohärente visuelle « Sprache »: alle Gestaltungselemente, die ich weiter oben genannt habe, lassen sich unendlich variieren und miteinander kombinieren. Daraus und aus deinem persönlichem Stil entsteht eine Sprache, die « krakelig », « vornehm », « elegant », « modern », « wissenschaftlich », « humorvoll », « energiegeladen » und noch vieles mehr sein kann. Die Kunst besteht darin, eine gute Kombination zu finden, die zu Dir und zum Thema passt.

Nicht alle diese Empfehlungen müssen eingehalten werden, um einen schönen Rhythmus zu bekommen. Es ist auch möglich, nur einen Teil davon umzusetzen und den Rest flexibler anzugehen. Wichtig dabei: die regelmäßigen und wiederkehrenden Elemente müssen gut sichtbar sein.

Einfach mal stehen lassen – mein Umgang mit « Fehlern »

In meinen Flipchart-Workshops rate ich meinen Teilnehmenden immer, sich zur Übung ein Notizbuch zuzulegen. Die Betonung liegt dabei auf Buch. Ich finde es wichtig, in Büchern zeichnen und visualisieren zu üben, weil man die Seiten nicht wegschmeißen kann. Solange wir die Möglichkeit haben, angeblich misslungene Seiten zu entsorgen, tun wir es auch. Ein Buch hindert uns daran. In einem Buch gibt es gezwungenermaßen immer eine Dramaturgie, einen Ablauf. Wenn du alle Seiten einfach stehen lässt, wirst du am Ende sehen, wie du dich weiterentwickelt hast. Und das hast du ganz sicher! So machst du deine Weiterentwicklung sichtbar und es wird dich mutiger machen.

So erging es auch mir. Es gibt genug Seiten in meinem visuellen Tagebuch, mit denen ich nicht zufrieden bin. Ich zwang mich aber, sie trotzdem fertig zu zeichnen und nochmal im Ganzen zu betrachten. Warum funktioniert die Seite nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte? Was kann ich daraus für meine nächsten Seiten für Schlüsse ziehen?

Die Sketchnotes leben von der Spontanität des Striches. Nur wenn ich die Erfahrung gemacht habe, wie ich mit « Fehlern » produktiv umgehe, kann ich wirklich spontan in situ auf sie reagieren. Ich werde weniger Angst vor ihnen haben und Vertrauen in mein kreatives Potenzial gewinnen.

Zugegeben, es ist schon eine Überwindung, die Seiten, welche ich weniger gelungen finde, trotzdem meiner Community zu zeigen. Aber lang- und mittelfristig gesehen lohnt es sich auf jeden Fall!

Hier sind zwei Seiten, die ich aus verschiedenen Gründen weniger gelungen finde:

visuelle Tagebuch-Sketchnotes

Januar 2018

visuelleTagebuch-Sketchnotes

Februar 2018

Wie geht es weiter?

Ich werde mein Experiment fortführen und schauen, auf welche Reise es mich schickt. :-)

Außerdem biete ich nun einen offenen Kurs zum Thema « Einstieg in Reise-Sketchnotes ». Der Workshop ist dafür da zu zeigen, wie viel Spaß es macht, seinen eigenen Geschichten freien Lauf zu lassen und Dir Mut zu machen, einfach mal anzufangen. Wenn Du gerne lernen möchtest, Deine eigenen visuellen Geschichten zu erzählen, sei als Urlaubserinnerung, als Alltagsdokumentation oder für deinen Job, dann ist der Kurs genau das Richtige für Dich! Hier erfährst Du mehr darüber.

Résumée

Ein Jahr konsequentes Sketchnotes-Tagebuch Führen haben mich sensibilisiert für die visuellen Werkzeuge, die für Sketchnotes zur Verfügung stehen. Ich kann nun leichter und mit mehr von ihnen jonglieren. Mein Bewusstsein für den Raum « Papier » hat sich geweitet. Ich freue mich, dieses Experiment weiterzuführen und lasse mich gern auf das Ungewisse ein.

Warum Menschen mit kognitiver Einschränkung Graphic Facilitation brauchen

Anfang August fand das internationale Meetup Euviz zwischen visuellen Prozessbegleitern in Dänemark statt. Auch wenn ich nicht teilnehmen konnte, nutze ich die Gelegenheit, meine Arbeit als Visuelle Übersetzerin mit Menschen mit geistiger Behinderung vorzustellen. Auf dem Meetup gab es nämlich eine Session zum « Social Impact » von Graphic Facilitation – wie visuelle Prozessbegleitung also in sozialen Bereichen agieren kann. Hier könnt Ihr die Ergebnisse dieser Session sehen.

Ich fasse in diesen Sketchnotes kurz zusammen, wie Menschen mit geistiger Beeinträchtigung von visueller Prozessbegleitung profitieren. Welchen Problemen begegnen sie und wie kann das Graphic Facilitation helfen, diese Probleme zu lösen? Graphic Facilitation ermöglicht eine bessere Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Wie? Lest selbst:

Social Impact für inklusive Visualisierung

Sketchnotes gegen Rassismus und Diskriminierung

Vor 2 Wochen war ich auf der ersten Frühjahrsakademie des Landesnetzwerks Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt e.V. (Lamsa) . Es ging darum, wie man Diskrimnierung und Rassismus vorbeugen und darauf reagieren kann. Lamsa schafft Dialoge zwischen Migranten und Deutschen und setzt sich so für eine vielfältige Gesellschaft ein.

Ich habe spontan in meinem Notizblock Sketchnotes gemacht und die für mich wichtigsten Aussagen visualisiert. Es ist natürlich eine subjektive und persönliche Dokumentation ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Im ersten Teil gibt es eine Übersicht über die Themen « Interkulturelle Bildung », « Ausbildung und Arbeitsmarkt », « Sprachmittlung », « Alltagsrassismus und -diskrimnierung » und « Ehrenamt ». Dann besuchte ich einen Workshop über « Alltagsrassismus und -diskrimnierung » und habe dies weiter visuell dokumentiert.
_

 

"Wir bauen Brücken" und (verkehrs-)regeln auf und möchten Partner finden – Aussage von Lamsa über ihre Ziele festgehalten in Sketchnotes zur Lamsa Frühjahrsakademie

"In den letzten 4 Jahren ist die Anzahl der Ausländer um 50 [ gestiegen in Sachsen-Anhalt", "5% der Bewohner in S-A sind Ausländer", "Themen: Interkulturelle Bildung" – Migranten als Experten integrieren" – Aussage von Lamsa über ihre Ziele festgehalten in Sketchnotes zur Lamsa Frühjahrsakademie

"Perspektivwechsel", "Wo sind die Grenzen interkureller Bildung", "Rechtspopulismus stark", "Thema 2: Ausbildung und Arbeitsmarkt" – Aussage von Lamsa über ihre Ziele festgehalten in Sketchnotes zur Lamsa Frühjahrsakademie

 

"wir ändern Rahmenbedingungen, "Strategiepapier", "Integration aufAugenhöhe" – Aussage von Lamsa über ihre Ziele festgehalten in Sketchnotes zur Lamsa Frühjahrsakademie

"Thema 3: Sprachmittlung", " Wohnungssuche schwierig", "Sprache erlaubt Teilhabe", "Ehrenamt wichtig", "Amt soll Dolmetscher stellen" – Aussage von Lamsa über ihre Ziele festgehalten in Sketchnotes zur Lamsa Frühjahrsakademie

"Thema 4: Ehrenamt", Leute arbeiten aus herz, weniger für die Ehre"", "durch Ehrenamt Zugang zum Arbeitsmarkt erschwert" – Aussage von Lamsa über ihre Ziele festgehalten in Sketchnotes zur Lamsa Frühjahrsakademie

 

 

"Ehrenamtliche wollen gestalten", so viele wollen sich ehrenamtlich engagieren: 43% der in Deutschland geborenen mit einet deutschen Staatsbürgerschaft und Mgrantionshintegrund und 46 % der in Dtl geborenen und dt Staatsbürgerschaft und OHNE Migrationshintergrund" – Aussage von Lamsa über ihre Ziele festgehalten in Sketchnotes zur Lamsa Frühjahrsakademie

"diese Leute wollen sich ehrenamtlich engagieren: 31 % der menschen mit Migrationshintergrund, in Dtl geboren, OHNE deutsche Staatsbürgerschaft und 21 % der menschen der immigrierten Menschen OHNE dt Staatsbürgerschaft"," man braucht Sicherheit, um ehrenamtlich tätig zu sein" – Aussage von Lamsa über ihre Ziele festgehalten in Sketchnotes zur Lamsa Frühjahrsakademie

"Thema Alltagsrassismus", "Was ist Diskrimnierung? _ benachteilig aufrgund eines Merkmals", "Diskrimnierung gibt auf individueller Ebene, auf institutioneller Ebene und auf der diskursiven Ebene" – Aussage von Lamsa über ihre Ziele festgehalten in Sketchnotes zur Lamsa Frühjahrsakademie

 

 

 

 

 

 

 

"Wo wird diskriminiert? – Job, Wohnungssuche, Arzt, Banken, Jobsuche, Medien, Amt, Polizei, Kollegen, Schulweg, uff. Verkehrsmittel", "Mögliche Lösungen: Fürsprecher (da aber Vorsicht, Risiko Entmündigung)" – Aussage von Lamsa über ihre Ziele festgehalten in Sketchnotes zur Lamsa Frühjahrsakademie

"Thema Alltagsrassismus", "Was ist Diskrimnierung? _ benachteilig aufrgund eines Merkmals", "Diskrimnierung gibt auf individueller Ebene, auf institutioneller Ebene und auf der diskursiven Ebene" – Aussage von Lamsa über ihre Ziele festgehalten in Sketchnotes zur Lamsa Frühjahrsakademie

"Welche Lösungen gibt es? – Stärkung betroffener, eigene direkte Beschwerde der betroffenen, Hinweis auf Rechtslage, öfter u gebündelt beschweren, Gedächtnisprotokoll, zeugen" – Aussage von Lamsa über ihre Ziele festgehalten in Sketchnotes zur Lamsa Frühjahrsakademie

 

"Was kann lamsa tun? – empowerment Workshops, Rollenspiele, Aufklärung Mehrheitsgesellschaft", Was kann die Gesellschaft tun? bewusst mischen u Vielfalt sichtbar machen, Integration heißt: migranten sollen sich anpassen und die deutschen sollen offener sein" – Aussage von Lamsa über ihre Ziele festgehalten in Sketchnotes zur Lamsa Frühjahrsakademie

Mehr Barrierefreiheit im Grafikdesign

Ich hatte vorletzte Woche das Glück, einen Workshop zu besuchen, der GENAU zu meinem Thema passt. Es ging um barrierefreies Grafikdesign, also die barrierefreie Gestaltung von Schrift und Bild für Druckmedien. Der Kurs fand an der Hochschule Merseburg statt, wo viel zur visuellen Gestaltung für Leichte Sprache geforscht wird. Die Vortragenden waren Prof. Diplom-Grafikdesignerin Kerstin Alexander und M. A. Tech. Red. Cordula Wünsche. Die primäre Zielgruppe sind Menschen, die Standard-Texte nicht oder schlecht lesen können. Was ich aber so wichtig finde, ist, dass diese Infos auch für die Gestaltung von Standard-Texten nützlich, ja, sogar notwendig sein können.

Ich habe Euch die wichtigsten Aussagen aus dem Workshop zusammengefasst und visuell aufbereitet in Sketchnotes. Ich möchte, dass Texte in Leichter Sprache besser gestaltet werden. Mehr Designer sollen sich für ein barrierefreies Design interessieren. Denn so kann es irgendwann zum Standard werden und Inklusion auch auf visueller Ebene gelingen. Deswegen lege ich diese Informationen allen Menschen ans Herz, die für Leichte Sprache und ihre Visualisierungen verantwortlich sind.

Titel "Bild und Type – Über Bild und Type mit Menschen mit Lernschwierigkeiten kommunizieren". Danach werden 3 Regelwerke für Schrift: BMAS, DIN 1450 und BIT 2.0 und Netzwerk LS. Danach Punkt "Layout und Typo" . Zum Beispiel genug Weißraum einhalten, Bild links vom text setzen usw.

Empfehlung für Typo von leichte-Sprache-Texten: inhaltlich zusammen Gehöriges muss auch zusammen gesetzt werden, der Text sollte gut und logisch strukturiert sein. "Merkmale einer barrierefreien Schrift: hohe x-Höhe, Schrift ein bisschen breiter als normal, klare Unterscheidung ähnlicher Glyphen und Verwendung von Mediävalziffern.

Elche Schriften sind besonders gut geeignet? Opa Sans, neue Frutiger 1450 und Fira Sans. Welche Funktion können Bilder haben? Sie können eine affektive Funktion haben (Interesse wecken, Deko) und kognitive Funktion (Wissen verankern)

Regelwerke für Bilder: Lebenshilfe Bremen und Netzwerk Leichte Sprache. Beide sind leider unzureichend, besonders in Bezug auf abstrakte Begriffe. Studienergebnisse: 1. je abstrakter eine Darstellung, desto besser wird sie verstanden. 2. Je konkreter, exemplarischer ein Abstraktum durch ein ild aufgelöst wird, desto besser wird es verstanden. 3. Wenn praktisches Handeln an Text und Bild gekoppelt ist, erleichtert dies das Verständnis. Hinweise für eine bessere Text-Bild-Nutzung: direkte Verweise auf Bilder, Text und Bild sollten zeitgleich entstehen, Sprache kann man nicht durch Bild ersetzen. Text und Bild sollten komplementär sein. Ein Bild kann NICHT abstrakt sein, es ist immer individuell. Die Richtlinien für Piktogramme sollten bekannt sein. Vortragende: Kerstin Alexander (Prof. Diplomgrafikdesignerin) und Cordula Wünsche (MA Informationsdesign) HS Merseburg. Nützliche Links: Forschungsbereiche der Hochschule Merseburg zu finden auf www.kiw.hs-merseburg.de im Menu unter "Forschung"

Visualisierungen für KiTa-Broschüre – Interview

Ende letzten Jahres habe ich eine Info-Broschüre für die Landesnetzwerk Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt (Lamsa e. V.) gestaltet. Ich habe die Organisation zur Broschüre und meinen Visualisierungen befragt.

Wer seid Ihr und wofür setzt Ihr Euch ein?

Uns gibt es seit 2015 als Servicestelle für Interkulturelles Lernen. Seit 2017 haben wir zwei Servicestellen, unterteilt nach Schule und Kita, etabliert: „Interkulturelles Lernen in der Kita“, finanziert vom Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration des Landes Sachsen-Anhalt, und „Interkulturelles Lernen in Schulen in Sachsen-Anhalt“, finanziert durch das Ministerium für Bildung des Landes. Das ist ein Projekt des Landesnetzwerks Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt (LAMSA) e.V., das die politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Interessen der Bevölkerung mit Migrationshintergrund auf Landesebene vertritt. Unsere Servicestellen sind Anlauf- und Beratungsstellen für Pädagogische Fachkräfte aus Schulen und Kindertagesstätten in Sachsen-Anhalt, die sich den Herausforderungen im Zusammenhang mit einer interkulturellen Öffnung stellen wollen. Wir setzen uns für einen vorurteilsbewussten und wertschätzenden Umgang mit Vielfalt in Kitas und Schulen ein.

Welche Rolle spielen Visualisierungen für Euch?

Visualisierungen sind für uns sehr wichtig. Sie können die Vermittlung unserer Inhalte auf einer Ebene, die über das Textsprachliche hinausgeht, unterstützen, bereichern und beschleunigen, Nicht jede*r liest gern Texte. Bilder können einen Anreiz darstellen, sich auch mit dem Text auseinanderzusetzen. Durch die einfache, unmittelbare Zugänglichkeit der Bilder können in kürzester Zeit die wichtigsten Punkte visuell wahrgenommen werden und im Gedächtnis bleiben. Außerdem wirken die Texte durch die Illustrationen nicht trocken oder bürokratisch, sondern freundlicher, sogar wenn der Inhalt kompliziert oder schwierig ist. Deshalb haben wir uns entschieden, unsere zwei Broschüren der Serie „Elterninformation“ für Leser*innen durch Visualisierungen schöner, offener und zugänglicher zu gestalten.

Ich habe bis heute 2 Elternbroschüren für Euch gestaltet. Was steht denn eigentlich drin und für wen sind sie gedacht?

In den beiden Broschüren „Elterninformation Schule“ und „Elterninformation Kita“ haben wir versucht, Antworten auf die wichtigsten Fragen der Eltern über das Schulsystem bzw. Kindertageseinrichtungen in Deutschland so einfach wie möglich und gleichzeitig so detailliert wie nötig zu beantworten.

Aus welchem Bedarf heraus ist die Idee entstanden, die Broschüre in 6 Sprachen und in einfachem Deutsch herauszugeben und Visualisierungen zu verwenden?

Die Zusammenarbeit mit Eltern ist sowohl in den Kindertagesstätten als auch in Schulen ein sehr wichtiger Bestandteil der pädagogischen Arbeit. Das kann aber nur dann optimal funktionieren, wenn die Eltern oder weitere wichtige Bezugspersonen für die Kinder ausreichende Informationen zur Verfügung haben. Die Regeln, Normen und Möglichkeiten können auch im Bildungsbereich in unterschiedlichen örtlichen Kontexten teilweise sehr unterschiedlich sein. Es sind praktische Tipps und Informationen, die die Eltern brauchen, um ihren Kindern unterstützend zur Seite stehen zu können. Unsere Broschüren stellen eine der vielen Möglichkeiten dar, um kreativ mit dieser Situation umzugehen; die Sprachbarriere darf auf diesem Weg keine Hürde sein. Unter Berücksichtigung unserer Anfragen in Sachsen-Anhalt haben wir uns für diese sechs Sprachen entschieden, auch wenn wir sehr gerne sie in weiteren Sprachen zur Verfügung stellen würden und hoffen, dass dies in Zukunft möglich sein wird. Man könnte übrigens sagen, dass es Dank Deiner Arbeit nun gewissermaßen 7 statt 6 Sprachen sind, wenn man die Sprache der Bilder hinzurechnet. Bilder sind ja gewisser Weise eine Art universelle Sprache.

Was war Euch bei der visuellen Gestaltung des Textes und der Illustrationen besonders wichtig?

Wir wollten die wichtigsten Inhalte auch durch die Bilder vermitteln. Im Grunde genommen kann sogar jemand, der/die keine dieser Sprachen spricht, den Inhalt trotzdem verstehen, z.B. bei Krankheit die Kita anzurufen, oder dass für die Kita-Anmeldung eine ärztliche Beratung zum Thema Impfung notwendig ist usw. Außerdem wollten wir die Vielfalt der Gesellschaft auch in unseren Broschüren widerspiegeln, so sollen sich mehr Menschen angesprochen fühlen und wir können eine größere Zielgruppe erreichen.

Die Illustrationen in der zweiten Broschüre über KiTa sind anders gestaltet als die in der ersten Broschüre über Schule. Wie kommt das?

Die erste Broschüre „Schule“ war für uns eine hervorragende Erfahrung, aus der wir viel gelernt haben. In der zweiten Broschüre haben wir versucht, uns noch weiter zu verbessern. Das ist für uns ein kreativer Lernprozess.

Wie würdet Ihr die Zusammenarbeit mit mir beschreiben?

Die Zusammenarbeit mit Dir war sehr bereichernd für uns. Die Ideen durch Bilder herauszukristallisieren ist eine schöne, sehr kreative, aber auch zeit- und energieaufwändige Arbeit, die Du wirklich wunderbar gemeistert hast. Wir sind sehr dankbar auch für den offenen Umgang mit unseren Wünschen und Vorstellungen und die detaillierte Arbeit an Einzelheiten im intensiven Austausch mit Dir.

Was hat sich durch die visualisierten Broschüren für Euch und die Rezipient*innen verändert? Welche Reaktionen konntet Ihr feststellen?

Für beide Broschüren haben wir ein sehr gutes Feedback bekommen. Unsere Broschüre für Schulen wurde bereits zum dritten Mal nachgedruckt. Für die neue Broschüre zum Thema Kita ist es noch zu früh, die Reaktionen zu beurteilen, da die Broschüre ja erst im Dezember gedruckt wurde. Was wir jedoch sagen können ist, dass wir schon eine derartig hohe Nachfrage in dieser kurzen Zeit haben, dass wir entscheiden mussten, zunächst keine weiteren Bestellungen außerhalb Sachsen-Anhalts anzunehmen. Wir vermuten, dass die Visualisierungen einer der Gründe dafür sind.

Für wen können Eurer Meinung nach meine Visualisierungen besonders hilfreich sein?

Eigentlich für jede*n, die/der etwas, was ihr/ihm wichtig ist, vermitteln möchte und eine möglichst große Zielgruppe erreichen will. Wir können die Zusammenarbeit mit Dir nur empfehlen!

Vielen Dank für das Interview!

P. S.: Wenn Ihr Euch für die Broschüre interessiert, könnt Ihr das PDF hier einfach herunterladen oder einfach Lamsa kontaktieren. ;-)

 

Meine Marke nimmt Gestalt an – Review 2017 Teil 3

Im ersten und zweiten Teil meiner Review sprach ich über meine liebsten Infodesignprojekte und Graphic Facilitation. Hier kommt der letzte Teil, in dem ich Euch über die Entwicklung meiner Marke und mein Selbstverständnis erzähle. Mit „Marke“ meine ich nämlich nicht nur, dass ich „Visuelle Übersetzerin“ als Wortmarke habe eintragen lassen. Bis es Ende 2017 dazu kam, mussten sich zuerst ein paar Dinge entwickeln.

Mein Name « Visuelle Übersetzerin »

Anfang 2017 besuchte ich die zwei großen Bildungsmessen Learntec und Didacta. Dort fing ich das erste Mal an, mich konsequent als Visuelle Übersetzerin vorzustellen. Wie haben die Leute reagiert? Sie verstanden sofort, worum es ging oder wurden neugierig und fragten nach. Ich merkte, dass diese Bezeichnung einen Nerv traf.

Visuelle Übersetzerin vor didacta-Raumplan

Der Besuch auf der Learntec hat übrigens dazu geführt, dass ich beschlossen habe, e-learning-Design NICHT primär anzubieten. Ich habe durch denie Präsenz auf der Messe gemerkt, dass mir andere Themen (z. B. Inklusion und Leichte Sprache) wichtiger sind. Solche Negativ-Entscheidungen sind für mich mindestens genauso lehrreich wie die positiven.

Die konkreteste Auswirkung meines neuen Selbstbewusstseins zeigte sich in meinem Umgang mit Geld und Zeit. Nach einem Fast-Burnout im Juni erhöhte ich meine Preise und begann Aufträge abzugeben. In dieser Zeit schrieb ich auch mein bisher höchstes Angebot von 30000 €! Auch wenn der Auftrag leider nicht zustande kam, so hat mich die Angebotserstellung doch in meinem Wunsch nach einer korrekten Bezahlung bestärkt.

Gezielter netzwerken

Klasse statt Masse

Anstatt auf viele verschiedene Netzwerktreffen zu gehen, wurde ich 2017 wählerischer. Von da an ging ich nur noch auf Treffen, wo mindesten einer der folgenden Punkte zutraf:

  • sympathische Leute
  • Leute, die ähnlich ticken wie ich
  • interessantes Thema, das mich weiterbringt
  • Möglichkeit zur gegenseitigen Unterstützung
  • passende Branche
  • angenehme Netzwerkatmosphäre.

Außerdem treffe ich mich immer wieder gern mit einzelnen Leuten aus der Region und tausche mich mit ihnen aus.

Zu den für mich wichtigsten Netzwerkveranstaltungen 2017 gehörten: Stammtisch verständliche Kommunikation in Berlin, didacta, Tagung über Leichte Sprache in Mannheim, Buchmesse Leipzig, Unternehmerstammtisch Leipziger Westen, EU-Viz-Meetup.

Und im Digitalen: die xing-Gruppe „Leichte Sprache“.

Aktiv statt passiv

Wenn es noch kein Treffen zu meinem Thema gibt, wieso nicht selber eins organisieren? Ich trat also raus aus dem rein passiven Konsum von Netzwerkveranstaltungen und nahm selber die Zügel in die Hand. Mit Marion Kellner-Lewandowsky und Marko Hamel von Visual Selling startete ich die Vizthink-Meetups in Leipzig und Halle. Diese gehören zu einer deutschlandweiten Meetup-Serie, die visuelle Denker zusammenbringt. Es wird gemeinsam Visualisierung geübt, erprobt und diskutiert. Und es macht sehr viel Spaß!

Vizthink-Meetup-Leipzig-Halle: Leute visualisieren zusammen und sehen happy aus.

Ein andere Engagement hatte ich auf dem Agile-Meetup Leipzig, wo ich neben dem Agilen Coach Peter Lorenz und Christiane Stein einen Mini-Visualisierungsworkshop gab. Auch dies gab mir die Möglichkeit, mein Können zu präsentieren und mit den Leuten zu netzwerken, die wirklich Interesse am Thema haben.

Freude gefeiert!

Mein Jahr 2017 war also ziemlich erfolgreich. Meine Freude darüber habe ich mit lieben Menschen befeiert. Denn einfach Entspannen und glücklich Sein gehört auch dazu. :-)

Geburtstag und Erfolge feiernd in der Gartenlounge

Ich und Carina Flores (Entwicklungspolitisches Netzwerk Sachsen) feiern gemeinsam unsere Geburtstage UND unsere Erfolge

Ausblick

Für 2018 habe ich folgende Pläne:

  • Ich möchte Bilder für Leichte-Sprache-Texte testen mit verschiedenen Zielgruppen, um zu verstehen, wie Bilder diesen nützlich sein können.
  • Eine neue Dienstleitung kündigt sich an in Zusammenarbeit mit Anja Lützen. Es wird um Visualisierung und Leichte-Sprache-Übersetzungen gehen. Mehr erfahrt Ihr nach unserer Testphase im Frühling 2018.
  • Mit meinem neuen iPad werde ich bestimmt noch viel erforschen. Die digitale Zeichnung wird sich auf jeden Fall auf meinen Stil auswirken, wobei ich das analoge Zeichnen aber nie und nimmer sein lassen werde.
  • Ich werde mit Bettina Bock und Georg von Nessler einen Stammtisch zu „barrierefreier Kommunikation“ in Leipzig ins Leben rufen (der erste war am 19. Januar 2018).
  • Ich werde für Schulbücher illustrieren.
  • Ich werde Sketchnotes-Workshops anbieten. Ein Workshop über barrierefreie Bilder ist auch geplant. Da ich aber vorerst noch Bilder testen möchte, weiß ich nicht, ob ich dieses Jahr noch dazu komme.
  • Ich werde mich ehrenamtlich im sozialen Bereich engagieren.

Den ersten Teil meiner Review noch nicht gelesen? Hier liest Du etwas über meine Lieblings-Infodesignprojekte 2017.

 

Lieber aktiv statt passiv – meine Live-Visualisierungen 2017

Im ersten Teil meiner Review sprach ich über meine Lieblingsdesignprojekte 2017. Im zweiten Teil verrate ich Euch, was sich im Bereich der Live-Visualisierung und Sketchnotes bei mir getan hat.

Mehr Graphic Facilitation, weniger Graphic Recording

Auch im Bereich der Live-Visualisierung hat sich 2017 einiges konkretisiert. Durch meine tollen Partner Daniela Schober, Carsten Bolk und Andreas Berens von TheUntold, Katharina Ibrahim und ein intensives Coachinggespräch mit Katrin Seidel vom bfkm habe ich gemerkt, dass ich mit meinen Visualisierungen mehr schaffen möchte als ein schickes Plakat, ein „Nice-To-Have“, das am Ende der Veranstaltung zum Fotografieren und Bestaunen an der Wand hängt. Ich möchte etwas schaffen, was mehr Sinn macht und die Nutzer wirklich weiterbringt. Bedeutet konkret, dass ich vom Graphic Recording weg und mehr zum Graphic Facilitation hin möchte

Zum Beispiel:

Im Brand-Storytelling-Workshop, den TheUntold mit einem großen Unternehmen durchführte, habe ich die Teilnehmer visuell dabei unterstützt, ihren Personas Leben einzuhauchen und Storys zu finden, die einfach zu ihnen passen.

Persona zeichnen bei Brand-Storytelling-Workshop mit TheUntoldich mit Carsten Bock und Andreas Berens (theUntold) in ihrem Brand-Storytelling-Kurs

Zusammen mit Employ ID fand ich ihr Big Image, ihren visuellen Anker, den sie brauchten, um ihre Kunden von ihrer Dienstleistung zu begeistern.

Graphic Facilitation für Employ ID

Diese Arbeitsweise heißt auch, dass ich in die Konzeptionsphase und während des Workshops mit eingebunden werde und die Visualisierungen als Arbeitswerkzeug verstanden werden.

Damit die Leser auch was davon haben – nutzerfreundliche Sketchnotes

Ich entwickelte mehr Selbstbewusstsein und hatte ein neues Motto: „Das kann ich, also zeig ich’s!“. Ich kann Inhalte visuell auf den Punkt bringen. Welcher Kanal ist dafür nicht besser geeignet als Twitter? So fing ich an, über meinen Twitter-Kanal Begriffe visuell zu erklären, die mir über den Weg liefen (der Hashtag dazu: #visuellerklärt). Hier zum Beispiel zeige ich Lormen, die Sprache der Taubblinden, welche über den Tastsinn der Hände funktioniert.

Ich liebe es, Funktionalität und Ästhetik miteinander zu verbinden. Das ist mein Begriff von Design, wobei Funktionalität immer vorgeht. So auch bei meinen Sketchnotes. Ich finde sie total nützlich, weil sie mir selber helfen, Informationen besser aufzunehmen. Ich möchte aber, dass Andere auch davon Nutzen haben. Deswegen habe ich angefangen, meine Sketchnotes nutzerfreundlicher zu gestalten. Wie? Ich mache mir Gedanken zur Informationsarchitektur. Das heißt, wo sollte welche Info stehen, damit sie auch für andere Leser gut nachvollziehbar ist? Und das Format wird auch mitbedacht; ich wähle in der Regel Din A 4, weil es sich gut auf dem Bildschirm anzeigen und ausdrucken lässt.

Zum Beispiel meine Sketchnotes zu barrierefreiem Internet.

Sketchnotes zu barrierefreiem Internet

Mit einem anderen – persönlicheren – Projekt konnte ich meinen Stil auch noch weiter zuspitzen: meine Tagebuch-Sketchnotes „Zeichnen ist wie Schreiben“. Regelmäßig notiere ich mir da stichwortartig, was ich gemacht und erlebt habe und skizziere ein Bild dazu. Durch die Regelmäßigkeit bleibe ich in Übung. Außerdem sehe ich das Projekt als Experimentierfeld für Layout, Schreiben und Handlettering. Denn auf jeder Seite variiere ich mindestens ein grafisches Element und schaue, wie sich dies auf das Layout und die Lesbarkeit auswirkt. Teilen tue ich dieses Experiment unter #drawingislikewriting auf meinem Instagram-Account.

Drei seiten meines visuellen Tagebuchs bezeichnet mit Sketchnotes

Fazit: es hat sich für mich gelohnt dranzubleiben und nur das zu machen, was mir Spaß macht. Denn nur so konnte ich mich weiterentwickeln.

Im dritten und letzten Teil meiner Review erzähle ich, wie sich mein Netzwerkverhalten 2017 verändert hat.